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„Man sitzt in der Vorstellung und fragt sich: Ist er der Böse – oder sie?“

Daniela Toth, 13.07.2020 11:14

GMUNDEN. „Vorstadtweib“ Maria Köstlinger liest im Rahmen der Salzkammergut Festwochen aus Daniel Kehlmanns Terror-Thriller „Heilig Abend“. Tips hat mit ihr über das Stück gesprochen, aber auch über Corona und über neue Folgen der „Vorstadtweiber“.

Maria Köstlinger Foto: Laurent Ziegler
Maria Köstlinger Foto: Laurent Ziegler

Tips: Die letzten Monate waren für alle eine Ausnahmesituation.Wie haben Sie als Künstlerin die Corona-Maßnahmen erlebt?

Maria Köstlinger: Insgesamt war das natürlich ein sehr spezieller Fall, auch für uns Künstler. Ich habe unlängst darüber nachgedacht: Als Frau steht man eigentlich nur dann nicht auf der Bühne, wenn man hochschwanger ist. Aber ansonsten bin ich, seit ich 17 bin, immer regelmäßig auf der Bühne gestanden. Das ist das erste Mal, dass ich so lange nicht aufgetreten bin – und das ist ein sehr seltsames Gefühl. Ich habe dieser Tage wieder die ersten Lesungen beim Kultur Sommer Semering und auch in Gmunden. Hier gibt es heuer einen besonderen Bezug zu Daniel Kehlmann (Anm. d. Red.: Ihm ist der heurige Festwochen-Schwerpunkt gewidmet), und da werde ich gemeinsam mit Bernhard Schir aus Kehlmanns „Heilig Abend“ halbszenisch lesen, da wir das ja auch schon in der Josefstadt gemacht haben. Das sind tatsächlich die ersten Veranstaltungen, die nach dem Lockdown wieder stattfinden werden.

Tips: Um eine Ausnahmesituation – wenn auch ganz anderer Art – geht es ja auch in „Heilig Abend“ (Anm.: siehe Infobox weiter unten). Was ist die besondere Herausforderung an diesem Stück?

Köstlinger: Das ist jetzt schon eine Weile her, dass wir das gespielt haben, und daher müssen Bernhard (Anm.: Schir) und ich das jetzt wieder „auspacken“ und uns wieder damit beschäftigen. Allerdings war das für uns beide schon eine enorme Herausforderung, als wir das Stück zum ersten Mal gelesen haben. Es geht darum, in einem sehr abgschlossenen Raum eingeschlossen zu sein und ein Verhör auf die Bühne zu bringen, bei dem man als die Frau, die ich da spiele, nicht weiß, was in diesen vier Wänden, wo sie eingesperrt ist, passiert. Was speziell spannend ist, ist, dass der Zuschauer eigentlich selbst zum Verhörer wird. Daniel Kehlmann „spielt“ hier sehr gut mit dem Zuschauer: Man sitzt in der Vorstellung und fragt sich: Was findet hier wirklich statt? Hat sie etwas gemacht – oder hat sie nicht? Ist er der Böse oder sie? Man geht mit den Menschen mit und schwankt immer zwischen beiden hin und her. Abgesehen davon, dass die Geschichte sehr spannend ist.

Tips: Zum Schluss noch eine Frage, die sicher viele Fans interessiert: Wann gibt es Neues von den „Vorstadtweibern“?

Köstlinger: Es sind bereits einige Folgen im Kasten, die noch nicht gesendet wurden. Startsignal habe ich noch keines erhalten, aber sie sind sicher in nächster Zeit im Fernsehen zu sehen. Und es wird auch ab September – soweit es die schwierige Corona-Zeit zulässt – wieder gedreht, bereits an der sechsten Staffel. Und da freuen wir uns schon alle sehr drauf.

Infos zum Stück:

In Kehlmanns „Heilig Abend“ gibt Maria Köstlinger eine Philosophie-Professorin unter Terrorverdacht, Bernhard Schir steht als befragender Ermittler unter Zeitdruck und greift zu (fast) allen Mitteln. Es entspinnt sich ein intellektueller Zweikampf, in dem zugleich die Grundprinzipien der Demokratie verhandelt werden.

Termin: Sa., 25. Juli, 20 Uhr Toscana Congress Gmunden

Karten: www.festwochen-gmunden.at, Festwochen-Büro (07612/7063012) und Ö-Ticket


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