Nach 19 Jahren an der Spitze des Roten Kreuzes Freistadt: „Aufhören, wenn’s am schönsten ist“
FREISTADT. 19 Jahre lang stand Karin Stütz an der Spitze der Ortsstelle Freistadt des Roten Kreuzes. Vor kurzem legte sie ihre Funktion in neue Hände. Tips hat die Freistädterin um ihre Bilanz gebeten.

Tips:6.790 Tage, 162.960 Stunden, oder 9.777.600 Minuten haben Sie die Ortsstelle geleitet, wie Mitarbeiter ausgerechnet haben. Wie sind Sie zum Roten Kreuz gekommen?
Karin Stütz: Eigentlich wollte ich Krankenschwester werden, das hat sich aber nicht ergeben. Der Wunsch, Menschen zu helfen, ist aber immer da gewesen, daher bin ich 1994 dem Roten Kreuz beigetreten. Danach hat eines das andere ergeben, ich habe Ausbildungen absolviert und bin in den Ortsstellenausschuss gekommen.
Tips: Nach dem plötzlichen Tod von Ortsstellenleiter Siegmund Reibenberger haben Sie seine Nachfolge angetreten.
Stütz: Ja, ich habe ihn schon während seiner Krankheit unterstützt und bin 2007 Ortsstellenleiterin geworden. Es war ehrlich gestanden damals nicht einfach, als Frau beim Roten Kreuz eine Führungsposition auszuüben, das war damals in der Arbeitswelt noch gar nicht so üblich. Ich habe mich in der Rotkreuzwelt bewähren müssen und bin viermal wiedergewählt worden. Der Wunsch, dass ich weitermache, ist von den Mitarbeitern gekommen, das hat mich sehr gefreut.
Tips:Was waren Ihre größten Herausforderungen?
Stütz: Da fällt mir gleich die Eröffnung des Neubaus in der Zemannstraße 2002 ein. Eine große Herausforderung war es immer, die Vorgaben vom Landesverband zu filtern und an die Mitarbeiter weiterzugeben. Ich habe meine Funktion immer sehr ernst genommen und viel Zeit für das Rote Kreuz aufgewendet, und das neben meiner Vollzeit-Beschäftigung beim AMS Freistadt. Zum Glück ist mir mein Arbeitgeber sehr entgegengekommen, auch meine Familie hat mich immer unterstützt. Daneben waren mir der Dienst als Sanitäterin und die Gespräche mit Mitarbeitern nach belastenden Einsätzen, SvE genannt, immer sehr wichtig.
Tips:Im Bezirk haben Sie SvE (Stressverarbeitung nach belastenden Einsätzen) ins Leben gerufen.
Stütz: Ja, Freistadt war bei den ersten Bezirken dabei. Mein Herz hängt daran, ich bleibe auch weiterhin Leiterin von SvE.
Tips:Was waren Ihre schwierigsten und was die schönsten Stunden beim Roten Kreuz?
Stütz: Die schwärzesten Stunden waren sicher die Todesfälle unserer beruflichen Mitarbeiter David Hostinar und Stefan Karlinger. Am schönsten habe ich immer die große Teilnehmerzahl bei Feiern oder Ausflügen und den Zusammenhalt empfunden, auch wenn wir Großveranstaltungen wie den Frühschoppen oder die Verpflegung beim Freistädter Wandertag organisiert haben. Froh gemacht haben mich die positiven Rückmeldungen aus der Bevölkerung auf Einsätze, bei denen unsere Mitarbeiter mit Können und viel Einfühlungsvermögen aufgetreten sind. Aufhören soll man aber, wenn es am schönsten ist.


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