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GALLNEUKIRCHEN. Anlässlich des Internationalen Tag der Menschen mit Behinderung am 3. Dezember macht das Diakoniewerk auf die aktuelle Situation von Betroffenen aufmerksam. Durch die nachhaltigen Kürzungen im Sozialbudget in Oberösterreich steht laut dem Diaokienwerk weniger Betreuung zur Verfügung. Menschen mit Behinderung berichten von ihren ganz persönlichen Erfahrungen und wie sie von den Einsparungen betroffen sind. 

Menschen mit Behinderung merken im Bereich Beschäftigung, Wohnen und Freizeit immer längere Wartezeiten.Foto: Diakoniewerk

Seit dem Jahr 2010 bis jetzt wurden – nach Meinung des Diakoniewerkes – bei den finanziellen Mitteln für Menschen mit Behinderung strukturell, also nachhaltig und dauerhaft, bereits elf Prozent des Jahresbudgets gekürzt. Bis 2023 werden es voraussichtlich mindestens 15 Prozent sein.

Man spürt den Druck bei den Mitarbeitern

„Warum muss im Sozialbereich gespart werden? Das Sparen im Sozialbereich finde ich nicht gut!“ sagt Frau D.. Sie ist seit ihrer Geburt körperlich beeinträchtigt und sitzt im Rollstuhl. Bis ins Erwachsenenalter wohnte sie in einer vollbetreuten Wohneinrichtung des Diakoniewerks, mittlerweile lebt sie in ihrer eigenen Wohnung und bekommt vom Diakoniewerk nur mehr jene Unterstützung und Begleitung, die sie benötigt. Obwohl sie ihren Alltag so selbstständig wie möglich gestaltet, fehlt es oft an der erforderlichen Unterstützung. „Da ich im Rollstuhl sitze, brauche ich Hilfe beim Staubsaugen, Fenster putzen und anderen kleinen Verrichtungen. Die Zeit, die der einzelne Mitarbeitende für mich zur Verfügung hat, wird immer kürzer und beschränkt sich immer mehr auf die Grundversorgung. Man spürt den Druck bei den Mitarbeitern wachsen“, so Frau D.. Auch ganz alltägliche Dinge können dann, wenn die notwendige Betreuung durch die Mitarbeitenden des Diakoniewerks fehlt, zur organisatorischen Herausforderung werden: „Ich kann mittlerweile nur mehr rund alle drei Monate einen Tag für größere Einkäufe oder einen Friedhofbesuch am Grab meiner Eltern einplanen. Früher war das noch leichter und spontaner möglich“, schildert Frau D..

Ich kann nicht lernen und üben, obwohl ich das will

Aber nicht nur der Wohnbereich ist von den Kürzungen betroffen, auch im Bereich Beschäftigung ergeht es Betroffenen ähnlich. Herr F. ist in einer Werkstätte des Diakoniewerks tätig und meint dazu: „Wenn ich eine neue Aufgabe dazulernen möchte, muss ich immer länger warten, bis ein Mitarbeiter mir die Arbeitsschritte zeigen kann. Ich kann nicht lernen und üben, obwohl ich das will.“ Dabei versteht Herr F. die Mitarbeiter des Diakoniewerks, denn „ich habe auch Kollegen in der Werkstätte, die Unterstützung beim Essen, Trinken und beim Toilettengang benötigen, das hat dann natürlich Vorrang.“

Fahrdienst gibt es nur mehr bis 20 Uhr

Und auch in der Freizeitgestaltung von Menschen mit Behinderung ist das Sparen spürbar. „Es ist für mich sehr schwierig geworden, einen Fahrdienst zum Beispiel nach Linz zu bestellen. Ich muss langfristig planen, wenn ich privat wo hin möchte und der Besuch einer Abendveranstaltung am Wochenende ist so gut wie nicht mehr möglich. Der Fahrdienst wird nur mehr bis 20 Uhr angeboten. Hinzu kommt, dass es durch die Tariferhöhungen auch für viele Menschen mit Behinderung kaum mehr leistbar ist“, so Frau D.. Die speziellen rollstuhl-geeigneten Fahrdienste müssen Menschen mit Behinderung für individuelle Freizeitaktivitäten von ihrem Geld beauftragen und bezahlen. Damit ein selbstbestimmtes Leben in der Mitte der Gesellschaft für alle Menschen und die Einhaltung der UN-Behindertenrechtskonvention möglich sind, dürfen die Leistungslücken für Menschen mit Behinderung nicht zu groß werden. Frau D. hat Angst, wenn es um ihre Zukunft geht und warnt: „Ich werde immer älter und damit wird sich auch die Betreuungsleistung, die ich benötige, verstärken. Dem gegenüber stehen aber immer weniger Ressourcen. Man darf nicht bei den Menschen mit Behinderungen sparen!“ 


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