Als die Erde wackelte: Vor 50 Jahren erschütterte Erdbeben die Region

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Mag. Claudia Greindl Tips Redaktion Mag. Claudia Greindl, 31.05.2022 19:00 Uhr

PREGARTEN/HAGENBERG. Es war am Samstag, 17. Juni des Jahres 1972: Exakt um 10.03 Uhr gab es einen explosionsartigen Knall, die Erde zitterte rund eine Minute lang: Mit Stärke 6 auf der zwölfteiligen Mercalli-Sieberg-Skala war dies das „Erdbeben des Jahrhunderts“ im Mühlviertel. Zahlreiche Mauerrisse und Dachschäden waren die Folgen. Karl Hinterleitner und seine Familie verloren ihr Zuhause in Hagenberg.

Mit ihren zwei kleinen Buben hatten sich Maria und Karl Hinterleitner aus Helfenberg im gepachteten Auer-Haus im Stöcklgraben seit vier Jahren ihre Existenz aufgebaut: drei Kühe, ein paar Schweine und Hühner, vier Joch Grund. „Ich bin vor dem Haus gestanden, als es plötzlich einen Rumpler gemacht hat und ein Schütteln zu spüren war. Im ersten Moment hab ich gedacht, es hätte wer die Bank im Ort gesprengt, die kurz vorher überfallen worden war“, erinnert sich Karl Hinterleitner, heute 79.

Putz und Mörtel fielen von den Wänden

Als der Spuk vorbei war, kam seine Gattin verzweifelt aus dem Haus gelaufen – mehrere Scheibtruhen Putz und Mörtel waren von den Wänden gefallen, die Mauern hatten Risse bekommen. „Wir haben halt wieder zusammengeputzt, aber nicht daran gedacht, dass das Haus unbewohnbar werden würde“, so der Pensionist. Als in den Nächten danach jedoch immer wieder Mauerwerk aus den Rissen rieselte, wurde der damalige Mitarbeiter der Linzer Brauerei misstrauisch. „Was wird denn das noch werden?“ sagte er zu seiner Frau.

Meterhohe Stufe im Garten

Als im Garten plötzlich eine meterhohe Stufe aufklaffte und die betonierte Miststatt zerbröckelte, war es klar: Das Wasser aus vielen durch das Beben trocken gefallenen Hausbrunnen in Hagenberg und dazu der Regen hatten den Hang ins Rutschen gebracht. „Eines Morgens konnte ich nicht mehr mit dem Auto vor der Haustür wegfahren, weil die Zufahrt über Nacht eine meterhohe Stufe bekommen hatte.“ Am 20. Juli, drei Wochen nach dem Erdbeben, sprach eine behördliche Kommission ein Betretungsverbot für das einsturzgefährdete Haus aus. Karl Hinterleitner: „Wir haben nicht mehr im Haus schlafen dürfen und sind auf die Minute mit Bett und Kasten zu meinem benachbarten Arbeitskollegen gezogen, der zum Glück eine freie Wohnung für uns hatte.“ Auch die Kühe und Schweine mussten sofort weg.

Mauern eingestürzt

Drei Tage war Zeit zum Ausräumen des von der Familie gepachteten Hauses, dann brach das Gebäude zusammen. „Es war uns leid um das Haus, das 1973 komplett abgerissen worden ist.“ Bis heute ist der instabile Untergrund nicht mehr bebaut worden. Familie Hinterleitner kaufte nach fünf Monaten im „Exil“ ein Haus am Ende des Stöcklgrabens. „Wir haben geschaut, dass wir rasch wieder was zusammengebracht haben“, erinnert sich der Witwer. Schon bald standen wieder Kühe und Ziegen im Stall. Seine Leidenschaft für Federvieh wie Gänse und Wachteln hat sich Karl Hinterleitner bis heute erhalten.

Feuermauer der Kirche beschädigt

In Pregarten und Hagenberg lag an diesem 17. Juni 1972 das Epizentrum des „Erbeben des Jahrhunderts“. Deutlich zu spüren waren die Erschütterungen und jene eines erheblich schwächeren Nachbebens auch in Wartberg ob der Aist und Katsdorf und weit darüber hinaus. „Mauerwerk stürzte von den Häusern, Fenster barsten, bei vielen Häusern stürzten die Kamine ein. Auch die Feuermauer der Kirche war so stark beschädigt worden, dass sie von der Feuerwehr abgetragen werden musste“, verzeichnet die Chronik der FF Hagenberg. Zu spüren war das Wackeln aber auch noch in Linz, Wien, Graz und Klagenfurt, besonders von Bewohnern von Hochhäusern.

Firmling durch herabstürzenden Ziegel verletzt

Wie die OÖ Nachrichten am 19. Juni 1972 berichteten, gab es den einzigen Verletzten in Katsdorf, wo Weihbischof Dr. Wagner in der Pfarrkirche die Firmung spendete. „Ein elfjähriger Firmling lief von Panik erfüllt ins Freie und wurde von einem herabfallenden Ziegelstein am Kopf leicht getroffen, es floß sogar ein bißchen Blut [sic““, notierte die Zeitung. In Pregarten und Hagenberg gab es kaum ein Haus, an dem das Beben nicht Schaden angerichtet hatte. Von den Beschädigungen überzeugte sich bei einem Lokalaugenschein sogar der damalige Landeshauptmann Dr. Erwin Wenzl. An der Pfarrkirche Pregarten waren durch die Erschütterungen bei den Gewölben und am Turm tiefe Mauerrisse entstanden. Das Gotteshaus wurde bis zu einem baumeisterlichen Lokalaugenschein gesperrt.

Kirchenbesucher stürzten in Panik ins Freie

Im April 2006 ereignete sich in der Region abermals ein Erdbeben, Stufe 4 nach Mercalli-Sieberg, jedoch zum Glück ohne Schäden an Menschen oder Gebäuden. Aus diesem Anlass sprach Tips danach mit dem mittlerweile pensionierten Amtsleiter Franz Leitner, der auf das große Beben von 1972 zurückblickte: „Laut Gemeindechronik stürzte das Lindner-Haus in Veichter ein, mehrere Gebäude mussten abgerissen werden. Es hat auch Nachbeben gegeben, in der Nacht und am Sonntagfrüh sind die Messbesucher in Panik fluchtartig aus der Pfarrkirche gestürzt“, zitierte Leitner aus der Chronik. Als nach dem Beben Regen einsetzte, füllten sich die Risse im Boden mit Wasser und verursachten einen Erdrutsch.

Grundsätzlich ist das Land OÖ sehr selten von Erdbeben betroffen, laut Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik alle drei Jahre. Nur alle 50 Jahre ereignet sich laut Statistik ein Beben, das zu Gebäudeschäden führt. Zuletzt war ein Beben im vergangenen Jänner in Rohrbach und Urfahr-Umgebung zu spüren. Im Raum Pregarten ereignen sich die seichtesten Erdbeben in Österreich mit einer Tiefe von zwei bis vier Kilometern. Laut Experten kreuzen sich hier zwei Bruchzonen, die zu Beben führen können. Obwohl die Magnitute dieser Erschütterungen gering ist, führen diese bereits zu leichten Gebäudeschäden. In den vergangenen 100 Jahren hat in Österreich die Erde rund 1.500 Mal gebebt. Meldungen von Beben-Beobachtungen: www.zamg.ac.at/cms/de/aktuell/erdbeben

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