GMUNDEN. „Tips“ sprach mit dem Gmundner Helmut Koch, der europaweit als Berater und Verkehrsplaner tätig ist, über die Chancenpotenziale durch die StadtRegioTram Gmunden – Vorchdorf und die Zukunft der Mobilität.
Tips: Was ist für Sie der wichtigste Faktor, wenn Sie nachhaltige Verkehrskonzepte erstellen?Helmut Koch: Es geht meist darum, Fehler der Vergangenheit zu reparieren. Auch Gmunden wurde zu sehr autogerecht entwickelt. Bestes Negativbeispiel: der einzigartige Rathausplatz als Parkplatz und der Zustand der Stadtdurchfahrt. In Zukunft ist es wichtig, dass nicht mehr nur das Auto den öffentlichen Raum dominiert, sondern dass es für alle Verkehrsteilnehmer faire Mobilitätschancen gibt. Gmunden wird ja nicht nur von Autofahrern frequentiert. Kurz: es geht nicht gegen die „bösen Autofahrer“ sondern um die Gleichberechtigung aller im öffentlichen Raum. Tips: Verstopfte Straßen gehören zum Alltag. Ist das Straßennetz zu wenig ausgebaut oder fehlen Alternativen für den Individualverkehr?Koch: Das Straßennetz ist flächendeckend sehr gut ausgebaut. Vielmehr stellt sich die Frage, warum so viele Autofahrer zumeist alleine unterwegs sind? Jede zweite Autofahrt ist kürzer als fünf Kilometer und ein Drittel der Fahrten kürzer als drei Kilometer. Die Zukunft wird multimodaler, Wege werden wechselweise zu Fuß, mit dem Fahrrad, dem Auto oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt. Darauf müssen wir uns vorbereiten. Tips: Was macht für Sie das StadtRegioTram-Projekt sinnvoll?Koch: Für mich ist es die Jahrhundertchance, mit relativ geringen Mitteln enorme positive Impulse auszulösen. Die zwei bestehenden Bahnen mit unattraktiven Endhaltestellen werden verbunden und erheblich aufgewertet. Die Stadtregio-Tram wird attraktiver für die Gmundner aber auch für alle Gemeinden entlang der Trasse. Verbunden mit einer gestalterischen Aufwertung des Straßenraumes wird die Gmundner Innenstadt in der Entwicklung einen Quantensprung erfahren. Die Stadt wird wieder als Lebensraum, als Ort zum Verweilen wahrgenommen werden. Das ist übrigens auch ein sehr wichtiger touristischer Faktor. Dass dies nicht nur in Großstädten funktioniert, beweist ein sehr ähnliches, bereits realisiertes Projekt in der etwa 10.000 Einwohner zählenden Stadt Bad Wildbad im Schwarzwald. Bisher gibt es aber leider noch zu wenig Information über die künftige Neugestaltung der Gmundner Innenstadt. Tips: Wohin entwickelt sich das Mobilitätsverhalten?Koch: Der öffentliche Verkehr ist in der Gesellschaft viel selbstverständlicher geworden. Die Motorisierung geht in den größeren Städten zurück, weil dort gute Alternativen geschaffen wurden. Der moderne Mensch ist multimodal. Flexibel sucht man die beste Kombination aus Gehen, Radfahren, Bahn, Bus, Fahrgemeinschaften, CarSharing-Auto, Taxi usw. Diese mobile Flexibilität erwartet der städtische Gast mittlerweile auch in Tourismusregionen. Das Statussymbol Auto hat bald ausgedient. In etwa fünf Jahren wird „Peak Car“ erreicht sein, also die höchste Anzahl angemeldeter Autos. Dann nimmt der Auto-Bestand wieder ab. In den letzten Jahren fand ein Wertewandel statt. Begriffe wie Begegnungszone nur anzudiskutieren, so wie jetzt in Gmunden, wäre noch vor 15 Jahren undenkbar gewesen.
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Ich habe ebenfalls die Situation in Bad Wildbad (im Schwarzwal) kennengelernt. Da sitzt man ganz knapp neben den Stadtbahngeleisen im Schnaigarten des Konditors. Aber es stört nicht wenn eine Strassenbahn vorbeifährt. Eine tolle Symbiose. Das müsste doch auch in GM möglich sein, wo es nicht so eng ist und auch schmälere Garnituren fahren werden. Und die Vorschläge mancher mit E-(bzw. Hybrid)Bussen alles abzuwickeln bringt für das Umland keinen Vorteil. weil auf dortigen Strecken wieder fossile Energie verbrannt werden muss, weil die Reichweite der Akkus einfach nicht ausreicht.
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11.04.2015 16:18
Rechtschreibfehler zu H(G)munden etc.
entzchuldigt bitte die Tippfehler; habe meine Brille nicht gefunden
11.04.2015 16:17
Regiotram Hmunden und Bad Wildbad
Ich habe ebenfalls die Situation in Bad Wildbad (im Schwarzwal) kennengelernt. Da sitzt man ganz knapp neben den Stadtbahngeleisen im Schnaigarten des Konditors. Aber es stört nicht wenn eine Strassenbahn vorbeifährt. Eine tolle Symbiose. Das müsste doch auch in GM möglich sein, wo es nicht so eng ist und auch schmälere Garnituren fahren werden. Und die Vorschläge mancher mit E-(bzw. Hybrid)Bussen alles abzuwickeln bringt für das Umland keinen Vorteil. weil auf dortigen Strecken wieder fossile Energie verbrannt werden muss, weil die Reichweite der Akkus einfach nicht ausreicht.