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Beängstigende Bevölkerungsprognose: Bis zu 20 Prozent Minus für den ländlichen Raum

Mag. Claudia Greindl, 11.01.2017 12:55

BEZIRK FREISTADT. Beängstigende Zahlen listen die Bevölkerungsprognosen der kommenden Jahrzehnte für die Region auf. Die Grundtendenz: Je weiter vom Zentralraum eine Gemeinde entfernt ist, umso stärker sinkt die Zahl der Einwohner und umso höher ist der Altersdurchschnitt der verbleibenden Bevölkerung.

Abwanderung bedroht die ländlichen Gemeinden massiv. Wer oder was bleibt noch übrig? Foto: Ulrike Schmalzer

Die Prognosen bis zum Jahr 2040 sprechen für die Region eine deutliche Sprache: Der Süden des Bezirks, konkret die Gemeinden Pregarten, Hagenberg, Wartberg und Unterweitersdorf – dürfen sich laut der Abteilung Statistik des Landes OÖ bis zum Jahr 2040 auf einen Bevölkerungszuwachs im zweistelligen Prozentbereich freuen (siehe Tabelle). In der Peripherie verkehrt sich dieser Trend ins Negative: Kaltenberg, Sandl, Weitersfelden, St. Leonhard und auch Hirschbach, vor allem aber Liebenau (Prognose von minus 20,7 Prozent bis 2040, Tips hat berichtet) müssen sich auf eine schmerzhafte Abnahme der Einwohnerzahl gefasst machen.

Perspektiven aufzeigen

Um diesen bedenklichen Trend umzukehren oder zumindest deutlich zu bremsen, läuft sich die Landtagsabgeordnete und Wirtschaftskammer-Obfrau Gabriele Lackner-Strauss (ÖVP) seit Jahren buchstäblich die Hacken wund. „Alle unsere Projekte, wie die Fachkräfteiniitiative, die Jobtour, das Projekt „14 – was nun?“, das Lehrlingsparlament und auch das Interkommunale Betriebsbaugebiet (INKOBA) zielen darauf ab, der Abwanderung gegenzusteuern“, sagt die Freistädterin, der es ein Herzensanliegen ist, „den jungen Menschen bewusst zu machen, dass unsere Region eine hohe Lebensqualität hat, und dass es hier für sie Perspektiven gibt!“

Erfolg für INKOBA

Besonders stolz ist Lackner-Strauss darauf, dass im Gefolge des Baues der S10 bereits 500 Arbeitsplätze auf den INKOBA-Flächen entstanden sind. „Der Mitgliedsbetrag beträgt für die 27 Gemeinden einen Euro pro Einwohner und Jahr. Mittlerweile bekommen sie sechs Euro pro Einwohner an Kommunalsteuer zurück – Einnahmen, die für die Infrastruktur der Gemeinde verwendet werden können“, freut sich die WKO-Obfrau. Auch die Vernetzung der Betriebe untereinander trage zur Sicherung von Arbeitsplätzen und zur regionalen Wertschöpfung bei: „Wenn etwa Technosert für Schinko oder Kreisel arbeitet, sind wir auf dem richtigen Weg. Wir können die Region gemeinsam gestalten.“ Einen ungehobenen Schatz ortet die Landtagsabgeordnete im Tourismus: „Je mehr es in der Welt zugeht, desto größer ist unsere Chance.“

Hoher Leidensdruck

Mit größerer Ernüchterung sieht Johann Gradl, Ehrenobmann der Region Mühlviertler Alm die Abwanderungs-Problematik. Schon vor mehr als drei Jahrzehnten war für ihn als Bürgermeister von Schönau der Leidensdruck der abnehmenden Einwohnerzahl unerträglich – daraus resultierte die Gründung des Regionalverbandes Mühlviertler Alm. „In Sonntagsreden wird immer eine Lanze für den ländlichen Raum gebrochen, aber leider haben periphere Regionen noch nie eine wirksame Lobby gehabt“, so Gradl. Dabei sei die demografische Entwicklung „nicht gottgewollt, aber die Politik lässt zu, dass Prognosen eintreffen. Dabei brauchen Maßnahmen viel Zeit, eine Generation, bis sie greifen.“ Es sei noch nie fundierte Grundlagenforschung betrieben worden, um zu erheben, was wirklich nötig wäre, um das Ruder herumzureißen.

Grundlagendforschung fehlt

Der Schönauer vermisst auch die Umsetzung konkreter Vorhaben: „Die Summerauer Bahn ist bis heute nicht zweigleisig ausgebaut, aber in den Zentralraum wird weiter Geld hineingepumpt.“ Einen gerechten Finanzausgleich hält er nur für einen Teil der Lösung. „Die Politik muss mit den Bewohnern peripherer Problemregionen Rahmenbedingungen erarbeiten und ein Klima schaffen, das den Menschen Mut macht und es ermöglicht, eine Selbstverantwortungsbewegung in Gang zu bringen. Wie viele gute Ideen sind schon versandet, nur weil man die Eigenmittel nicht aufbringen konnte.“


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