Zeichen für Inklusion, Toleranz und Chancengleichheit
GALLNEUKIRCHEN/MAUTHAUSEN. Vier Menschen mit Beeinträchtigung arbeiten im Bistro beim KZ Mauthausen. Das Diakoniewerk Gallneukirchen will damit an diesem geschichtsträchtigen Ort ein klares Zeichen für Inklusion, Toleranz und Chancengleichheit setzen. Nach einem Jahr Probebetrieb und einer Umbauphase wird das Bistro am 5. April offiziell eröffnet.

„Es ist schön hier zu arbeiten“, sagt Kerstin Schwarzendorfer. Sie arbeitet gemeinsam mit ihren Kollegen Natalie Frühwirth, Klaudia Krenn, Talu Özcan und Betreuern im Bistro. „Wir dürfen servieren, abräumen, beim Kochen und beim Abwaschen helfen“, erzählt Krenn. 2015 wurde das Diakoniewerk von der Leitung des Mauthausen Memorials angefragt, ob sie das Bistro betreiben wollen. Das Diakoniewerk hat bereits Erfahrung in diesem Bereich mit dem Café Kowalski in Gallneukirchen, aber in Mauthausen sind die Gäste eine andere Zielgruppe. „Es kommen viele Reisegruppen, auch aus dem Ausland. Die Sprachbarrieren sind da manchmal schon eine Herausforderung“, sagt Judith Rockenschaub, die das Bistro leitet.
Positive Rückmeldungen
„Die Rückmeldungen von den Gästen sind aber überwiegend positiv. Die meisten finden es gut, dass Menschen mit Beeinträchtigung hier arbeiten dürfen. Nach einem Jahr Probebetrieb wissen wir, dass unsere Mitarbeiter auch mit stressigen Situationen umgehen können und als Team gut zusammenarbeiten.“
Geschichte aufarbeiten
Da sich das Diakoniewerk aus seiner Geschichte heraus mit dem Thema Euthanasie an Menschen mit Behinderungen während des Nationalsozialismus beschäftigt, wurde das Thema bewusst aufgearbeitet. „Am Anfang wurde mit den Mitarbeitern auch ein Rundgang unternommen. Ihnen ist durchaus bewusst, was hier passiert ist. Aber dadurch, dass das Bistro in einem separaten Bereich ist, ist es kein Problem für sie“, sagt Rockenschaub. Gerhard Breitenberger, Geschäftsführer des Diakoniewerks sieht die Umsetzung dieses Arbeitsmodells am Standort Mauthausen als einen Meilenstein auf dem Weg zu einer inklusiven Gesellschaft: „Im Sinne der gleichberechtigten Teilhabe gehen wir von einer Gesellschaft aus, die unabhängig von Behinderung, Hautfarbe und Religion gleich an Rechten und Chancen ist. An diesem Ort setzen wir damit ein Zeichen gegen ein faschistoides Herrschaftssystem, das damals Menschen als minderwertig und lebensunwert eingestuft hat, und treten damit für eine solidarische Gesellschaft ein.“ Das Projekt wurde Ende 2016 mit dem Menschenrechtspreis des Landes Oberösterreich ausgezeichnet. Die Arbeit außerhalb von Einrichtungen für Menschen mit Behinderung ermöglicht eine bessere Teilhabe an der Gesellschaft. Durch die Zusammenarbeit von Menschen mit und ohne Beeinträchtigung sollen Vorurteile und Barrieren abgebaut werden.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden