Suche


Weitere Angebote

Sociale Medien

Kontakt

Leserartikel Online Redaktion, 28.01.2017 08:08

GMÜND. Der Verein Filmforum Gmünd feiert 2017 sein 25-jähriges Jubiläum. Tips traf sich mit Obfrau Erika Hager zu einem Gespräch.
von ERICH SCHACHERL
 

Erika Hager, Obfrau vom Filmforum Gmünd. Foto: Schacherl
Erika Hager, Obfrau vom Filmforum Gmünd. Foto: Schacherl

Das Filmforum Gmünd wurde im Jahr 1992 von Erika Hager und einigen Gleichgesinnten gegründet. „Ziel dieser Initiative ist es, die Auseinandersetzung mit Film, Filmkunst und audio-visuellen Medien zu fördern und das Interesse und die Lust auf wertvolle Filme jenseits des Mainstreams zu wecken und zu stärken“, heißt es dazu offiziell auf der Website des Vereins. Im Gespräch mit Tips erläuterte Vereinsobfrau Erika Hager noch mehr: „Ich selbst habe Filme immer schon geliebt, sie waren in meinem ganzen Leben wichtig“, ist ein weiterer Grund. Und dann gibt es auch einen pädagogischen Ansatz. „Ich war ja Lehrerin und aus dem Wissen heraus, dass Filme in unserer Zeit vor allem für Jugendliche ein sehr wichtiges Medium sind, haben wir durch das Filmforum die Möglichkeit, gute Filme auszuwählen und zu zeigen“, erklärt sie.

Ein guter Film

Da stellt sich natürlich die Frage, was mit guten Filmen gemeint ist. „Wenn ich mir das Filmprogramm in den Kinos heutzutage anschaue, dann gibt es viele Filme die sehr schnell sind, Gewalt ist dabei, moderne Technik und so weiter (Anmerkung: Mainstream/Blockbuster), das gefällt vermutlich vielen jungen Menschen. Daneben gibt es aber noch so viele Filme die in anderen Bereichen spielen, die unser direktes Leben sozusagen berühren, Filme, wie sie das Leben spielt, das sind die, die wir zeigen“, erklärt sie. Darunter sind viele europäische Filme, asiatische oder afrikanische Streifen, Dokumentationen, Frauenfilme und so weiter.

Viele Filme

Ungefähr 300 ausgewählte Filme hat das Filmforum Gmünd in den 25 Jahres seines Bestehens gezeigt, eine beachtliche Anzahl. Als erster Streifen lief am 15. Oktober 1992 der weltberühmte Stummfilm-Klassiker „Metropolis“ des in Österreich geborenen Regisseurs Fritz Lang. Bei der Vorführung live am Klavier spielte der bekannte Stummfilmpianist Gerhard Gruber. Besonders beeindruckt war Erika Hager in den kommenden Jahren von den Filmen „Whale Rider“, „Darwin`s Nightmare“ und „Willkommen bei den Scht´is“.

Highlights

Besondere Höhepunkte in der Vereinsgeschichte gab es einige. „Das Kinderfilm-Festival war so ein Highlight“, erinnert sich die Obfrau. In den Jahren 1997, 1998 und 1999 gab es nach dem bekannten Wiener Filmfestival „Viennale“ ein Kinderfilm-Festival. „Wir haben uns damals beworben, ob wir diese Filme am Land zeigen können. Das hat geklappt und wurde ein großer Erfolg. Im dritten Jahr haben ungefähr 900 Kinder die Filme gesehen, das war eine ganz tolle Geschichte“. 2001 machte das Filmforum beim allerersten Viertel-Festival mit, das Thema war „Heimat“, dazu wurde ein passender österreichischer Film gezeigt, eine Podiumsdiskussion fand statt, außerdem auch noch ein Video-Workshop mit der österreichischen Regisseurin Karin Berger. Und nicht zu vergessen die Vorführung des mit einem Oskar gekrönten Films „L`amour“ einige Jahre später, gedreht von österreichischen Regisseur Michael Haneke, der persönlich anwesend war. „Wir mussten damals zwei Kinosäle mieten, weil so viele Besucher da waren“, erinnert sich Erika Hager lächelnd.

