„In der freien Kunstszene droht ein Kahlschlag, gerade bei den Jungen“

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Daniela Toth Daniela Toth, Tips Redaktion, 14.01.2021 07:23 Uhr

GMUNDEN. Sängerin, Musikerin, Performance-Künstlerin, Komponistin: Michaela Schausberger ist vielfältig tätig. Soeben hat die freischaffende Künstlerin ein Werk für 37 weibliche Opfer des Nationalsozialismus komponiert. In der Kulturhauptstadt 2024 sieht sie eine große Chance für die regionale Kulturszene, die durch Corona derzeit arg gebeutelt wird.

37 Widerstandskämpferinnen wurden von 1938 bis 1945 im Wiener Landesgericht auf dem Schafott enthauptet. Diesen Frauen setzt Michaela Schausberger mit ihrer Komposition „37“ ein Denkmal. Zwei Jahre lang hat sie daran gearbeitet, ein namhaftes Orchester hat auch bereits seine Absicht bekundet, das Stück im Jahr 2022 aufzuführen.

Musikalische „Widmung“ an jede der 37 Frauen

„Die Idee kam mir, als ich von den 37 Frauen erfahren habe. Ich habe dann zunächst den dritten Teil des Stücks komponiert – dieser war auch bereits öffentlich zu hören. Im Rahmen eines Stipendiums des Ministeriums für Kunst und Kultur habe ich es nun vervollständigt“, erzählt die 52-jährige Künstlerin.

Das dreiteilige Stück dauert rund 25 bis 30 Minuten. Während im ersten Teil die Namen der Widerstandskämpferinnen in eine Melodie umgedeutet werden, steht im zweiten, elektronisch-visuellen Teil eine Schreibmaschine im Vordergrund. Sie schreibt die Namen der Frauen und erinnert zugleich auch an die wichtige Rolle der Schreibmaschinen im Widerstand. Im dritten Teil richten die Musiker ihre individuellen Widmungen an die Frauen: „Jeder Musiker, jede Musikerin übernimmt die Patenschaft für eine der Frauen und drückt sich in einer Form der Improvisation dazu aus“, erklärt Schausberger.

„Auch Kulturschaffende sind Wirtschaftstreibende“

Die Arbeit an „37“ war für Schausberger gerade auch im Corona-Jahr wichtig: „Ich arbeite normalerweise pro Jahr an 25 bis 30 Projekten. Heuer war vieles geplant – durch Corona ist aber fast alles abgesagt worden. Insgesamt waren es 2020 fünf Projekte“, erzählt die freischaffende Künstlerin, die als Einpersonen-Unternehmen tätig ist. „Die Situation ist für Kunstschaffende in der freien Szene immer prekär. Zugespitzt gesagt, steht mir das Wasser fast immer bis zum Hals. Aber jetzt ist es noch schlimmer.“

Zuversicht schöpft die Gmundnerin aus Anerkennung und positiven Rückmeldungen. Davon leben kann man aber nicht: „Wir werden in der Gesellschaft meist nicht so wahrgenommen, aber auch Kulturschaffende sind Wirtschaftstreibende. Ich muss genau kalkulieren – und den Veranstaltern geht es genauso“, so Schausberger. Sie habe etwa im Advent ein einziges Konzert fünfmal verschoben: „Jedes Mal hat die ganze Arbeit von vorn angefangen – Raum, Einladungen, Kartenverkauf, Corona-Sicherheit, ...“ Schließlich musste der Abend endgültig abgesagt werden.

Insgesamt befürchtet sie für die freie Kunstszene „einen ziemlichen Kahlschlag, gerade auch bei den Jungen, die sich jetzt etwas aufbauen wollen.“

Kulturhauptstadt 2024 als „Hoffnungsträger“

Die Kulturhauptstadt 2024 sieht Michaela Schausberger als „totalen Hoffnungsträger für die Region“. Sie ist selbst bereits jetzt in ein Projekt involviert, das in Kooperation mit afrikanischen Kulturhauptstädten umgesetzt werden soll: „Das Projekt spannt sich vom litauischen Kaunas über Rabat in Marokko bis Johannesburg in Südafrika.“

Bislang ist jedoch noch unklar, wie und ob die geleistete Arbeit abgegolten wird. „Ende Jänner soll es angeblich hier weitere Details geben. Wir haben die Bewerbung für die Kulturhauptstadt nur geschafft, weil alle im Team so gut zusammengearbeitet haben. Wenn die Region will, dass das ein Erfolg wird, dann geht das nur mit Kommunikation und Transparenz“, so Schausberger.

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