Ein Jahr mit vielen Veränderungen
GMÜND. Vor einem Jahr wurde das Jugendzentrum Space nach einer Schließungspause wiedereröffnet. Seither ist Rafael Friedl als Sozialarbeiter dort tätig, mittlerweile wird er von Isabella Wurz unterstützt. Tips Redakteur Erich Schacherl traf die beiden zum Interview.

Tips: Vor zirka einem Jahr wurde das Jugendzentrum Space eröffnet. Wie war das Jahr für euch?
Rafael und Isabella: Ein Jahr vieler Veränderungen, Ungewissheiten, Überraschungen, Neu- und Umgestaltungen, toller Erlebnisse. Ein Jahr in dem viel gelacht wurde und tolle Momente entstanden.
Tips:Mit neuem Konzept und vielen Ideen seid ihr gestartet. Was davon konnte realisiert werden?
Rafael und Isabella: Am Anfang waren die großen Herausforderungen die komplette Umgestaltung des Jugendzentrums, sowie die Veränderung des Logos. Ein neues Logo inklusive neuem Namen war der Anstoß für einen sichtbaren Imagewandel des Jugendzentrums. Weg von alten Vorurteilen die oft bei Jugendzentren oder Jugendräumen herrschen hin zu einer modernen Anlaufstelle für Freizeitgestaltung, genauso wie Beratung und Hilfestellung bei etwaigen Problemen. „We are the Juz“ oder gesprochen auch „We are the Youth“ soll Jugendlichen eine Identifikationsmöglichkeit mit dem Jugendzentrum bieten. Das neue Logo und der neue Name sind sehr gut gelungen und wir bekamen auch von der Öffentlichkeit sehr positives Feedback. So manche Ideen wurden nicht umgesetzt, da noch keine Nachfrage bestand. Dafür wurden andere aus aktuellem Anlass aufgegriffen. Im Sommer war es sehr heiß, dadurch verschafften wir vielen Jugendlichen die Möglichkeit, das Strandbad Gmünd mit uns zu besuchen, da sie selbst keine Möglichkeit dazu hatten. Dabei entstand gleich der Plan für kommenden Sommer im Strandbad eine eigene Außenstelle des Juz zu errichten, wo diverses Equipment fürs Wasser zur Verfügung steht.
Tips:Wie waren eure Erfahrungen mit der Aufsuchenden Jugendarbeit im ersten Jahr?
Rafael und Isabella: Die Aufsuchende Jugendarbeit war leider nur sehr wenig vorhanden, da einfach die personellen Ressourcen fehlen. Für gute funktionierende aufsuchenden Jugendarbeit/Streetwork bedarf es einem Konzept und einem fixen Team. Dies aufzubauen oder umzusetzen ist leider im ersten Jahr noch nicht gelungen. Obwohl die Ansätze mit dem Strandbad Gmünd schon einen Teil dieser Anforderung erfüllen.
Tips:Stichwort „Themenschwerpunkte und Aufklärung“. Gab es Workshops? Themenwochenenden?
Rafael und Isabella: Manche Themenschwerpunkte wurden von den Jugendlichen eingebracht, wie die anstehende Veränderung des Jugendschutzgesetzes, gesunde Ernährung, Mülltrennung oder körperliche Fitness sowie Gestaltungsideen für die Räume des Juz. Dies wurde durch die Gestaltung von Plakaten, kurzen Vorträgen und direkter Anwendung der Thematik, beispielsweise Kochen behandelt. Andere Punkte wie Sexualpädagogische Elemente oder der Umgang mit Rassismus ergaben sich aus Gesprächen mit Jugendlichen in den etwaigen Situationen. Für kommendes Jahr sind hier jedoch spezielle Themenwochen geplant.
Tips:Die verstärkte Zusammenarbeit mit unterschiedlichen sozialen Einrichtungen sowie Vereinen war geplant. Was hat sich diesbezüglich getan?
Rafael: In verschiedenen Bereichen haben sich hier Vernetzungen ergeben. Die Teilnahme am Prechody/Übergänge Festival war möglich, bei dem das Juz als mobiles Jugendzentrum unterwegs war, da wir als Teil des Programms eingeladen wurden. Im sozialen Sektor finden mit Einrichtungen aus Gmünd und Umgebung gemeinsame Betreuungseinheiten mit Jugendgruppen statt, da im Jugendzentrum die räumlichen Ressourcen sowie meine Ausbildung als Sozialarbeiter zur Verfügung stehen.
