„Der heurige April macht seinem Namen alle Ehre“
GMUNDEN. „Der April macht was er will“ - diesen Satz hat wohl jeder schon einmal gehört. Warum das so ist, und ob man vielleicht doch schon ein bisschen in die Wetterzukunft für die nächsten Monate schauen kann? Tips hat den Gmundner Meteorologen und Buchautor Alexander Ohms dazu befragt.

Tips: Warum ist das Aprilwetter eigentlich so wechselhaft?
Ohms: Dass der April sprichwörtlich macht, was er will, kommt tatsächlich nicht von ungefähr: Für typisches Aprilwetter benötigt man in der „Wetterküche“ Zutaten, die man häufig eben nur zu dieser Jahreszeit – also in der Übergangszeit zwischen Winter und Frühling – vorfindet. Verstanden wird unter Aprilwetter der sehr rasche Wechsel zwischen Sonnenschein und dichten Wolken, begleitet von Schauern in Form von Regen, Schnee oder Graupel. Dafür notwendig ist auf jeden Fall die Zufuhr polarer Kaltluft aus dem Norden Europas. Luftmassen aus polaren Breiten sind einerseits meist feucht und zu dieser Jahreszeit auch noch sehr kalt – schließlich hat sich in der monatelangen Polarnacht ein riesiges Kaltluftreservoir angesammelt.
Die einfließende Kaltluft allein wäre aber noch zu wenig - ein entscheidender Faktor fehlt noch: die Kraft der Sonne. Diese steht nämlich im April bereits so hoch wie im September und hat daher schon viel Kraft, um den Erdboden bzw. die bodennahen Schichten zu erwärmen. Es entstehen große Gegensätze zwischen dem aufgeheizten Erdboden und der polaren Kaltluft in der Höhe. Man spricht von einer sehr labilen Schichtung der Atmosphäre, Quellwolken „explodieren“ regelrecht und schießen in große Höhen. Es entstehen kräftige Schauer und manchmal auch schon Gewitter – wenn es kalt genug ist, auch noch in Form von Schnee oder Graupel. Mit Fortdauer des Frühlings wird das typische Aprilwetter deutlich seltener, da die Luft im Norden Europas auch zunehmend wärmer wird und die Gegensätze zwischen Boden und hoher Atmosphäre geringer werden.
Tips: Gibt es zurzeit bereits Trends für die nächsten Wochen oder vielleicht auch Monate?
Ohms: Langfristprognosen sind sozusagen die Königsdisziplin der Meteorologie. Viele Menschen, aber auch Wirtschaftsbranchen würden gerne wissen, wie sich Witterung und Temperaturen in den nächsten Wochen und Monaten verhalten. Vorhersagemodelle berechnen für mehrmonatige Zeiträume und großräumige Bereiche erwartete Abweichungen von den mittleren Temperatur- und Niederschlagsverhältnissen.
Allerdings sind seriöse Aussagen nur dann möglich, wenn diese Abweichungen signifikant sind – wie etwa im Hochsommer 2015, wo sich die extreme Hitze im Juli bereits ein paar Monate zuvor abgezeichnet hat. Auch der sehr milde Winter 2015/16 war schon im Herbst abzusehen. Für die nächsten Monate sind die berechneten Abweichungen kaum signifikant – es ist unwahrscheinlich, dass sich Temperaturen und Niederschlagsmengen extrem verhalten. Als vorsichtigen Trend kann man derzeit höchstens sehen, dass Frühling und Frühsommer etwas zu feucht ausfallen sollten, Hoch- und Spätsommer dafür trockener als üblich. Noch deutlich klarer sind die Trends für die nächsten zwei bis drei Wochen: Der April dürfte seinem Namen alle Ehre machen – eher feuchtes Wetter bei stark wechselnden Temperaturniveaus ist wahrscheinlich.
Tips: Sie befassen sich in Ihrem Buch „Wetterprophet Natur“ auch mit der Wettervorhersage mithilfe von Tieren und Pflanzen. Gibt es hier etwas, das für die nächste Zeit eine „Prognose“ erlaubt?
Ohms: Aus der Naturbeobachtung sind grundsätzlich keine Langfristtrends abzuleiten – ganz im Gegenteil zu Prognosen für die nächsten Stunden oder höchstens Tage, wo man aus dem Verhalten von Tieren und Pflanzen durchaus brauchbare Schlüsse auf den Wetterablauf ziehen kann. Allerdings reagiert die Natur sehr deutlich auf die herrschende Witterung: Der heurige März war der wärmste der österreichischen Messgeschichte, was bei der Vegetation und Landwirtschaft natürlich nicht ohne Folgen bleibt. Austrieb und Blüte erfolgten um zumindest zehn Tage früher als in einem durchschnittlichen Jahr. Der frühe Vegetationsstart bringt für Obst- und Weinkulturen, aber auch für empfindliche Balkonpflanzen Gefahren mit sich – schließlich sind einzelne Frostnächte im April nicht unüblich, sondern sogar die Regel. Mein Tipp daher: Empfindliche Pflanzen nicht zu früh ins Freie stellen bzw. in klaren Nächten schützen.


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