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GMUNDEN. Ein Rechnungshofbericht hat die Errichtung der Traunsee-Tram kürzlich schwer kritisiert. Friedrich Daucher ruft in einem Leserbrief zu einer differenzierten Sicht auf. 

Symbolbild: Shutterstock.com/Gajus
Symbolbild: Shutterstock.com/Gajus

Ich betrachte es als eine nicht geringe politische Leistung, gegen massiven Widerstand den Ausbau der Straßenbahn zur Traunsee-Tram durchgesetzt zu haben. Der Rechnungshof hingegen stellte dazu kürzlich fest, dass anstelle der Tram ein Bussystem eingeführt hätte werden sollen. Nun, wer derartiges vorschlägt – meine ich – dürfte nur ausgesprochen selten öffentliche Verkehrsmittel benützen. Man möge doch einmal in Wien – und im Vergleich dazu in Salzburg – von einem Ende der Stadt zum anderen mit den Öffentlichen fahren. In Wien mit U-Bahn, S-Bahn und Tram ist es ein Vergnügen (falls sie nicht gerade überfüllt sind), in Salzburg mit dem Bus, eine Tortur!

Hinsichtlich Fahrkomfort ist nun einmal ein Schienenfahrzeug dem Straßenfahrzeug klar überlegen. Ebenso vom Standpunkt des Umweltschutzes. Die einzigen seit etwa 140 Jahren wirklich funktionierenden elek­trisch betriebenen Fahrzeuge sind eben Schienenfahrzeuge, die hier überwiegend vom Öko-Strom quasi aus dem Kraftwerk der vorbeifließenden Traun angetrieben werden. So fordern auch derzeit maßgebliche Wiener Verkehrsplaner eine gesetzliche Regelung, um die vom Umweltministerium angekündigte Nahverkehrs-Milliarde dort für den Ausbau der Straßenbahnen in die Umlandgemeinden nutzen zu können.

Eben genau das ist in Gmunden geschehen. Gänzlich unverständlich ist mir daher der Umstand, dass der Widerstand gegen die Traunsee-Tram überwiegend aus den eigenen Reihen, also von Gmundner Bürgern stammte, die jederzeit selbst Nutznießer eines höchst komfortablen Verkehrsmittels werden könnten. Analog dazu müsste man auch jeden, der anstelle eines Kleinwagens eine größere Limousine oder einen Geländewagen fährt, kritisieren.

Den Kritikern, die vorwiegend mit den hohen Errichtungs- und Betriebskosten argumentieren, dürfte in diesem Zusammenhang auch entgangen sein, dass z. B. die EU riesige Verkehrs-Infrastrukturprojekte in den anderen Mitgliedsstaaten finanziert hat, die natürlich von den Beitragsgeldern der Nettozahler, also maßgeblich auch von Österreichern, berappt wurden und deren Sinnhaftigkeit teilweise vom europäischen Rechnungshof massiv kritisiert wurde. Wo war hier der Protest?

Die Traunsee-Tram jedenfalls ist meines Erachtens eine volkswirtschaftlich längst überfällige Investition, die weiter ausgebaut werden sollte. Man sollte an ihr nicht kleinlich den betriebswirtschaftlichen Maßstab anlegen. Ich hoffe nur, dass sich von der Kritik – die ohnedies zu spät kommt – nicht wirklich jemand beeindrucken lässt.

Ludwig Daucher, Gmunden


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