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GERERSDORF. Archaische Instrumente sind die Leidenschaft des Musikers und Instrumentenbauers Joe Haunlieb. Tips stattete dem Niederösterreicher einen Besuch ab.

Auf der Bühne mit Waterloo Foto: Peter Bluma
  1 / 4   Auf der Bühne mit Waterloo Foto: Peter Bluma

Möchte man mit Joe Haunlieb in Kontakt treten, muss man auf das gute, alte Festnetztelefon zurückgreifen: der Völlerndorfer besitzt keinen Computer und kein Handy – aber dafür ganz viel musikalische Kreativität. Mit neun Jahren kam Haunlieb ganz traditionell über die Trompete zur Marschmusik. Doch mit dem ersten eigenen Geld kaufte er sich eine Gitarre. „Mit 15 Jahren konnte ich mir meinen großen Wunsch erfüllen und begann, Gitarre zu lernen – eine Leidenschaft fürs Leben“, erinnert sich der Musiker. Aber dabei blieb es nicht. Der Gitarre folgten Mundharmonika, Saxophon, Banjo, Mandoline und Tuba. 1988 trat ein sehr erdiges Instrument in sein Leben, die Djembe.

Archaische Instrumente

„Ich mag am meisten Instrumente, die andere nicht spielen. Mich interessieren hauptsächlich akustische, archaische Instrumente, Naturinstrumente. Man kann sie überallhin mitnehmen und braucht keinen Strom“, erklärt Haunlieb. Der Naturmusiker brauchte keinen Lehrer, um sich mit der Trommel auf unnachahmliche Weise auszudrücken. Einmal mit einem archaischen Instrument in Berührung gekommen, erlernte Haunlieb auch das Spielen des australischen Didgeridoos und der amerikanischen „Native Flute“. Dazu kamen noch Berimbao (brasilianischer Musikbogen), Hang (zwei miteinander verklebte Halbkugelsegmente) und Fujara, eine slowenische Hirtenflöte.

Rieseninstrumente

Bedingt durch seine Liebe zu Holz, seine Tischlerlehre und seine Leidenschaft für die Musik begann Haunlieb 1997 mit dem Bau von Trommeln. In seiner Werkstatt stellt er aus ausgesuchten Hölzern und Häuten Djemben, Congas, Bongos sowie Stand- und Riesentrommeln her. Ebenso sehens- und hörenswert sind die Rieseninstrumente des Völlerndorfers. Große Standgitarren, auf denen während des Spiels Personen liegend die Klangwellen durch ihre Körper pulsieren lassen können, faszinieren genauso wie eine Rahmentrommel mit knapp zwei Metern Durchmesser, die – einmal geschlagen – für Minuten eine Klangwolke erzeugt. „Ich bin nicht mit Klavierfingern auf die Welt gekommen, ich packe alles an“, unterstreicht Haunlieb. 

Indianische Kultur

Mit seinen Instrumenten ist der Musiker auch immer wieder in Kindergärten und Schulen zu Gast. „Ich biete den Kindern eine „Musikalische Weltreise“. Dabei spiele ich aber nicht Schamane oder Indianer. Ich gebe die Kultur weiter“, betont der Niederösterreicher, dem besonders die Trommel ein großes Anliegen ist. „Um in Kontakt mit der jenseitigen Welt treten zu können, hat wohl jede Religion ihre eigenen bewusstseinsverändernden Techniken entwickelt. Einer dieser Wege ist die Trommel, und zwar gespielt in genau der Weise, wie die Indianer es tun: absolut monoton und über lange Zeit“, erklärt Haunlieb und verweist auch auf die indianische Liebesflöte, die „Native American Flute“. „Für alle Indianer haben vor allem die Lieder eine wichtige Rolle. Sie werden als heilig betrachtet, da man annimmt, dass die Lieder aus den Tränen von Mutter Erde stammen. So sagte zum Beispiel ein Navajo: „Ich war immer arm, denn ich kenne kein einziges Lied“. Das sagt eigentlich alles“, meint Haunlieb abschließend.

Informationen zu Joe Haunlieb:

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