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Schenkfest auf Burg Reichenstein: Den Kreislauf des Gebens in Schwung bringen

Mag. Claudia Greindl, 16.04.2024 18:00

TRAGWEIN. Nehmen ohne schlechtes Gewissen, geben, ohne eine Gegenleistung zu erwarten: Das Schenkfest am Samstag, 27. April, versteht sich als Manifest gegen die Wegwerfgesellschaft. Tips sprach mit Organisatorin Marlene Fröschl-Geirhofer.

Marlene Fröschl-Geirhofer setzt Zeichen gegen die Wegwerfgesellschaft. (Foto: privat)
Marlene Fröschl-Geirhofer setzt Zeichen gegen die Wegwerfgesellschaft. (Foto: privat)

Das System ist einfach: Wer etwas zu verschenken hat, bringt es am 27. April bis 16 Uhr zur Burgruine Reichenstein. Von 13 bis 18 Uhr können Besucher dann kostenlos Dinge ihrer Wahl mit nach Hause nehmen.

„Es funktioniert wie ein Gratisflohmarkt“, erklärt Marlene Fröschl-Geirhofer. Die gebürtige Saxenerin arbeitet als selbstständige Zirkuspädagogin und persönliche Assistentin für Menschen mit Beeinträchtigung. Die Idee einer derartigen Veranstaltung hatte eine ihrer Freundinnen von einer Spanien-Reise mitgebracht. „Den ersten Gratis-Kleiderflohmarkt haben wir in Wels veranstaltet“, erzählt Marlene. Die Absicht lautete, das Leben ein wenig nachhaltiger zu gestalten und das Schenken von nicht benötigten Dingen zu normalisieren.

2022 folgte ein ähnlicher Markt bei der Burgruine Prandegg in Schönau, allerdings nicht mehr auf Kleidung beschränkt, sondern auf alle intakten, sauberen und gebrauchsfähigen Dinge aus einem Haushalt. Der Zuspruch war außergewöhnlich gut und machte dem Organisatoren-Team Lust auf mehr. Aus dem „Gratisflohmarkt“ ist mittlerweile das Schenkfest geworden, das nun erstmals am Samstag, 27. April, auf Burg Reichenstein gefeiert wird. Marlene: „Es geht nicht darum, möglichst viele Sachen zusammenzuraffen. In unserer Wegwerfgesellschaft wird ohnehin viel zu viel produziert und entsorgt. Vielmehr soll die Idee der Schenkökonomie in den Köpfen der Leute kreisen. Sie sollen etwas geben, ohne sich etwas zurückzuerwarten und nehmen, ohne dabei ein schlechtes Gewissen zu haben. Der Grundgedanke soll sein: Was brauche ich wirklich? Gibt es vielleicht etwas, das ich mir schon längst kaufen wollte?“ Auch wer nichts mitbringt, darf sich Sachen mitnehmen. „Das ist sogar erwünscht, schließlich stehen wir sonst am Ende mit einem Berg von Dingen da.“

Viel Nagelneues

Wie die Erfahrungen zeigen, sind viele der gespendeten Dinge wie neu. „Ich habe schon sehr viele Sachen von Freunden und Verwandten gesammelt, mein Zimmer daheim in Saxen ist ziemlich voll. Bei manchen Sachen ist sogar noch das Etikett drauf“, erzählt die Saxenerin, die in Wien lebt. Sie sortiert die geschenkten Güter regelmäßig aus. „Zum Wegschmeißen ist selten etwas dabei“, freut sie sich über die Qualität der Spenden. Zum Stöbern in den Kategorien Haushalt, Freizeit und Kleidung sind alle Interessierten nach Reichenstein eingeladen. „Manche haben schon Bewusstsein für den Kreislauf des Gebens, anderen muss man es erst erklären, aber eigentlich sind alle begeistert davon“, weiß Marlene. Das Schenkfest findet bei jeder Witterung statt.

Am Tag des Festes, Samstag, 27. April, kann jedermann eine haushaltsübliche Menge (ca. ein bis zwei Müllsäcke) an Sachen zu verschenken mitnehmen. Abgabe ist bei der Info- und Abgabestelle auf der ersten Etage der Burg Reichenstein. Annahmestopp ist 16 Uhr. Beschenken lassen kann man sich von 13 bis 18 Uhr. Der Appell der Veranstalter: „Bitte verschenke nur Sachen, die du auch deinen Liebsten weitergeben würdest!“ Schmutzige Kleidung, kaputtes Geschirr oder defekte Elektronikgeräte sowie sperrige Möbel sind nicht erwünscht. Für Möbel und Dienstleistungen gibt es eine Pinnwand, auf der ein Steckbrief hinterlassen werden kann. Die Besucher erwartet ein Kuchenbuffet auf Basis freiwilliger Spenden, die dem Frauenhaus und dem Erhalt der Burgruine zugutekommen.


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