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Bürgermeister a. D. Erich Punz: „War nie sicher, wiedergewählt zu werden“

Mag. Claudia Greindl, 20.04.2022 18:00

LIEBENAU. „Ich war mir nie sicher, dass ich wiedergewählt werde“, sagt Erich Punz. Dafür hat seine Amtszeit recht lange gedauert. Im vergangenen September ist nach fast 24 Jahren die Zeit des Sozialdemokraten als Bürgermeister der Marktgemeinde Liebenau zu Ende gegangen. Im Tips-Gespräch blickt er zurück – und mit Optimismus in die Zukunft.

Seit Herbst 2021 in „Polit“-Pension: Bürgermeister a. D. Erich Punz (SPÖ) (Foto: privat)
Seit Herbst 2021 in „Polit“-Pension: Bürgermeister a. D. Erich Punz (SPÖ) (Foto: privat)

„Die schönste Gemeinderats-Periode war für mich die Zeit, als die ÖVP Zweidrittelmehrheit im Gemeinderat hatte“, erzählt Erich Punz schmunzelnd. „Da war jede Gemeinderatssitzung spannend.“ An Spannung hat es dem Bürgermeister außer Dienst in seiner langen Amtszeit aber trotz wechselnder Mehrheiten (2003 holte die SPÖ sogar die absolute Mehrheit) ohnehin nie gefehlt. Schon 1998, als er nach dem Tod von Rupert Schwarzinger erstmals ins Amt gewählt wurde, gab er den Bewohnern der knapp 1.600-Seelen-Gemeinde einiges zum „Kiefeln“ auf. „Damals gab es noch keine Ortskanalisation. Durch meine Arbeit in der Stadtbildgestaltung und Altstadterhaltung beim Magistrat Linz hab ich mir Gedanken gemacht, wie Liebenau nach dem Kanalbau ausschauen soll“, erzählt er.

Hochschulen abgeklappert

Punz klapperte Hochschulen ab und legte schließlich ein Projekt zur Ortsgestaltung vor. „Es war überzogen, aber die Leute waren sensibilisiert.“ Zum Magistrat war der gelernte Tischler und Textillaborant übrigens ganz ohne Protektion gekommen: Zunächst als „Mädchen für alles“, unter anderem als Schulwart, kam er nach der Probezeit ins Büro des Bürgermeisters, später als Sachbearbeiter in die Stadtbildgestaltung. „Ja, habt ihr euch mich nicht angeschaut?“, fragte er einmal seine Vorgesetzten, ohne je nach seiner Parteizugehörigkeit gefragt worden zu sein.

Volksschul-Abriss polarisierte

Auch der geplante Abriss der alten Volksschule war ein Thema, das im Ort polarisierte. „Für mich war Abreißen erst ein Thema, wenn es eine bessere Idee für den Bauplatz gegeben hätte.“ Heute befindet sich in dem sanierten Gebäude die Musikschule. „Planung braucht Architekten, nur zu einem bestimmten Zeitpunkt sind auch Techniker nötig, diesen Punkt muss man finden“, stellt Erich Punz heute fest.

Viele Projekte umgesetzt

Ob Architekt oder Techniker – als Bürgermeister war der Liebenauer an der Umsetzung vieler erfolgreicher Projekte beteiligt. „Wir haben heute ein Hallenbad, das Tannermoor, die Wintersportarena – deren Erfolg natürlich den Akteuren zu verdanken ist, aber die Wege hat die Kommunalpolitik geebnet.“ Was ihm in der Politik heute ein wenig fehlt, ist das Über-den-Tellerrand-Schauen. „Es kann in Sachen Infrastruktur nicht alles verwirklicht werden, aber prüfen muss man es zumindest, wenn es wahr werden soll.“ Als Kommunalpolitiker blieben Erich Punz auch Misserfolge nicht erspart. Zu diesen zählt, dass das Burnout-Präventionsprojekt „Moor & mehr“ nicht zu verwirklichen war. „Man weiß aber nie, wo die Zeit noch hingeht“, sagt er. Die Pläne jedenfalls liegen nicht im Papierkorb. Ein Tiefschlag, der ihn persönlich sehr schmerzte, war 2014 die Verurteilung wegen Amtsmissbrauchs durch das Landesgericht Linz 2014.

Nicht nur Freunde gehabt

Punz hatte damals Baugenehmigungen erteilt, ohne auf die endgültige Genehmigung des Flächenwidmungsplans durch das Land OÖ zu warten. „Ich war manchmal sicher ein unangenehmer Zeitgenosse und habe beim Land nicht nur Freunde gehabt. Die Bewilligungen waren aber immer im Sinne der Liebenauer“, blickt er zurück. Die standen damals auch – unabhängig von der Parteifarbe – voll hinter ihrem Bürgermeister und stärkten ihm moralisch den Rücken. Leute nicht verheizen Seine Ankündigung, kein fünftes Mal als Bürgermeister zu kandidieren, machte Erich Punz im vergangenen Herbst wahr. Dass es keinen SPÖ-Kandidaten gab, sei zwar schmerzlich gewesen, „aber man muss auch ehrlich zugeben, dass wir niemanden hatten, der das Bürgermeister-Amt mit seinem Beruf vereinbaren kann. Es hat keinen Sinn, Leute zu verheizen.“ Das politische Geschehen in der Gemeinde verfolgt er natürlich weiterhin, im Gemeinderat jedoch nur als Ersatzmandatar. „Man kann es nicht von heute auf morgen abschalten, wenn man so lange in einer Entscheidungsposition war. Wenn etwas Interessantes auf mich zukommt, klappe ich die Ohren nicht zu, aktiv gehe ich aber keine neuen Verpflichtungen ein.“ Verpflichtet ist Punz derzeit höchstens seiner Familie – der Tochter, der er beim Hausbau hilft, und seiner Gattin Gerlinde. Mit ihr ist er am liebsten per Mountainbike oder mit dem Campingbus unterwegs.

Geboren in Windhagmühl als „Kind der Liebe“, war für Erich Punz der Weg in die Sozialdemokratie quasi vorgezeichnet. Die Mutter Gelegenheitsarbeiterin, der Stiefvater Sägearbeiter, schlug Erich die Tischlerlaufbahn ein und kam bald mit der Kommunalpolitik in Berührung. Seit 1979 gehörte Punz dem Gemeinderat an – und wollte stets ein wenig frischen Wind hineinbringen. „Wir werden dir die Wadln schon viererichten“, bekam er vom damaligen Bürgermeister Walter Neulinger zu hören. Als Rupert Schwarzinger bei der ersten Bürgermeister-Direktwahl 1997 für die ÖVP kandidierte, weigerte sich Punz trotz Drucks aus seiner Fraktion, als Gegenkandidat anzutreten. Der überraschende Tod Schwarzingers nach wenigen Monaten wendete das Blatt komplett, im April 1998 holte Punz völlig überraschend das Bürgermeister-Amt für die SPÖ – und das blieb knapp 24 Jahre so. Schon lange vor der Wahl im Herbst 2021 stand für den mittlerweile 65-Jährigen fest: „Eine fünfte Kandidatur wird es nicht geben.“ Mangels „rotem“ Gegenkandidaten ging das Bürgermeisteramt bekanntlich an August Reichenberger (ÖVP).

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