„Unsere Ahnen haben bei allen wichtigen Gelegenheiten geräuchert“
SCHARNSTEIN. In den Raunächten gehen viele mit ihrem Räucherwerkzeug durchs Haus – aus Tradition und in der Hoffnung, die Räume vom Schlechten zu reinigen. Dass hinter dem alten Brauch aber viel mehr steckt, weiß Kräuterpädagogin Maria Hageneder.

Auch bei Maria Hageneder wird in der Weihnachtszeit viel geräuchert, beginnend mit der ersten Raunacht, dem 21. Dezember. Bei den Haus- und Hofräucherungen beginnt die Viechtwangerin immer im Keller, „denn die reinigende Kraft des Rauches steigt nach oben“, wie sie erklärt. Von Raum zu Raum geht es durchs Haus, „viele öffnen auch Schränke und Kästen“, so Hageneder. Zum traditionell gebeteten „Vater unser“ kommt bei ihr auch noch der Segensspruch: „Der Segen wohnt jetzt in unserem Haus und alles was nicht Liebe ist, senden wir zur Tür hinaus.“
Doch auch, wenn verstärkt in der dunklen Jahreszeit geräuchert wird: Die ausgebildete Kräuterpädagogin und Naturvermittlerin Maria Hageneder nutzt dieses naturverbundene Brauchtum zu allen Jahreszeiten: „Wir räuchern im Alltag zur atmosphärischen Reinigung, es kann das Wohlbefinden fördern oder einen angenehmen Duft im Haus verbreiten. Bei schlechter Stimmung, Streit, Angst oder Trauer kann die Wirkung von Räucherwerk gute Energie und Harmonie herbeiführen. Räucherungen können viel Positives bewirken“, so Hageneder.
Heilende Kraft der Pflanzen
Wie die Räucherung wirkt, hängt wesentlich vom verwendeten Material ab. „Bitte nur Pflanzen und Hölzer verwenden, die man kennt und die nicht giftig sind“, warnt die Kräuterexpertin. Grundsätzlich können Wurzeln, Samen, Blüten, Blätter, Harze und Kräuter genutzt werden.
Maria Hageneder setzt vor allem auf regionale Gewächse, wie den „heimischen Weihrauch“ aus Tannen-, Fichten- oder Lärchenharz. Die darin enthaltenen Stoffe wirken reinigend, keimtötend, schleimlösend und konzentrationsfördernd, bringen Ruhe und Wärme und vertreiben schlechte Energie, so die Expertin. Beifuß hingegen ermutigt, reinigt und hilft bei Veränderungen der Lebenssituation oder Trauer. Hopfen bringt ruhigen Schlaf, beruhigt und entspannt und Holunder stärkt die Abwehrkräfte. Johanniskraut hellt die Stimmung auf, Melisse belebt und stärkt die Nerven, Salbei befreit die Lunge, desinfiziert und erdet und Thymian befreit die Atemwege, stärkt die Abwehrkräfte und gibt Mut.
Räuchern, nicht verbrennen
Ebenfalls wichtig: Zum Räuchern ein hitzebeständiges Gefäß verwenden. Räucherkohle sehr gut anglimmen lassen, bevor das Räucherwerk darauf gelegt wird, damit es einen guten Duft verströmt und nicht verbrennt. Für sich selbst hat die Viechtwangerin ein altes Bügeleisen aus Eisen als praktisches Hilfsmittel entdeckt: „Ich lege unten die glühende Kohle aus dem Ofen hinein, das Räucherwerk kommt oben drauf“, erzählt sie. Weitere Tipps: „Wichtig ist beim Räuchern den Raum zu lüften und viel Wasser zu trinken.“ Zudem sollte der Raum vor dem Räuchern geputzt und gereinigt werden.


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