Mittwoch 19. Juni 2024
KW 25


Weitere Angebote

Sociale Medien

Kontakt

Zu früher Morgenstund als Postbuslenkerin unterwegs

Mag. Susanne Überegger, 15.03.2022 16:32

ENGERWITZDORF/PREGARTEN. Als Postbuslenkerin steht Alexandra Tischler-Berger beruflich ihre Frau. Am wohlsten fühlt sich die vierfache Mutter hinter dem Lenkrad eines 15-Meter-Busses.

Alexandra Tischler-Berger aus Engerwitzsdorf feiert bald ihr 5-Jahr-Jubiläum als Postbuslenkerin. (Foto: ÖBB/Jörg Berger)
Alexandra Tischler-Berger aus Engerwitzsdorf feiert bald ihr 5-Jahr-Jubiläum als Postbuslenkerin. (Foto: ÖBB/Jörg Berger)

Der Tag der Engerwitzdorferin startet schon um fünf Uhr morgens mit dem Versorgen der Kinder, gegen 6.15 Uhr geht es dann ab in die Arbeit. Je nach Dienstplan fährt Alexandra Tischler-Berger entweder zur Postbusgarage Pregarten oder Freistadt.

„In der Früh schaue ich zuerst, welcher Bus mir zugeteilt ist. Dann habe ich eine Viertelstunde Zeit, um den Bus zu betanken und genau zu kontrollieren, ob alles passt“, erzählt die 50-Jährige, die hauptsächlich die Strecken Freistadt-Götschka-Pregarten-Linz oder Gallneukirchen-Linz fährt. Ihre Schicht dauert vier Stunden, also endet der Arbeitstag nach dem frühen Dienstbeginn um 6.47 Uhr bereits um 10.47 Uhr.

„Das ist optimal, wenn man Familie hat“, schätzt die Mutter von vier Kindern zwischen 14 und 23 Jahren die Möglichkeit zur Teilzeitarbeit bei Postbus sehr. An schulfreien Tagen ist sie von 4.30 bis 8.30 Uhr im Einsatz, was ihr auch sehr entgegen kommt: „Da bin ich dann schon wieder daheim, wenn die Kinder aufstehen.“

Mehrere Führerscheine

Eigentlich ist Alexandra Tischler-Berger gelernte Konditorin. „Ich habe außerdem schon in einem Supermarkt und bei einem Brillenhersteller gearbeitet. Als die Kinder noch klein waren, bin ich mit dem Kindergartenbus gefahren. Es hat mich schon immer beeindruckt, wenn jemand ein großes Fahrzeug lenken konnte, und irgendwann wollte ich das auch probieren“, machte Tischler-Berger, bestärkt vom Ehemann, 2007 die Führerscheine für Bus, Lkw und Traktor. „Im Bus hinterm Steuer habe ich mich gleich sehr wohl gefühlt, das hat auf Anhieb gepasst.“

Große Verantwortung

Sie arbeitete zuerst bei einem anderen Busunternehmen, da Postbus damals noch keine Teilzeitkräfte einstellte. „2017 kam dann aber die Zusage von Postbus, dass ich auch mit 20 Stunden anfangen kann – am 20. März feiere ich schon mein 5-Jahr-Jubiläum als Postbuslenkerin“, lacht Alexandra Tischler-Berger. Sie sei von ihren männlichen Kollegen von Anfang an als vollwertige Kollegin behandelt worden: „Das Arbeitsklima ist ausgezeichnet.“

Am liebsten lenkt Alexandra Tischler-Berger die 15-Meter-Busse oder Stockbusse: „Ich finde einfach, die sind am angenehmsten zum Fahren.“ Früh schlafen gehen ist für die Postbuslenkerin ein Muss. „Ich trage schließlich eine große Verantwortung – für meine Fahrgäste, den Bus, aber auch für die anderen Verkehrsteilnehmer – und hinter dem Lenkrad muss ich mich hundertprozentig konzentrieren.“

Vorausschauendes Fahren

Der Straßenverkehr werde immer herausfordernder. „Früher hat einen an einer Kreuzung schnell einer mal rausgelassen. Heute steht man ewig, bis man abbiegen kann. Es gibt natürlich immer wieder auch nette Autolenker, aber mein Eindruck ist schon, dass der Stress im Verkehr immer mehr zunimmt. Auch auf die Radfahrer muss ich als Postbuslenkerin besonders achten – es gibt welche, die keine Ahnung von der Straßenverkehrsordnung haben. Und eine Vollbremsung mit einem 12-Meter-Bus und 70 Fahrgästen an Bord, die möchte ich mir ersparen. Deshalb ist es umso wichtiger, vorausschauend zu fahren.“ Bis auf kleinere Lackschäden ist sie bislang immer unfallfrei unterwegs gewesen.

Gutes Gespür für Menschen

Ein gutes Gespür für Menschen zu haben, das sei in ihrem Job sehr wichtig. „Ich grüße jeden Fahrgast freundlich, wenn er einsteigt und bedanke mich bei den Kindern, wenn der Ausweis gleich hergezeigt wird. Die Schüler, die mit mir mitfahren, kenne ich alle. Ist einmal ein Gesicht dabei, das mir nicht bekannt vorkommt, frage ich zur Sicherheit, ob das Kind beispielsweise wirklich nach Pregarten möchte“, so die Buslenkerin. Es sei nämlich auch schon vorgekommen, dass ein Mädchen versehentlich in den falschen Bus eingestiegen und, als es den Irrtum bemerkt hat, in Tränen ausgebrochen war. „Wenn man selbst Mama ist, fühlt man da natürlich gleich umso mehr mit“, organisierte Alexandra Tischler-Berger damals die Übergabe des verzagten Kindes an die Oma.

Verlaborierte Schülerausweise, Geldtaschen und Trinkflaschen findet die Postbuslenkerin des öfteren. „Meist weiß ich schon, wem was gehören könnte. Einmal hat ein Schüler seinen Laptop im Bus liegen lassen – er war total erleichtert, als ich ihm das Gerät am nächsten Tag wieder aushändigen konnte.“ Garteln und Reiten als schöner Ausgleich Ihren Ausgleich zum Beruf findet Tischler-Berger, die auch ausgebildete Kräuterpädagogin und Hufpflegerin ist, in ihrem Garten und in der Natur. Am besten entspannt sich die Engerwitzdorferin aber, wenn sie den Bus gegen ein PS eintauscht – nämlich bei ausgedehnten Ausritten mit ihrem Pferd.

Übrigens: Postbus sucht aktuell viele neue Lenker und Lenkerinnen für Oberösterreich.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.

Jetzt anmelden