FREISTADT.Eine Netzwerkerin mit Leib und Seele ist Heidemarie Pöschko aus Freistadt. Die Soziologin ist als Sozialforscherin selbstständig und sie engagiert sich unter anderem in der Fraustadt-Initiative dafür, dass Frauen im öffentlichen Raum sichtbarer werden.

„Wenn ich Frauen einen Rat geben würde, dann diesen: Werkt nicht daheim allein im kleinen Kämmerlein, geht hinaus, vernetzt euch, bringt euch ein!“ Heidemarie Pöschko spricht aus Erfahrung, denn vor einigen Jahren hat sie ihr Homeoffice gegen ein repräsentatives Altstadt-Büro auf dem Freistädter Hauptplatz getauscht. Die Freistädterin führt im Auftrag von Unternehmen und öffentlichen Organisationen mit ihrer Firma „P und P Sozialforschung“ empirische Studien durch. „Natürlich ist es praktisch, daheim neben der Arbeit schnell die Erdäpfel zuzustellen und die Wäsche aufzuhängen, aber ein eigenes Büro macht was mit einem, man ist viel präsenter und man hat Räumlichkeiten für Mitarbeiter und Besprechungen“, sagt die gebürtige Reichenthalerin, Jahrgang 1961. Der Erfolg gibt ihr Recht.
Pöschko und Partnerinnen
Der Weg zur Sozialforscherin war für Pöschko kein ganz gerader, denn ihre ersten beruflichen Sporen verdiente sie als Lehrerin. „Zuerst war ich in Frankenmarkt, dann bin ich mit Ewald (ihr Gatte, heute Geschäftsführer der Braucommune Freistadt, Anm.) wieder nach Freistadt zurückgekehrt.“ Drei Söhne kamen zur Welt. Das Soziologie-Studium einer Freundin machte Heidemarie neugierig und hungrig auf eine weitere Ausbildung: „Wie die Gesellschaft funktioniert, hat mich immer schon interessiert.“
P und P Sozialforschung stand damals für Pfaffenberger und Pöschko, aus dem nach dem Ausstieg der Kollegin Pöschko und Partnerinnen wurde. Nächstes Jahr feiert Heidemarie Pöschko mit ihrer Firma, in der sie immer wieder Praktikantinnen und Auslands-Studentinnen beschäftigt, ihr 20-Jahr-Jubiläum. Bewusst hat sie das Unternehmen klein gehalten, um selbst in die Forschungsprojekte involviert sein zu können. Präsent sein, sich vernetzen, die eigene Blase aufbrechen - das ist für die Freistädterin längst zum Lebensprinzip geworden.
Von Mütter gegen Atomgefahr bis Fraustadt
„Mein frühestes Netzwerk waren Ende 1980 die Mütter gegen Atomgefahr, ich war ein Gründungsmitglied.“ Mit 50 wurde Pöschko als „Frischgefangene“, die in die Wirtschaftsvertretung zuvor kaum involviert war, für zwei Perioden Vorsitzende von Frau in der Wirtschaft. „In diesen Jahren habe ich gelernt, wie engagiert und vielfältig Frauen unterwegs sind. Teamarbeit war mir damals schon sehr wichtig.“
Ihr Herzensprojekt, Fraustadt Freistadt, hat sie mit sieben weiteren Frauen im Zuge des 800 Jahr-Jubiläums von Freistadt aus der Taufe gehoben. „Wir haben mit verschiedenen Aktionen Frauen und ihre Aktivitäten ins Blickfeld geholt, ganz breit aufgestellt, von den Bäuerinnen angefangen bis hin zu Frauensalons mit Gästen wie Lou Lorenz-Dittlbacher.“ Es gab kritische Stimmen, aber vor allem viel positives Echo. Das Projekt läuft seit Jahren und hat mit den Freistädter Frauengeschichtsblättern und dem Einsatz von Fraustadt für nach Frauen benannten Straßen auch Nachhaltigkeit erlangt. „Freistadt hat 60 Männer-, aber mittlerweile auch vier Frauenstraßen - das tut niemandem weh und ist mit keinerlei finanziellem Aufwand verbunden. Aber für das kollektive Bewusstsein ist es unendlich wichtig.“ Sehr engagiert ist Heidemarie Pöschko auch in der Brigitte-Schwaiger-Gesellschaft. „Sie wurzelt in der Fraustadt, die Aktiven überschneiden sich ein wenig. Unser Ziel ist es, das literarische Werk einer wirklich großen Freistädter Autorin bekannter zu machen.“
Gleichberechtigt, oder...
Die immer aktuelle Frage nach der Vereinbarkeit von Beruf und Familie hat Pöschko schon in ihrer Magisterarbeit behandelt. „Ich war 2002 in Finnland, dort ist man in der Frage der Gleichberechtigung viel weiter. Es hat damals schon das Papamonat gegeben. Ich bin stolz darauf, dass es meinem Mann und mir gelungen ist, unsere drei Söhne, heute 36, 35 und 30 Jahre alt, so zu erziehen, dass sie ihren Haushalt gleichberechtigt mit ihrer Partnerin führen.“
Überzeugt ist sie vor allem davon: Wenn unbezahlte Pflege- und Betreuungsarbeit gerecht auf beide Geschlechter aufgeteilt würde, wäre man in der Emanzipation schon ein großes Stück weiter. Ist Heidemarie Pöschko eine Emanze? „Wenn das bedeutet, dass ich eine selbstständige Frau bin, die gut für sich selbst sorgen kann, dann ja“, schmunzelt sie.


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