Das Publikum

Der beste Film bringt wenig, wenn kein Publikum da ist, ihn zu sehen. Was das betrifft, hat das Filmforum über die Jahre gute Arbeit geleistet. Die durchschnittliche Anzahl der Filmbesucher der letzten Jahre liegt zwischen 60 und 100 Menschen pro Filmabend. „Bei den ersten Filmen waren hauptsächlich Freunde anwesend, die haben dann selbst Bekannte mitgebracht, dann gab es viel Mundpropaganda und so sind immer mehr Leute ins Kino gekommen“, erzählt Erika Hager. Und: „Was mich freut ist, dass auch junge Erwachsene zu den Filmen kommen“. Natürlich hat der Verein auch sein Stammpublikum, das über die Zeit stetig gewachsen ist.

Tätigkeiten

Wenn das Publikum im Kino Platz genommen hat und der Film beginnt, ist den wenigsten klar, dass es dafür ein schönes Stück Arbeit gebraucht hat. Es beginnt mit der Filmauswahl. „Der erste Schritt ist, monatelang aufmerksam zu sein, welche Filme in die Kinos kommen. Dann geht es darum herauszufinden, wie sind die Filme, worum geht es thematisch, was sagen Filmkritiken und so weiter. Über die Monate sammeln wir sozusagen Material aus dem wir dann gemeinsam 12 Filme für ein Jahr auswählen. Dann wird das geplante Programm mit der Betreiberin des Gmünder Stadtkinos abgesprochen, und abzuklären, ob die Termine, die wir auswählen auch in die Planung des Kinos passen“. Sind die Filme ausgesucht und die Termine fixiert kommt die Kontaktaufnahme mit den Filmverleih-Firmen, die Bestellung der cineastischen Streifen, Plakate sind zu organisieren, die Programm-Flyer zu gestalten und zu verteilen, Pressearbeit kommt noch dazu und an den Filmabenden schließlich noch Kartenverkauf. Immer dabei auch der Genuss, den jeweiligen Film dann auch selbst zu sehen.

Es muss ein Kino sein

Warum das Filmforum im Gegensatz zu anderen Filmprojekten wie etwa das „Europäische Wanderkino“, bei dem die angebotenen Streifen an unterschiedlichen Orten gezeigt werden, die Filme ganz bewusst in einem Kino vorführen, hat einen guten Grund. Erika Hager: „Filme gehören ins Kino, das ist uns wichtig. Es gibt keinen besseren Ort. Zum Glück haben wir in Gmünd noch ein Kino und wir sind dem Stadtkino sehr dankbar, dass wir unsere Filme dort zeigen können“. Noch etwas kommt dazu: „Außerdem ist es doch schön, dass die Leute auch deshalb ins Kino kommen, weil sie andere Leute treffen“.

Neben Erika Hager sind noch Elisabeth Meyer, Karin Berger und Elisabeth Utz beim Verein tätig, allesamt filmbegeisterte Lehrerinnen. Ein Mann komplettiert das Team, es ist der Lehrer und Fotograf Wolfgang Dolak, der sich um die Flyergestaltung und den Webauftritt des Filmforums kümmert.

Die Zukunft

Was die Zukunft des Filmforums betrifft, bleibt einerseits einmal alles so, wie es sich seit vielen Jahren bewährt hat: Für 2017 steht das Frühjahrs- und das Herbstprogramm bereits, insgesamt werden 12 Filme gezeigt, Vorführungsort ist weiterhin das Stadtkino Gmünd, die gesamte Organisation im Hintergrund wird von Erika Hager und dem Rest des Teams erledigt. Andererseits ist aber auch die Zeit für Veränderungen gekommen. „Es geht um die Nachfolge“, erzählt Erika Hager. „Ich würde mir sehr wünschen, junge Leute zu finden, die das Filmforum weiterführen möchten“, ergänzt sie. Wer Interesse hat, möge sich mit Erika Hager in Verbindung setzen (siehe Infokasten).

Der nächste Filmabend findet am Donnerstag, 16. Februar statt. Um 20 Uhr beginnt der deutsche Film „Die letzte Sau“ aus dem Jahr 2016.

Web: www.filmforum-gmuend.at


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.

Jetzt anmelden