Wetter-Halbjahresbilanz 2020: Trockenperioden und Starkniederschläge

Hits: 32
Olivia Lentschig Olivia Lentschig, Tips Redaktion, 13.07.2020 08:00 Uhr

NÖ. Die Halbjahresbilanz 2020 der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) bestätigt den Trend zu einem immer wärmeren Klima in Niederösterreich: Trotz des kühlen Monats Mai (-1,2 Grad) weist die Statistik ein um 1,6 Grad wärmeres Halbjahr aus. Damit ist es eines der zehn wärmsten ersten Halbjahre der Messgeschichte. 

Dem 2. wärmsten Februar der Messgeschichte (+4,9 Grad im Vergleich zum langjährigen Mittel) folgten die teils viel zu warmen und niederschlagsarmen Monate März (+1,3 Grad / - 38 % Niederschlag) und April (+ 1,5 Grad / - 72% Niederschlag).

Dem gegenüber steht ein etwas zu warmer und sehr niederschlagsreicher Juni (+0,7 Grad / + 75 % Niederschlag). Insgesamt liegen die Niederschläge im 1. Halbjahr 2020 genau im Bereich des klimatologischen Mittels.

„Wir müssen uns den mit dem Klimawandel einhergehenden Dürreperioden, gepaart mit weniger, dafür umso intensiveren Niederschlägen, anpassen. Mit standortangepasster Gestaltung mit heimischen Gehölzen und Pflanzen sowie einer ökologischen Pflege können wir Gärten und Grünräume klimafit machen. Denn gesunde Böden vermögen mehr Wasser aufzunehmen. Ein Mehr an Vegetation wirkt sich ebenso positiv auf die Speicherfähigkeit der Böden aus. Das ist sowohl in Dürreperioden, wie auch bei Starkregenereignissen wichtig“, so Landesrat Martin Eichtinger.

Temperaturen steigen, Entwicklung des Niederschlags offen

Die Temperaturen sind in den vergangenen Jahren gestiegen: 13 der 15 wärmsten Jahre wurden nach der Jahrtausendwende gemessen. Punkto Niederschlag lässt sich keine fundierte Tendenz ableiten, ob es zukünftig mehr oder weniger Niederschläge geben wird. Gewiss ist jedoch, dass Böden und Vegetation zukünftig erhöhtem Stress ausgesetzt sind, wie ZAMG Experte Alexander Orlik analysiert: „Die Erwärmung der vergangenen Jahre fördert Dürren, da die Verdunstung und damit die Austrocknung der Böden steigt. Außerdem verlängert die Erwärmung die Vegetationsperiode, wodurch die Pflanzen über eine längere Zeit dem Boden Wasser entnehmen. Bringen einige Jahre dann im Rahmen der natürlichen Schwankungen weniger Regen, kommt es daher in dem wärmeren Klima zu intensiveren Dürreperioden. Außerdem verursachen sehr hohe Temperaturen bei vielen Pflanzen Hitzestress, was wiederum Auswirkungen auf Wachstum oder Schädlingsbefall haben kann.“

Maßnahmen im Umgang mit Klimaveränderung

„Wasser ist für Menschen, Tiere und Pflanzen lebensnotwendig. Für Gärten und Grünräume helfen kurzfristig das richtige Gießen oder das Mulchen von Beeten. Mittel- und langfristig helfen das Pflanzen von standortangepassten Pflanzenarten und die Förderung gesunder Böden, damit Gärten und Grünräume trotz der Klimaturbulenzen gedeihen“, so Katja Batakovic, fachliche Leiterin von „Natur im Garten“. Eine üppige und vielfältige Bepflanzung mit standortangepassten, regionalen Gehölzen und Bäumen fördert nicht nur die Artenvielfalt, sondern sorgt gerade im Sommer für uns Menschen für ein angenehmes Mikroklima. „Ein Baum ersetzt bis zu 10 Klimaanlagen“, betont Batakovic: „Daher ist die beste Klimawandelanpassung für uns Menschen: pflanzen, pflanzen, pflanzen“.

Gesunde Böden fördern, richtig gießen und mulchen

Eine hohe Bodenqualität fördert sein Speichervermögen. Durch einen vermehrten Humusaufbau kann er bei Starkregen wie ein Schwamm wirken, Wasser speichern und somit den Oberflächenabfluss und die Gefahr von lokalen Überschwemmungen reduzieren. „Ein natürlicher Boden zeichnet sich durch ein fantastisches Zusammenspiel zwischen Kleinlebewesen und Mikroorganismen aus. Wer nach den ,Natur im Garten“ Kriterien ohne chemisch-synthetische Pestizide und Düngemittel sowie ohne Torf pflegt, der fördert dieses Zusammenspiel„, weiß Katja Batakovic, fachliche Leiterin von “Natur im Garten„.

