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BAD GOISERN. In einem Facebookposting informierte Bürgermeister Leopold Schilcher (SP) über den Status der Impfungen in seiner Gemeinde und verkündete, dass auch er selbst bereits geimpft wurde.

Bürgermeister Leopold Schilcher Foto: Hörmandinger
Bürgermeister Leopold Schilcher Foto: Hörmandinger

Gerade gingen in der Gemeinde Eberschwang die Wogen hoch als bekannt wurde, dass im Zuge der Impfungen im Altenheim auch gleich der Bürgermeister und weitere Personen, die noch gar nicht an der Reihe sind, davon gebrauch machten. Zudem las man von mahnenden Worten des Bundeskanzlers, welche sich bei der Impfung vordrängen. Nun schrieb auch Bad Goiserns Ortschef Leopold Schilcher (SP), dass er im Zuge der örtlichen Altenheim-Impfungen gleich geimpft wurde.

„Impfung wurde mir angeboten“

Da es mehr Impfdosen als angegeben gewesen sind, „wurde es mir vom Impfkoordinator angeboten“, heißt es im Posting. Schilcher betont dabei: „Mir ist es wichtig, dass ich meine Funktion als Bürgermeister nicht aktiv dafür verwendet habe, bevorzugt zu werden und dass mit dieser Impfung das Altenheim in keinster Weise beeinträchtigt wurde. Ich bin froh, dass das so ist. Ich komme in meiner Arbeit mit vielen alten Personen in Kontakt beispielsweise bei Gratulationen und kann diese jetzt nicht mehr gefährden.“ 

Die Kommentare unter dem Posting des SPÖ-Politikers häufen sich. Für viele ist es eine Vorbildaktion, für andere eine Frechheit.

Bundesregierung hat kein Verständnis

Absolut kein Verständnis dafür gibt es vonseiten der Bundespolitik. „Wenn sich jemand vordrängt, ist das moralisch enttäuschend. Es macht mich wütend und zornig. Wenn Impfstoffe übrigbleiben, ist es wichtig, sie schnell zu verimpfen. Aber sie müssen für ältere Menschen verwendet werden und nicht für Politiker, deren Ehefrauen oder regionale Promis“, sagt Bundeskanzler Sebastian Kurz in einem „Krone“-Interview zu den Fällen.

Solche Fälle, wo unter anderem Lokalpolitiker zur Impfung drankamen, nachdem Impfstoff in Heimen übrig blieb, wurden aus mehreren Bundesländern bekannt, darunter auch in Oberösterreich und Niederösterreich. So wurde am Wochenende aus Oberösterreich der Fall aus Eberschwang (Bezirk Ried im Innkreis) bekannt, auch der Bürgermeister von Bad Goisern sei geimpft, teilte dieser mit. In Wels habe es eine Impfung für den Magistratsdirektor gegeben.

Kurz kündigt an, dass das Gesundheitsministerium künftig bei der Verimpfung verstärkt Dokumentation einfordert, um im Fall von Missbrauch jene zur Rechenschaft ziehen, die sich nicht an den Impfplan halten.

Auch Vizekanzler Werner Kogler findet solche Fälle „empörend und nicht hinnehmbar. Diese Praxis hat von den Landeshauptleuten und Gesundheitsreferenten abgestellt zu werden“, so Kogler im Pressefoyer nach dem Ministerrat. „Wozu haben wir in den Ländern Impfkoordinatoren, Gesundheitsreferenten und Landeshauptleute, solche Fälle zerstören die Glaubwürdigkeit, die wir brauchen.“ Es müsse alles getan werden, um das abzustellen, appelliert er an die Bundesländer.

Ebenso „wütend“ über diese Fälle zeigte sich auch Finanzminister Gernot Blümel im Pressefoyer, „ehrlicherweise fehlt mir dafür jedes Verständnis.“


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