Vom Pausemodus zur Podcasterin: Helene (18) inspiriert mit leisem "Zwischenton"
TRAGWEIN. Schule, Freunde, Reiten, Musikprobe - mit 16 war Helene Eder ein typischer Teenager. Eine schwere Erkrankung hat es still werden lassen in ihrem Leben. In der Zeit, als Helenes Dasein „auf Pause“ war, kam der heute 18-Jährigen die Idee zu einem eigenen Podcast. Unter dem Titel „Zwischenton“ erzählt sie leise Geschichten mit Nachhall über Menschen wie du und ich.

Helenes Haut ist blass, ihr Körper dünn, fast zerbrechlich, aber ihre Stimme klingt fest, wenn sie sich dabei filmt, wie sie in Lebensgeschichten von Menschen eintaucht. „Ich bin offen und habe immer gerne mit Leuten geredet, ich mag es einfach gerne, die Geschichten anderer Menschen zu erzählen“, sagt die heute 18-Jährige.
Dabei hatte es nie auf ihrer Agenda gestanden, einen Podcast herauszubringen. „Mein Leben war durchgeplant, ich habe seit der zweiten Klasse Mittelschule gewusst, dass ich einmal in die HBLA für Wein- und Obstbau nach Klosterneuburg gehen würde, was ich danach studieren will und dass ich in den Bio-Betrieb meiner Eltern einsteigen will“, erzählt sie.
Plötzlich schwer krank
Von einem Tag auf den anderen wurden diese Pläne im März 2024 auf Eis gelegt. Das Pfeiffersche Drüsenfieber, das normalerweise innerhalb einiger Wochen ausheilt, stellte nicht nur das Leben der damals 16-Jährigen, sondern auch das ihrer Eltern Eva und Norbert Eder vulgo Pankrazhofer auf den Kopf. „Zuerst haben wir an eine normale Grippe geglaubt, aber mein Zustand ist einfach nicht mehr besser geworden“, erinnert sich die junge Frau. Es sollte sich herausstellen, dass es sich um die Symptome von ME/CSF handelte.
Ein halbes Jahr lang geschlafen
Eine Rückkehr ins Internat nach Klosterneuburg war ausgeschlossen. „Ein halbes Jahr lang habe ich nur geschlafen und nicht einmal denken können.“ Freunde zu treffen, war unmöglich. Der Neustart in der Schule im Herbst, nachdem sich Helene den Sommer über ein wenig erholt hatte, endete mit einem Crash, einem völligen Zusammenbruch. „Ich bin immer gerne in die Schule gegangen, aber wenn Schulegehen mit solchen gesundheitlichen Folgen verbunden ist, mag ich nicht mehr“, sagt sie heute.
Normalzustand Schmerzen und Erschöpfung
Was folgte, waren Arztbesuche, Therapien, Reha-Aufenthalte - und weitere Komplikationen. Eine zusätzliche Erkrankung im Verdauungstrakt ließ Helenes Gewicht rasant sinken. Über eine Nasensonde, einen dünnen Schlauch, bekommt sie noch heute jede Nacht kalorienreiche Flüssignahrung zugeführt. Dauernde Schmerzen im Kopf, in den Nerven, Gelenken und Gliedern und ständige Übelkeit waren der Normalzustand. „Für meine Familie war die Situation oft schwieriger als für mich selbst“, ist die Tragweinerin überzeugt. Die Unmöglichkeit, ihr helfen zu können, war nicht nur für ihre Eltern, sondern auch für die Großeltern schwer zu ertragen. „Wir haben uns alle dadurch verändert.“
Ein Konzept als Zeitvertreib
Langsam, ganz langsam, begann sich Helenes Zustand mit Hilfe verständiger Ärzte wieder zu bessern. Nachdem sie sich monatelang ihr Zeit mit Häkeln und Podcasthören vertrieben hatte, kam ihr die Idee, ein Konzept für einen eigenen Podcast zu schreiben. Papa Norbert, dem sie es am Vatertag vorlegte, war Feuer und Flamme, er schlug sofort ein Fotoshooting für das „Gesicht“ des Podcasts vor. „Ich hatte ja gar nicht vorgehabt, es umzusetzen, aber nach und nach ist es mein Herzensprojekt geworden, ich habe eine sinnvolle Beschäftigung und es ist schön, wenn die Leute meine Texte hören.“
Podcast-Studio im Spielzimmer
Mittlerweile hat sich Helenes ehemaliges Spielzimmer, dort, wo früher der Schleich-Pferdestall stand, in ein Podcast-Studio verwandelt. Sie kennt das niedrige Belastungsniveau ihres Körpers nun schon so gut, dass sie mit viel Pacing (den Körper nicht beanspruchen, liegen anstatt sitzen, hören anstatt lesen) am Vor- und am Nachmittag ein paar Stunden aktiv sein kann, ohne wieder einen Crash heraufzubeschwören.
