Suche


Weitere Angebote

Sociale Medien

Kontakt

BAD ISCHL. Mit Interesse und mit großer Besorgnis verfolge ich die sehr emotionsgeladene Diskussion rund um den Schutz der Ischler Jugend vor Suchgift-Händlern in unserer Stadt. Ein Leserbrief von Wolfgang Mayer, Gemeindearzt Bad Ischl außer Dienst.

 (Foto: Ambient Ideas/Shutterstock.com)
(Foto: Ambient Ideas/Shutterstock.com)

Ich darf feststellen: wegschauen, verharmlosen und totschweigen ist der falsche Weg. Eine verantwortungsvolle Stadtführung sollte aktiv und energisch auf diese große Herausforderung zugehen und alle verfügbaren Mittel einsetzen, um das Problem nicht noch weiter anwachsen zu lassen. Wir müssen das gemeinsam in den Griff bekommen! Eine verantwortungsvolle Stadtführung sollte wissen, wie schlimm es für Familien ist, wenn Angehörige mit Suchtgift in Kontakt kommen – sei es als Konsument oder auch als anderweitig Beteiligter. Wir dürfen nicht länger zuschauen!

Als langjähriger Gemeindearzt von Bad Ischl weiß ich sehr genau was passiert, wenn vor allem junge Menschen in Kontakt mit Suchtgift kommen. Die gesundheitlichen, sozialen und auch rechtlichen Auswirkungen haben das Potenzial, den Lebensweg des Betroffenen dramatisch ins Negative zu beeinflussen. Hier ist die Stadtpolitik gefordert – wer, wenn nicht die Stadtführung muss jeder Bedrohung und ebenso jeder Verharmlosung entschieden entgegentreten. Der Vorschlag, die Stadtwache aufzustocken und damit ein  Abschreckungspotential für die anreisenden Suchtgifthändler aufzubauen macht Sinn. Solche Vorschläge öffentlich abzulehnen ist eine perfekte Einladung an die Suchtgifthändler, den Ischler Suchtgiftmarkt noch intensiver zu bearbeiten.

Dass die Probleme akut sind, zeigen uns die Pressemeldungen der letzten Tage. Nach neun Verhaftungen von Jahresbeginn bis Juni sind alleine in der letzten Woche weitere vier Personen von der Polizei wegen der Suchtgift-Problematik in Gewahrsam genommen worden. Die Polizei macht also ihren Job gut – stellen wir uns vor, wenn da auch noch die Stadt aktiv mitarbeiten würde. Die Chance wäre groß, das Treiben der Suchtgifthändler zumindest einzuschränken. Denn wir alle wissen, dass die Dunkelziffer deutlich höher ist und noch immer zu viele Suchtgifthändler in unserer Region aktiv sind. Nach diesen aktuellen Vorkommnissen muss wohl jeder der noch vor Wochen verharmlosend und grenzenlos naiv meinte: „Es ja überall so, da ist Ischl kein Einzelfall“, in sich gehen und den Zugang ändern. Wer heute jedoch immer noch diese verharmlosende Meinung hat, dem kann ich nur entgegnen: mit dieser Haltung kann unsere Jugend nicht geschützt werden – im Gegenteil: so eine gleichgültige Haltung ernsthaft als Problemlösung anzudenken, lässt die Bedrohung rasch zur großen Gefahr werden.

Es muss also Lösungen geben, und zwar schnell. Als einen ersten Schritt dazu sehe ich die Aufstockung der Ischler Stadtwache. Gleichzeitig müssen deren Mitarbeiter auch eine ordentliche Wertschätzung und Unterstützung seitens der Stadtführung erfahren, was ihre sozial- und dienstrechtliche Absicherung betrifft. Nach Rücksprache mit den Mitarbeitern wurde mir klar – derzeit stehen diese Männer auf verlorenem Posten und haben zum Teil auch bereits resigniert. 

Ihre Meinung an Tips senden

Senden Sie Ihren Leserbrief an: redaktion-gmunden@tips.at oder per Post an „Tips“, Theatergasse 4, 4810 Gmunden


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.

Jetzt anmelden

Antworten
Klimitsch Rudolf
Klimitsch Rudolf
11.08.2021 08:26

Suchtprobleme in Bad Ischl

Ich kann dem Leserbrief des Gemeindearztes aD nur beipflichten.Als Leiter einer Drogentherapieinrichtung aD ergänze ich,dass man nicht nur auf polizeiliche Verhütung achten soll,sondern die Ursachen in den Lebensbedingungen der Jugend beleuchtet.Neben vielen psychischen Überforderungen ist zb Langeweile und Sinnleere ein Hauptfaktor für Suchterkrankung. Versagen möchte ich der zuständigen Stadträtin Platzer vorwerfen. - In meinem Buch Sorge für dich,lebe,gehe ich auch ausführlich auf die Suchtproblematik ein,für Betroffene und Eltern.Kommt Anfang September.Es ist eine Zusammenfassung meiner Vorträge im Ischler Stadtmuseum.

Antworten
Klimitsch Rudolf
Klimitsch Rudolf
11.08.2021 08:26

Suchtprobleme in Bad Ischl

Ich kann dem Leserbrief des Gemeindearztes aD nur beipflichten.Als Leiter einer Drogentherapieinrichtung aD ergänze ich,dass man nicht nur auf polizeiliche Verhütung achten soll,sondern die Ursachen in den Lebensbedingungen der Jugend beleuchtet.Neben vielen psychischen Überforderungen ist zb Langeweile und Sinnleere ein Hauptfaktor für Suchterkrankung. Versagen möchte ich der zuständigen Stadträtin Platzer vorwerfen. - In meinem Buch Sorge für dich,lebe,gehe ich auch ausführlich auf die Suchtproblematik ein,für Betroffene und Eltern.Kommt Anfang September.Es ist eine Zusammenfassung meiner Vorträge im Ischler Stadtmuseum.