Hotelpläne in alter Versteigerungshalle: Bundesdenkmalamt schaltet sich ein

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Seit 1951 prägt die alte Versteigerungshalle das Freistädter Stadtbild mit. 58 Jahre lang wurden dort Jungrinder, Kühe und Stiere zum Kauf vorgeführt. Foto: Maurer
Mag. Susanne  Überegger Mag. Susanne Überegger, Tips Redaktion, 02.03.2020 14:47 Uhr

FREISTADT. Die alte Versteigerungshalle, die sich seit 2009 im Besitz der Stadtgemeinde Freistadt befindet, soll dem neuen Hotelprojekt weichen. Zwar steht die im Jahr 1951 eröffnete Halle derzeit nicht unter Denkmalschutz, das Bundesdenkmalamt hat aber mittlerweile ein Prüfverfahren eingeleitet.

Noch vor wenigen Wochen wurde das Grundstück gegenüber der Messehalle, direkt an der Linzerstraße, als Standort für das geplante Hotel genannt.

Doch vergangene Woche wurde bekannt, dass nun die alte Versteigerungshalle dem Hotelprojekt weichen soll: „Wir als Hotelbetreiber sind gemeinsam mit der Messe Mühlviertel und der Wirtschaftskammer überein gekommen, dass die alte Versteigerungshalle unser Hotelstandort werden soll“, erklärte Hotelbetreiber Martin Sitter. Wer überhaupt der Investor des Hotelprojekts ist, ist nach wie vor nicht bekannt.

Schlafende Hunde geweckt?

Mittlerweile befasst sich aber das Bundesdenkmalamt mit dem architektonisch einzigartigen (siehe Infobox) Gebäude, das nicht unter Denkmalschutz steht.

„Ich habe vergangene Woche beim Bundesdenkmalamt Linz angerufen und sämtliche Unterlagen eingereicht“, hat Stadtrat (u. a. für Kultur und Denkmalpflege, Anm.) Architekt Klaus Fürst-Elmecker das Denkmalamt über die Pläne, die in Freistadt derzeit für die alte Versteigerungshalle geschmiedet werden, informiert. „Das Bundesdenkmalamt hat daraufhin ein Prüfverfahren eingeleitet.“

Kein Asbest in der Halle

Gerüchten, dass beim Bau der alten Versteigerungshalle Asbest verwendet worden sei und die Halle deshalb aufwändig saniert werden müsse, zerstreut Stadtrat Elmecker (Grüne) mit den Worten: „Das Gebäude ist baubiologisch einwandfrei.“

Pétanque-Verein fiel ob der Hotelpläne aus allen Wolken

Aus allen Wolken gefallen sind die rund 50 Mitglieder des Freistädter Pétanque-Vereins, als sie von den Hotelplänen am Standort der alten Versteigerungshalle – ihrer Trainingshalle – erfahren haben.

„Traurig, das aus den Medien zu erfahren. Wir waren in keinerlei Prozess eingebunden. Ein Abriss wäre für unseren etablierten Verein, aber auch für den gesamten österreichischen Pétanque-Sport eine Katastrophe“, bedauert Obmann Nikolaus Newerkla und hält fest: „Die Halle hat schon einen Nutzen, nämlich als Trainingshalle für unseren Verein!“

Freistadt als Zentrum des Petanqué-Sports

In der alten Versteigerungshalle finden täglich Trainings statt, zudem werden darin Kader-Trainings der EM- und WM-Spieler sowie Trainer-Ausbildungen abgehalten. „Freistadt hat sich mittlerweile zum Zentrum des Pétanque-Sports entwickelt“, unterstreicht Newerkla.

„Die alte Versteigerungshalle wird uns dankenswerterweise von der Stadtgemeinde, im Rahmen der Vereinsförderung, zur Verfügung gestellt.“

Bürgermeisterin Elisabeth Paruta-Teufer habe dem Verein nach einem Gespräch heute Montagvormittag, 2. März, eine alternative Trainingshalle in Aussicht gestellt. „Wir müssen uns diese alte Wagenhalle in der Zemannstraße erst ansehen, aber es ist fraglich, ob sie für das geeignet ist, was wir als Verein noch alles vorhaben“, sagt Nikolaus Newerkla. (Mehr dazu in der nächsten Tips-Ausgabe)

„Guter Konsens“

Die Verlegung des Hotelstandorts vom Grundstück an der Linzerstraße auf das Areal der alten Versteigerungshalle begründen der Hotelbetreiber und der Messevorstand übrigens so: „Die Messe braucht Parkplätze, die Hotelbetreiber brauchen die Messe. Die alte Versteigerungshalle als Hotelstandort ist ein guter Konsens.“

Martin Sitter sieht im neuen Standort auch einen ökologischen Aspekt: „Hier wird dann keine weitere Fläche zugebaut, sondern ein altes Objekt verwertet.“ Dies sei ganz im Sinne zukunftsweisender Raumplanung.

Historisches zur alten Versteigerunghalle

Die Versteigerungshalle mit der Adresse „Am Stieranger 2“ wurde vom Fleckviehzüchterverband unter dem damaligen Obmann und Landeshauptmann-Stellvertreter Johann Blöchl gebaut und am 11. August 1951 im Rahmen des Mühlviertler Volksfestes eröffnet.

„Der Architekt hieß Hans Arndt und die spezielle Dachkonstruktion wurde von den Hochbauwerken Schaffer aus Linz errichtet.

Der markante Hallenbau in der gewaltigen Dimension von 38 mal 26,2 Meter Grundfläche und mit einer Höhe von 18,3 Metern war für die damalige Zeit einzigartig in ganz Österreich“, weiß Fritz Fellner vom Schlossmuseum Freistadt.

58 Jahre lang wurden in der Versteigerungshalle Rinder zum Kauf vorgeführt, bis sich das Versteigerungsgeschehen im April 2009 in das neu errichtete Rinderkompetenzzentrum am Stadtrand verlagerte.

Die Stadtgemeinde Freistadt erwarb das gesamte Areal mit der alten Versteigerungshalle samt Nebenhalle im selben Jahr um 1,5 Millionen Euro. Die Nebenhalle, in der während der Messen stets die Tierschauen gezeigt worden waren, musste bereits einem großen Parkplatz für die Messe Mühlviertel weichen.



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