Die Themen, die sie im Podcast anspricht, sind bunt gemischt. „Ich führe Gespräche mit Menschen, deren Geschichte ich dann erzähle.“ Sägewerks-Besitzer Rudi Ortner, ein Nachbar, hat über das Hochwasser in seinem Betrieb mit Helene geredet, mit Edith, einer ehemaligen Mitarbeiterin beim Pankrazhofer, ging es um Mutterschaft und Väterkarenz.
Rudi Anschober sagte zu
Sogar Ex-Gesundheitsminister Rudi Anschober, der selbst in einer ME/CFS-Stiftung engagiert ist, stand Helene schon Rede und Antwort. „Er hatte eine Lesung in Pregarten, ich habe ihm gemailt, ob er mit mir reden würde - er war sofort bereit, wir haben ihn abgeholt und uns zwei Stunden unterhalten“, ist Helene stolz, das Treffen ohne elterliche Hilfe arrangiert zu haben.
Inspirieren und berühren
Die Themengehen ihr noch lange nicht aus, ihr Notizbuch ist voll mit Ideen und möglichen Gesprächspartnern. „Manchmal sind auch schon Menschen von selbst auf mich zugekommen und wollten ihre Geschichte erzählen.“ Allen Episoden gemeinsam ist: Die junge Podcasterin will mit „Zwischenton“ andere inspirieren, berühren und nachdenklich machen, aber auch Mut, Kraft und Hoffnung vermitteln.
Besser als zu Beginn, aber...
„Ich bin perfektionistisch und habe vor, mindestens alle zwei Wochen einen neuen Podcast zu veröffentlichen, allerdings hängt es sehr davon ab, wie es mir gesundheitlich geht.“ Von einer Genesung ist Helene nämlich noch weit entfernt. „Es geht mir viel besser als am Anfang, aber ich weiß nicht, ob ich es schaffe, so wie früher zwei Pferde zu trainieren, laufen zu gehen, einige Projekte gleichzeitig am Laufen zu haben und dann auch noch in der Musikkapelle mitzuspielen.“ Die Matura an der Abendschule zu machen, den elterlichen Betrieb zu übernehmen, das ist noch immer ihr Plan. „Vielleicht ist es aber auch einmal gut, eine Zeitlang gar keinen Plan zu haben.“
Durch Erkrankung gereift
Die Erkrankung hat aus ihr eine extreme Optimistin gemacht und sie reifen lassen. „Ich merke es jetzt schon: Mit meinem Podcast erreiche ich Menschen. Wir können so viel entscheiden, alleine durch unser Einkaufsverhalten. Das große Ganze können wir nicht verändern, aber es geht auch im Kleinen was, wenn man über komplexe Themen redet, auch wenn es anstrengend ist“, will sie sich und ihre Hörer damit beschäftigen, was in der Welt passiert.
Olympia-Special in der nächsten Episode
Wer Ideen für den „Zwischenton“-Podcast hat oder mit Helene in Kontakt treten möchte, schreibt ihr via Facebook-Direktnachricht oder per E-mail an kontakt.podcast.zwischenton@gmail.com
Die nächste Podcast-Episode erscheint am Mittwoch, 18. Februar, um 0 Uhr. Die begeisterte „Fernseh-Sportlerin“ hat eine Olympia-Spezialausgabe vorbreitet. Zu hören ist „Zwischenton“ auf allen gängigen Podcast-Plattformen, zu sehen auch auf Facebook.
Für Ö3 Podcast Newcomer Award nominieren
Übrigens: „Zwischenton“ kann bis 27. Februar täglich beim Ö3 Podcast Newcomer Award nominiert werden: https://oe3dabei.orf.at/lottery/index.php?id=2114


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