Tips:Gab es einen Graffiti-Workshop?
Rafael und Isabella: Ja es gab einen Graffiti Workshop und er war ein toller Erfolg. Im Rahmen des Viertelfestivals wurden in Gmünd zwei großartige Graffiti Projekte umgesetzt, eines davon auf einer Fassade des Jugendzentrums. Dabei wurde auch ein Graffiti Workshop angeboten, bei dem einige Jugendliche den Umgang mit den Farben lernten, ein eigenes Konzept für die Hinterseite des Jugendzentrums entwarfen und dieses unter professioneller Anleitung auch umsetzten. Danach verewigten sich noch ein paar der Jugendlichen in den Kellerräumen mit großartigen Graffiti Elementen. Seit dem Workshop ist Graffiti ein fixer Bestandteil des Jugendzentrums. Es wurden schon viele Wände neu besprüht, Möbel verschönert und immer wieder neue Ideen eingebracht um mit den Farben den Kreativen Möglichkeiten freien lauf zu lassen. Für nächstes Jahr sind wir gerade beim ausarbeiten eines Konzeptes um auch die „Ost-Seite“ des Jugendzentrums neu zu gestalten.
Tips:Gab es noch andere Aktivitäten?
Rafael und Isabella: Es gab eine eigene Girls-Only Übernachtung, bei der gegrillt wurde und die Mädchen im Zelt übernachteten. Filme schauen ist ein wöchentlicher Begleiter des Betriebes im Jugendzentrum. Eine eigene Filmveranstaltung wurde ins Kino-Gmünd ausgelagert, da ein guter Kontakt zwischen dem Kino und dem Juz besteht.
Tips:Wurde der Garten heuer umgestaltet?
Rafael und Isabella: Die Gartenumgestaltung ist immer noch in der Planungsphase, wobei Hochbeete sowie eine Schaukel fix sind. Dies liegt an den finanziellen Möglichkeiten sowie an den Grabungsarbeiten für das Lichtwellenleiterkabel welche heuer im Oktober noch stattgefunden haben.
Tips:Wie viele Jugendliche besuchen euch denn regelmäßig?
Rafael und Isabella: Die Auslastung des Jugendzentrums ist okay, jedoch sehr unterschiedlich. Quantität und Qualität sind wohl der nennenswerteste Unterschied. An den Tagen wo weniger los ist, können wir uns besser mit den Jugendlichen befassen und auch heiklere Themen aufgreifen. Wenn viele hier sind wird eher gespielt und es findet eine intensivere Interaktion unter den Jugendlichen statt.
Tips:Was war der Höhepunkt 2018 für euch?
Rafael und Isabella: Definitiv der Graffiti Workshop. So viel Freude und Spaß, sowie die kreativen Fähigkeiten der Jugendlichen zu erleben und selbst auch zum ersten Mal eine Wand zu besprühen war toll.
Tips:Gab es unvorhergesehene Probleme oder Entwicklungen?
Rafael und Isabella: Den niederschwelligen Zugang den ein Jugendzentrum bietet, sorgt teilweise für Herausforderung. Wir wissen nie wie viele Jugendliche kommen, hier heißt es oft schnell improvisieren. Unvorhergesehen war die personelle Veränderung. Da Marlies (Weinberger) in Mutterschaftskarenz ging, musste schnell gehandelt werden. Die Stelle konnte zur Freude aller mit der Pädagogin Isabella Wurz nachbesetzt werden. Neue Menschen bringen immer neue Blickwinkel mit, dies ist in einer Um-Aufbau, Veränderungsphase sehr wichtig, um sich nicht irgendwo zu verlaufen.
Tips:Was habt ihr für Pläne für das nächste Jahr?
Rafael und Isabella: Der Aufbau einer Außenstelle im Strandbad Gmünd. Ein Graffiti Projekt auf der Ost-Seite des Jugendzentrums. Themenwochen im Jugendzentrum. Die Pläne für die Gartengestaltung umzusetzen sowie viel zu Lachen und dem Leben mit dem nötigen Humor zu begegnen.
Tips: Danke für das Gespräch


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