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BAD ZELL. Schnipp-schnapp, Faden ab, Geschäftstüre zu – so heißt es am 30. Dezember für Rosi Tischberger. Die weit über den Kurort hinaus bekannte und beliebte Änderungsschneiderin geht am 1. Jänner 2022 in Pension. „Am schönsten wäre es, wenn sich doch noch ein Nachfolger für mein Geschäft finden würde“, sagt die lebende Legende mit Nadel und Faden.

Rosi Tischberger (l.) und Christa Rumetshofer haben jahrzehntelang gemeinsam gearbeitet und gehen nun auch gemeinsam in Pension. (Foto: Greindl)

Sechs Tage in der Woche war Rosi Tischberger in den vergangenen 20 Jahren für ihre Kunden da – ob ein Reißverschluss ausgetauscht werden musste, ein Loch geflickt oder ein Dirndkleid „herausgelassen“. Tatkräftige Unterstützung kam stets von ihrer Mitarbeiterin Christa Rumetshofer, „Wir kennen uns seit Jugendtagen, haben gemeinsam in meinem Geschäft angefangen und jetzt gehen wir gemeinsam in Pension“, erzählt die gelernte Damenkleidermacherin.

20 Jahre zu Hause

Nach ihrer Lehre bei der bekannten Bad Zeller Schneidermeisterin Banwinkler folgte bald Heirat und Familiengründung. „20 Jahre lang war ich daheim, für meine drei Kinder habe ich natürlich alles selbst genäht“, erzählt Rosi Tischberger. Als die Kinder erwachsen wurden, suchte sie wieder ein berufliches Betätigungsfeld. „Kurz habe ich überlegt, in die Altenpflege einzusteigen, aber dann ist es doch wieder die Schneiderei geworden.“ Im kleinen blauen Häuschen in der Mosergasse, der ehemaligen Konditorei Zwölfer, war Rosi 13 Jahre lang erste Ansprechpartnerin für alles, was Nadel und Faden verlangte. Dann übersiedelte sie auf den Marktplatz in die ehemalige Gemischtwarenhandlung Bodingbauer. Dort glühen jetzt bereits seit sieben Jahren die Nadeln. Und jeden Tag sind Christa Rumetshofer und Rosi Tischberger gerne ins Geschäft gegangen.

„Jeder Reißverschluss, jeder Riss ist anders“

„Das Schöne am Nähen ist das Kreativsein, für jeden muss man sich etwas Neues einfallen lassen, nicht nur bei Neuanfertigungen. Jeder Reißverschluss, jeder Riss, jede Änderung ist individuell.“ Ihr Können und ihren Einfallsreichtum haben die Kunden – von Bad Zell bis Linz, von St. Leonhard bis Schönau – stets geschätzt. Ein Mantel für Maria Im Rückblick auf ihre 20 Jahre als selbstständige Änderungsschneiderin erinnert sich die gebürtige Schönauerin gerne an ihr aufwändigstes Stück. „Das war ein Brautkleid mit sieben, acht Lagen übereinander.“ Ein anderer Auftrag war mit acht Dirndkleidern für eine Volkstanzgruppe extrem aufwändig. Gefragt nach dem außergewöhnlichsten Stück, das ihr unter die Nadel gekommen ist, braucht Rosi Tischberger nicht lange zu überlegen:

Ein Mantel für die Heilige Maria

„Das war ein Mantel für eine große Marienstatue.“ Gerne erinnert sie sich auch an den Kurgast, der mehrere Sakkos zur Änderung bei ihr im Geschäft ablieferte. „Als er zum Abholen gekommen ist, hatte ich sie noch nicht fertig.“ Um Lösungen nicht verlegen, sagte Rosi dem Kurgast zu, die fertigen Sakkos nach Klam zuzustellen. „Daraus ist eine richtige Freundschaft enstanden, der Kunde ist Christbaumbauer, wir holen heute noch jedes Jahr bei ihm unseren Christbaum.“

Weglegen, wenn es ‚hunzt‘

Schief gegangen ist in den 20 Schneider-Jahren zum Glück wenig. „Meine Devise war immer: Wenn es ‚hunzt’, dann lege ich das Arbeitsstück weg und mache ein anderes Mal wieder weiter.“ Das Nähen wird sie auch privat in der Pension nie ganz gehen lassen, „für meine Familie und die Enkerl, aber ich werde es schon genießen, nicht mehr auf die Uhr schauen zu müssen“, schmunzelt Rosi. Wenn sie am 30. Dezember zum letzten Mal die Geschäftstüre schließt, steht nur noch Feiern auf dem Programm: Am 31. Dezember wird Rosi Tischberger 60, am 1. Jänner ist ihr erster Pensionstag. „Aber am liebsten würde ich feiern, dass sich noch jemand findet, der meine Änderungsschneiderei übernimmt.“


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