Die meisten Gärten werden zu häufig mit kleinen Mengen gegossen. “Gießen Sie Ihre Pflanzen möglichst in der Früh ausgiebig und gezielt im Wurzelbereich„, so Batakovic. Die oberen Zentimeter Boden sollten regelmäßig abtrocknen, denn ein ständig feuchter Boden verleitet die Wurzeln dazu, nicht in die Tiefe zu wachsen. Ständige Feuchtigkeit macht die Pflanzen “faul„, als Folge bilden diese nur Flachwurzeln aus. Ein hoher Anteil an flachen Wurzeln bedeutet eine höhere Trockenheitsempfindlichkeit und Abhängigkeit von Bewässerungen. Wird der Boden durchdringend, aber selten bewässert, wachsen sie dagegen auch in tiefere Schichten. Wenn Blätter, Blüten und Früchte mitgegossen werden, verdunstet das Wasser rasch und zudem droht “Sonnenbrand„. Spätestens bis zum Abend sollten die Pflanzen wieder abtrocknen, um nicht Pilz- und Schneckenbefall zu fördern.

Das Mulchen schützt Bodenleben und -struktur vor allzu starkem Austrocknen und verhindert das Abschwemmen wertvollen Bodens bei Starkregen. Besonders sandige Erde hält Wasser schlecht und sollte am besten gemulcht werden. Die Einarbeitung von Kompost erhöht die Speicherkapazität. Diese Abdeckung aus organischen Pflanzenresten oder mineralischem Kies hilft allen Pflanzenschätzen, weil es die Gießmengen im Garten verringert. Reine Kieswüsten, in denen nur wenige Gräser gesetzt wurden, erhitzen sich dagegen stark.

Artikel weiterempfehlen:

Kommentar verfassen



Südböhmen zu Gast beim „Klapp:ing“ in Weitra

WEITRA. Am Samstag, 8. August, ab 19.30 Uhr ist bei freiem Eintritt das Trio Kamilova srdcovka am Rathausplatz in Weitra zu Gast. Die Musik-Gruppe setzt sich aus drei Profis aus Budweis zusammen.

„The Rolling Stones Project“ im Espresso & Music

GMÜND. Am Mittwoch, 5. August, um 18 Uhr gibt es Musikgenuss für Rolling Stones-Fans. Eine Band, bestehend aus zwei St. Pöltnern und zwei Kremsern, präsentiert sich an diesem Abend ...

Schremser Kindersommer bei der Feuerwehr

SCHREMS. Das Schremser Kindersommerteam war wieder mal unterwegs: mit 60 gut gelaunten Kindern zur Feuerwehr Schrems – wo es ein herzliches Willkommen gab von FF-Kommandanten Alexander Glanzer, ...

Gesucht: die besten Ideen für die Gemeinden Niederösterreichs

NÖ. Das Land NÖ und die NÖ Dorf- und Stadterneuerung fördern im Rahmen des Ideenwettbewerbes Projektideen mit insgesamt 150.000 Euro. Dorferneuerungsvereine und Gemeinden können ...

Unter freiem Himmel – Singen mit Aussicht auf dem Aussichtsturm in der Blockheide Gmünd

GMÜND. Was kann schöner sein als Singen unter freiem Himmel. An einigen der schönsten Aussichtspunkte Niederösterreichs ruft die Volkskultur Niederösterreich im Rahmen des ...

Eisgarn pflegt ökologisch

EISGARN. Durch den Gemeinderatsbeschluss bestätigte die Gemeinde, dass die öffentlichen Grünräume zukünftig entsprechend den „Natur im Garten“ Kriterien chemisch-synthetische ...

Ernte 2020: Erträge leicht unterdurchschnittlich, Qualität ausgezeichnet

NÖ. Das Erntejahr 2020 ist – wie jene der letzten Jahre – ohne Zweifel eine Herausforderung für die heimischen Bäuerinnen und Bauern. Insbesondere die klimatischen Veränderungen ...

Was tun gegen Echten Mehltau?

NÖ. Der Echte Mehltau wird oft als Schönwetterpilz bezeichnet. Er taucht als mehlig-weißer Belag auf Blattoberseiten und Stängeln auf, wenn die Tage heißer und schwüler ...