Jobs gekündigt, um per Rad und Bus durch Südamerika zu reisen
GMUNDEN. Sandra Weishäupl und Karoline Eichholzer verwirklichten, wovon viele nur träumen: Sie bereisten monatelang Südamerika. Für ihren Reisetraum gaben sie sogar ihre Jobs auf.

Am Beginn stand die Sehnsucht nach dem großen Abenteuer, doch viele Fragen waren offen: Wie lange und wohin genau wollen wir reisen? Sollen wir unsere Jobs kündigen oder um Freistellung ansuchen? Und geht das überhaupt? Ja, es ging. Schlussendlich gaben Eichholzer und Weishäupl ihre damaligen Arbeitsstellen als Sportwissenschaftlerin beziehungsweise Marketing-Assistentin auf. Mit One-Way-Tickets, Rädern und je rund 30 Kilogramm Gepäck ging es im September 2015 zunächst in die ecuadorianische Hauptstadt Quito. Die Gmundnerinnen radelten die Anden hoch und besuchten fünf Monate lang Peru, Bolivien, Chile, Argentinien, Uruguay und Brasilien.
Tips: Der Reisestart erfolgte ein bisschen holprig?
Weishäupl: Ein Vulkanausbruch hätte uns dann fast einen Strich durch die Rechnung gemacht, weil dadurch der Flugverkehr lahmgelegt wurde. Es ging sich aber doch noch aus.
Tips: Wie sind Sie auf die Idee gekommen?
Weishäupl: Wir wollten einfach länger weg. Zu Beginn hatten wir Asien im Sinn, haben uns aber dann für Südamerika entschieden. Wir wollten mit dem Rad fahren, obwohl uns klar war, dass es sehr anstrengend sein werden wird, aber man nimmt dabei viel mehr und intensiver die Reise wahr.
Tips: Wie haben Sie sich vorbereitet?
Weishäupl: Wir haben einen Spanisch-Kurs gemacht und Sprach-CDs beim Autofahren angehört, um ein Gefühl für die Sprache zu bekommen. Außerdem kann Karoline perfekt Italienisch, was im Spanischen auch weiterhilft. Konditionell waren wir ohnehin gut drauf, haben aber im Sommer schon etwas mehr trainiert. Wir haben aber schnell erfahren, dass die Distanzen enorm sind und sind dadurch doch viel mit Bus gereist. Insgesamt sind wir aber mit dem Rad rund 1.000 Kilometer gefahren.
Tips: Haben Sie die Tour genau geplant oder spontan die Reiseziele entschieden?
Weishäupl: Wir haben nur grob geplant und uns ein Oneway-Flugticket nach Quito (Ecuador) gekauft. Das ist gar nicht so einfach, weil man dort gleich ein Weiterreise-Ticket buchen muss. Wir haben uns daher ein Busticket nach Peru gekauft, dieses aber dort wieder storniert. Die Abstecher nach Bolivien und Uruguay waren nicht geplant, die haben wir spontan gemacht. Außerdem trifft man unterwegs Leute, die bestimmte Ziele empfehlen. Auch diesen Tipps sind wir dann nachgegangen.
Tips: War die Reise die Aufgabe des Arbeitsplatzes wert?
Weishäupl: Auf jeden Fall. Jeder Tag war genial. Trotz mühsamer Verhandlungen mit Busfahrern, ob wir die Räder mitnehmen dürfen, der aggressiven Sonne, den schweren Anstiegen in den Bergen oder dem oft enormen Gegenwind, bei dem man sich nur mit Schreien verständigen konnte – die Begegnungen mit den Menschen und der Natur haben alles wettgemacht. Unter anderem haben wir Weihnachten in einem kleinen Hostel mit Menschen aus aller Welt verbracht. Jeder hat ein Weihnachtslied aus seiner Heimat gesungen. Das war schon toll. Aber auch die Königspinguine oder die Besteigung des Vulkans Villarica in Chile, der nach einem Ausbruch erst seit zwei Wochen begehbar war, gehörten zu den Höhepunkten.
