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ST. KONRAD. Mehrere Wolfsrisse im Raum Kirchham und Gmunden sorgten im Sommer für Aufregung. Die St. Konrader Bergbauernfamilie Hummer, die eine Herde mit 60 Mutterschafen betreut, schildert in einem Leserbrief an die Tips die Herausforderungen, vor denen sie steht. Der Brief erschien als Reaktion auf ein Interview mit dem in Grünau lebenden Evolutionsbiologen Professor Kurt Kotrschal „Wir müssen mit dem Wolf leben, die Frage ist: wie?“

Symbolfoto: Weihbold
Symbolfoto: Weihbold

Zum Interview mit Univ. Prof. Kurt Kotrschal: „Wir müssen mit dem Wolf leben, die Frage ist: wie?“ (KW 36)

WIR, das heißt in unserem Fall unsere Familie. WIR bewirtschaften einen Bergbauernhof im Salzkammergut mit 60 Mutterschafen, mit denen wir unsere steilen Flächen beweiden. Seit den Wolfsrissen in unserer Umgebung begleiten uns täglich Sorge und Angst um unsere Schafe und vor den damit verbundenen Folgen.

Dieses WIR von Prof. Kotrschal ist leicht gesagt, wir müssen nicht nur mit dem Wolf leben. WIR sind direkt von ihm betroffen. Er ist eine Bedrohung für unsere Schafe und somit eine Bedrohung für uns. Von den Landwirten fordert man sachgerechten Herdenschutz. Auf dem Papier ist es schnell gefordert.

Im Berggebiet ist dies Schwerstarbeit und oft auch überhaupt nicht möglich. Wir haben uns intensiv mit den geforderten Herdenschutzmaßnahmen beschäftigt und mussten leider feststellen, dass es nicht möglich ist, unsere Schafe zu 100 Prozent vor dem Wolf zu schützen. Herdenschutzhunde sind extrem scharf, brauchen zusätzlich einen Hirten und können erst bei größeren Herden mit ein paar hundert Tieren eingesetzt werden. Die vorgeschriebenen Schutzzäune können wir geländebedingt nicht auf allen Flächen errichten, da nützt auch die finanzielle Unterstützung nichts.

Diese Probleme haben auch viele andere (...) Landwirtschaften in unserer Umgebung, die durch ihre mühsame und arbeitsintensive Bewirtschaftung mit Beweidung die Landschaft pflegen, für Tierwohl sorgen, wertvolle Nahrungsmittel erzeugen und ihren Lebensunterhalt damit verdienen. Wir brauchen eine realistische Lösung, um die Existenz dieser Betriebe nicht zu gefährden.

Es muss wolfsfreie Zonen geben, denn der Wolf findet bei uns keine weiten und ausgedehnten Regionen mit dünner Besiedelung mehr vor. Der hohe Schutzstatus des Wolfes muss geändert werden. Da er keinen Feind hat, kann und wird er sich bei uns rasch vermehren.

Die starken Wolfs-Populationen z.B. in Deutschland und Frankreich zeigen, dass die Wolfsrisse an Nutztieren stark ansteigen. Werden Tiere gerissen, sterben sie oft eines qualvollen Todes oder bleiben schwer verletzt liegen. Es gibt zwar eine finanzielle Abgeltung, die jedoch nur den Marktwert des Tieres ersetzt. Das schreckliche Erlebnis und die Todesangst der restlichen Herde und die ständige Sorge der Tierhalter vor weiteren Wolfsrissen bleiben und sind zusätzlich zur täglichen Arbeit eine große emotionale Belastung.

Die Aussage von Herrn Kotrschal: „Die Wölfe werden kommen, sie werden bleiben“ ist sehr beängstigend, denn: Kommt der Wolf, werden viele Landwirte gehen müssen.

von Familie Hummer

St. Konrad


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