Kulturjuwel oder Bruchbude: Neuhauser-Hof entzweit Gemeinde

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Mag. Claudia Greindl Tips Redaktion Mag. Claudia Greindl, 19.07.2022 18:00 Uhr

GRÜNBACH. Ist der 320 Jahre alte Neuhauser-Hof ein Kulturjuwel oder ein baufälliger Steinhaufen? Darüber scheiden sich in der Gemeinde die Geister. Fakt ist, dass es einen gültigen Beschluss des Gemeinderats für den Abriss des Hofes gibt.

Im Jahr 2020 nahm die Gemeinde Grünbach das Erbe von Nikolaus Neuhauser an und gelangte somit in den Besitz des jahrhundertealten Hofes, der seit Generationen nicht mehr umgebaut worden war. Auch ein Sparbuch, Wald- und Wiesengrund waren Teil der Erbschaft. In der jüngsten Gemeinderatssitzung fiel nun der Beschluss, den Neuhauser-Hof abzureißen – aus Sicherheitsgründen, wegen Einsturzgefahr, begründete die ÖVP die knappe Mehrheitsentscheidung (10:9), die SPÖ und FPÖ nicht mittragen konnten. „Ich glaube auch nicht, dass der gesamte Hof erhalten werden kann“, sagt SPÖ-Fraktionsobmann Stefan Klambauer. „Aber ich hätte zumindest eine breite Diskussion in der Bevölkerung angestrebt und Ideen gesammelt, wie man das alte Gebäude für öffentliche Zwecke nutzen könnte, und zugleich Nikolaus Neuhauser ein ehrendes Andenken erhalten.“ Klambauer könnte sich Wohnungen, betreutes Wohnen oder ein Gemeinschaftswohnprojekt gut vorstellen.

Sicherheit gewährleisten

Für Bürgermeister Stefan Weißenböck (ÖVP) ist der bevorstehende Abriss eine Frage der Sicherheit, die er als erste Bauinstanz gewährleisten müsse. „Der Hof ist schwer baufällig, es ist einfach keine weitere Nutzung möglich“, sagt das Gemeindeoberhaupt. Der in Neuhausers Testament festgelegte Wunsch des Verstorbenen, seinen Erbhof zu erhalten, sei nicht bindend. Vom Land Oberösterreich gebe es dafür auch keine Förderung. „Wenn es sinnvoll und zweckmäßig wäre, würden wir es machen. Hätte Nikolaus einen ausdrücklichen Willen formuliert, dass sein Hof nicht abgerissen wird, hätten wir das Erbe nichtangetreten“, so Weißenböck.

Nein zu Bürgerbeteiligung

Bürgerbeteiligung, wie die SPÖ sie vorschlägt, ist für ihn keine Option: „Wir sind voriges Jahr als Volksvertreter gewählt worden, um Entscheidungen für Grünbach zu treffen.“ Es habe auch von den anderen Fraktionen keine Vorschläge für eine Nutzung des Hofes gegeben. Eine Wohnbaugenossenschaft habe Interesse an dem Grundstück bekundet. Da eine lokale Baufirma nahe dem Hof derzeit ein Wohnhaus errichtet, ergäben sich geringere Abbruchkosten. Sinnvoll sei es, vom Hof die Türgerichte, das Altholz und andere Teile zu erhalten und bei der Gestaltung des nahen Platzes, die ab Herbst beginnen werde, zum Andenken an Nikolaus Neuhauser einzubinden.

„Leichenfledderei“

„Das wäre Leichenfledderei“, beurteilt der gebürtige Grünbacher Klaus Elmecker Weißenböcks Vorschlag. Der Architekt und Freistädter Kulturstadtrat kennt den Neuhauser-Hof seit seiner Kindheit und hat ihn schon vor seinem Architektur-Studium akribisch vermessen und Detailpläne davon gezeichnet. „Der älteste Teil des Hofs ist von 1699, auch der Rüstbaum trägt diese Jahreszahl. Der mittlere Teil datiert mit 1848, 1904 ist noch einmal umgebaut worden, seither ist nichts mehr geschehen, außer die notdürftigsten Reparaturen, etwa am Dach.“ Jedoch: „Natürlich gehört etwas gemacht, aber der Hof ist keineswegs akut einsturzgefährdet, die Substanz ist gut abgesichert und ziemlich stabil, es besteht kein Grund, ihn übereilt abzureißen, was außerdem ein Vertrauensbruch gegenüber Nikolaus wäre“, sagt Elmecker.

Handwerksbetriebe aus dem Ort hätten das Können, den Hof zu sanieren. „Und mit dem geerbten Geldbetrag wäre sich das auch ausgegangen“, so der Architekt. Für ihn ist der Neuhauser-Hof nicht nur aus geschichtlicher Hinsicht ein Juwel, sondern auch ein Vorbild, was Handwerkstechniken betrifft: „Ein Teil des Hofs ist in Holzriegelbauweise mit Lärchenholz, Stroh und Lehmputz errichtet worden. Heute ist das ein Lehrbeispiel für ökologisch nachhaltiges Bauen, drinnen ist es keineswegs feucht, sondern es hat stets ein angenehmes Klima und wird nie heiß.“

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Kommentare

  1. Ludwig E.
    Ludwig E.23.07.2022 11:00 Uhr

    Abriss Neuhauserhof - Ich kenne diesen Hof mein Leben lang und mir blutet das Herz, wenn ich daran denke, dass dieser Hof nun abgerissen werden soll. Ich empfinde die Vorgangsweise, der Gemeinde Grünbach , als höchst unmoralisch. Hätte man dem Hr. Neuhauser bei Lebzeiten die wahre Absicht mitgeteilt, so wäre dieser sicher nicht bereit gewesen sein Vermögen an die Gemeinde zu vererben. Über mündliche Vereinbarungen oder Äußerungen ,in dieser Angelegenheit , kann man nur spekulieren. Er wäre aber sicher nicht der erste, den man über den Tisch gezogen hat. Abgesehen von der moralischen Frage, ist auch die rechtliche Frage, in Bezug auf den letzten Willen des Verstorbenen zu klären. Die Gemeinde mag zwar Baubehörde erster Instanz sein, aber sie hat auch rechtlich zu prüfen, was nun wirklich der letzte Wille war. Tut sie das nicht, wird wohl dem Hr. Bürgermeister eine Amtshaftungsklage ins Haus stehen. Mir ist auch völlig unklar warum sich das Bundesdenkmalamt noch nicht eingeschaltet hat. Hier geht es nicht nur darum, ob der Hof erhalten werden kann oder nicht, sondern auch, um die Frage der Erfüllung des letzten Willens des Erblassers, und somit um die Gültigkeit des Testaments.



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