„In Rom kann man täglich in eine große Geschichte eintauchen“

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Daniela Toth Tips Redaktion Daniela Toth, 23.01.2022 14:48 Uhr

GMUNDEN/ROM. Der gebürtige Gmundner Michael Max wurde kürzlich offiziell als Rektor des päpstlichen Instituts Santa Maria dell' Anima in Rom eingesetzt. Mit Tips sprach er über seinen Weg nach Rom und über sein Leben in der „Ewigen Stadt“.

Tips: Kürzlich wurden Sie offiziell als Rektor des päpstlichen Instituts Santa Maria dell“ Anima in Rom eingesetzt. Was sind die Aufgaben des Instituts – und was ist dabei Ihre Rolle?

Michael Max: Die „Anima“, wie wir unser Institut im Alltag bezeichnen, hat drei Felder zu bespielen. Da ist zum einen das deutschsprachige Priesterkolleg, in dem derzeit 19 Priester aus zehn Ländern eine geistliche Gemeinschaft bilden. Die meisten bereiten auf einer der theologischen Hochschulen hier in Rom gerade ihre Dissertation vor, um dann anschließend in ihre Diözesen zurück zu kehren. Dort übernehmen sie dann meist Aufgaben, die der speziellen Ausbildung hier entsprechen.

Dann sind wir auch die deutschsprachige katholische Pfarre in Rom. Mit einem Gemeindeleben, das im vergangenen Jahr wieder einigermaßen zu einer Regelmäßigkeit zurückgefunden hat. Und mit allen Kennzeichen, die zu so einer Auslandspfarre auch dazu gehören: Zum einen leben die Menschen über die ganze Großstadt verstreut, sodass die Animakirche, die Gottesdienste hier und unser Gemeindezentrum tatsächlich ein wichtiges Zentrum der Begegnung sind. Dann gibt es Mitglieder, die mit ihren Familien bereits fast ein Leben lang dazu gehören, und andere, die berufsbedingt eine gewisse Zeit in Rom verbringen. Darüber hinaus findet sich regelmäßig eine sehr lebendige Studentengemeinde bestehend aus jungen Leuten, die ihr Freisemester oder ein Erasmusstipendium nach Rom führte, bei uns ein. Auch caritativ versuchen wir uns immer wieder um Menschen zu kümmern, die das Leben mit unterschiedlichen Erwartungen nach Rom gebracht hat, und die dann von den Realitäten eingeholt werden.

Der dritte Bereich der Anima ist die Betreuung von Pilgern. Das ist eigentlich seit über 600 Jahren unsere Grundaufgabe. Natürlich sieht das im 21. Jahrhundert mit organisierten Reisebüros und booking.com anders aus als im Mittelalter. Dennoch kommen immer wieder Anfragen nach Gottesdiensten oder Serviceleistungen bei dem einen oder anderen Besuch einer anderen Kirche oder im Vatikan bei uns an. Das war in letzter Zeit eher ruhig, wird aber wohl, wie es aussieht, auf Ostern hin wieder mehr werden. Meine Rolle als Rektor besteht darin, für all diese Bereich Verantwortung zu haben, und über die Betreuung des Wirtschaftsbetriebs auch die finanziellen Grundlagen für die Zukunft sicher zu stellen.

Tips: Vor Ihrem Schritt nach Rom waren Sie lange in Salzburg tätig. Wie kam es dazu, dass Sie Ihr neues Amt angetreten haben/bzw. für dieses Amt ausgewählt wurden?

Max: Bevor ich wieder nach Rom gegangen bin, war ich lange Zeit Pfarrer in Neumarkt am Wallersee im Salzburger Flachgau und zuletzt Rektor im Bildungszentrum St. Virgil sowie Bildungsreferent in der Erzdiözese Salzburg. Als die Amtszeit meines Vorgängers hier in der Anima gegen 2020 zu Ende ging, war es Aufgabe der österreichischen Bischofskonferenz, einen Nachfolger vorzuschlagen. In der Regel schaut man da wahrscheinlich nach einem, der das Haus und die Situation schon ein wenig kennt, der vielleicht auch ein gewisses Alter hat, und dessen Bischof vor allem bereit ist, ihn auch für diese Aufgabe frei zu stellen.

Wie genau man auf mich gekommen ist, das müssen Sie wohl die fragen, die gesucht haben. Aber aus der genannten Gemengelage wird die Idee schon ungefähr gewachsen sein.

Tips: Sie haben Ihre Kindheit und Jugend in Gmunden verbracht. Wann und wie fiel der Entschluss, katholischer Priester zu werden?

Max: Gmunden, vor allem die Stadtpfarre mit Pfarrer Johann Schicklberger, war in meiner Jugend eine sehr lebendige Gemeinde, gekennzeichnet von vielen unterschiedlichen Gruppen und Engagements. Dazu kamen die Kooperatoren, die uns Ministranten motiviert und gut begleitet haben. Der Wunsch, Priester zu werden, war da bei mir schon sehr früh da. Ich bin aus dieser Pfarre praktisch nahtlos in meinen weiteren Weg hineingewachsen, über die Matura am Bundesgymnasium in das Theologiestudium in Salzburg.

Tips: Was ist für Sie heute an Ihrem Beruf/Ihrer Berufung das Zentrale bzw. für Sie Bedeutsamste?

Max: Ohne Zweifel ist das für mich das Dasein für die Menschen. Das ist in einem Betrieb wie der Anima tagtäglich vielfältig, bunt, manchmal herausfordernd, letztlich aber immer etwas Besonderes, auch wenn ich da und dort an Grenzen stoße – wie das im Leben halt so ist. Jeder und jede ist ein Einzelstück aus Gottes großem „ja“ zum Leben. Dem zu dienen und zu erfahren, wie das dann alles auch zu einer Gemeinschaft wachsen kann, ist ein großes Geschenk für mich.

Tips: Was macht das Leben in der Ewigen Stadt für Sie aus?

Max: In Rom kann man täglich in eine große Geschichte eintauchen, die von Kaisern und Päpsten, von Heiligen und Verbrechern genauso geschrieben wurde wie von Künstlern mit Weltrang und vielen Namenlosen, ohne die es Rom in seiner Pracht nicht gäbe. Das alles ist vergangen und doch ist es irgendwie noch immer da. Rom hat ein eigenes Selbstbewusstsein: Tausend Jahre wurde von hier aus die Welt regiert, wir brauchen niemandem etwas zu beweisen.

So prägt eine große Gelassenheit das tägliche Leben, die aber auch mühevoll sein kann, vor allem dort, wo es um Bürokratie und Verwaltung geht. Da hört man dann bald: „Comunque, siamo à Roma…!“ – „Also, was wollen Sie, wir sind hier in Rom…!“ - und Du weißt nie wirklich, ob das eine Entschuldigung oder eine Rechtfertigung für die Zustände sein soll.

 

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