Tips: Was haben Ihre Eltern und Freunde zu Ihrer Reise gesagt?
Weishäupl: Das war eigentlich kein Problem. Weil ohnehin einen Online-Reiseblog geschrieben haben und über what´s app telefonieren konnten und so ständig erreichbar waren.
Tips: Zwei Frauen allein unterwegs in Ländern, die auch für „Machismo“ bekannt sind? Hatten Sie keine Sicherheitsbedenken?
Weishäupl: Eigentlich nicht. Ich habe meine Reiseerfahrungen. Ich war schon immer sehr reiselustig und war solo in Australien und England unterwegs und auf dem Jakobsweg. Wenn man offen auf die Leute zugeht, wird man respektvoll behandelt. Wenn man zu ängstlich auftritt, ist das natürlich nicht von Vorteil. Wenn man jemanden Vertrauen entgegenbringt, heißt das aber nicht, dass man blauäugig sein soll. Aber wir haben zum Beispiel mit unserem Zelt in einer Bushaltestelle übernachtet, um vor den Wind geschützt zu sein. Oder haben bei Bauern gefragt, ob wir auf ihrem Grundstück campieren dürfen.
Tips: Gab es auch gefährliche Situationen?
Weishäupl: In der bolivianischen Hauptstadt La Paz sind wir per Gondelbahn - die übrigens von einer österreichischen Firma gebaut wurde - in die höher gelegene Stadt El Alto gefahren. Wir wollten mit einer andren Bahn wieder runterfahren. Dafür mussten wir aber ein längeren als gedachten Weg gehen. Da kamen wir durch Viertel, die unangenehm waren.
Tips: Inwiefern?
Weishäupl: Man wurde ständig angesprochen. Und das nicht auf respektvolle Weise. Da heißt´s gerade ausschauen und durch. Unangenehm waren aber auch am Land die Begegnungen mit freilaufenden Hunden. Da gibt es wirklich enorm viele davon. Ich wurde zwei in den Hintern gebissen und war froh gegen Tollwut geimpft zu sein.
Tips: Was hat Ihnen an Südamerika gefallen?
Weishäupl: Die Lebenseinstellung. Weniger Hektik, die Langsamkeit. Man wird dort einfach gelassener, die Uhrzeit ist nicht so wichtig. War kamen einmal an einer Kirche vorbei, an der vier verschiedene Uhrzeiten angezeigt wurden. Und das die Menschen generell sehr freundlich sind.
Tips: Auf was haben Sie sich bei der Rückreise gefreut?
Weishäupl: Auf reines Wasser aus der Leitung und auf gutes Brot. In Südamerika ist das Brot zäh und weich. Und die Sauberkeit. Man lernt Sachen wie Duschen wieder schätzen.
Tips: Was haben Sie von der Reise mitgenommen?
Weishäupl: Den Gusto auf neue Reisen, eventuell mit der Transsibirischen Eisenbahn.
Während der Reise schrieben die Gmundnerinnen auch einen Internet-Blog, um Familien und Freunde am Laufenden zu halten und über Erlebnisse, Pannen und Begegnungen zu berichten. Alles wurde zudem auf Fotos festgehalten. Der Blog ist unter www.durch-die-linse.at/suedamerika-blog immer noch online lesbar. Mittlerweile ist sogar ein selbstproduziertes Magazin „Fünf Monate Südamerika“ entstanden.
„Im Nachhinein betrachtet war es gut, dass wir den Mut aufbrachten, alles hinter uns zu lassen“, resümiert Eichholzer. Heute sind die Abenteurerinnen wieder in ihren alten Berufen, aber bei neuen Arbeitgebern tätig.
Eine umfassende Bildgalerie über die Reise gibt´s unter http://www.tips.at/bildergalerien/gmunden/380933-zwei-gmunderinnen-reisten-per-rad-durch-suedamerika


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21.01.2017 23:01
Reiseerlebnisse
Auch tolle Reiseberichte findet man hier ( http://reisemobil-on-tour.de/ ) für alle, die es etwas regionaler mögen ;)