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BEZIRK GMUNDEN. Personalausfälle durch die Omikron-Variante sorgen in allen Bereichen für Herausforderungen. In den Kindergärten verschärft sich damit derzeit die ohnehin schon bestehende Personalknappheit. Warum es offenbar zu wenig Kindergartenpädadoginnen gibt und wie sich die Lage im Bezirk Gmunden darstellt? Tips hat sich umgehört.

Die Arbeitsbedingungen in den Kindergärten werden diskutiert. (Foto: Kzenon/Shutterstock.com)
Die Arbeitsbedingungen in den Kindergärten werden diskutiert. (Foto: Kzenon/Shutterstock.com)

Vor wenigen Tagen informierte die Stadtgemeinde Gmunden über ihre Vorbereitungen für einen möglicherweise notwendigen „Notbetrieb“ in den Kinderbetreuungseinrichtungen (->zum Bericht). Auch in anderen Gemeinden des Bezirks rüstet man sich für möglicherweise anstehende Personalausfälle durch Corona.

Personalsuche ist schwierig

Doch die Pandemie verschärft nur das bisher bereits bestehende Problem, bestätigt man bei der Stadtgemeinde: Auch wenn es derzeit kaum freie Planstellen gebe, so sei die Besetzung in den letzten Jahren zunehmend schwieriger geworden. Dieser Trend ist in ganz Österreich zu bemerken – immer wieder ist von fehlenden Elementarpädagoginnen und -pädagogen zu hören.

Auf 23 Kinder kommen zwei Erwachsene

Am Beruf selbst liegt es wohl nicht, betont Christine Avbelj: „Es ist ein wunderschöner Beruf, man bekommt von den Kindern so viel zurück“, so die Leiterin des Kindergartens Danzermühl in Laakirchen. Sie ist für vier Kindergarten- und eine Krabbelstubengruppe verantwortlich.

Avbelj verweist aber auch auf die Schattenseiten des Berufs: So müssen laut dem oö. Landesgesetz für 23 Kinder eine Fach- und eine Hilfskraft angestellt werden – und diese Zahl darf auch ohne Ansuchen bei den Landesstellen sogar auf 25 erhöht werden. „Da wird eine individuelle Förderung wirklich schwierig. In unserem Kindergarten haben wir den Vorteil, dass uns zusätzlich ein Zivildiener unterstützt, den die Gemeinde finanziert. Das ist aber nicht überall so“, sagt die Kindergartenleiterin.

„Uns fehlt der Nachwuchs“

Eine Änderung des gesetzlichen Betreuungsschlüssels (weniger Kinder pro Gruppe oder eine zusätzliche Kraft) wäre für sie wünschenswert – und würde auch die Personalknappheit mindern, ist Avbelj überzeugt. Auch ein höheres Gehalt oder mehr Vorbereitungszeit vor allem für Teilzeitkräfte wären wichtig.

Denn viele der neu ausgebildeten Kindergartenpädagoginnen und -pädagogen würden nicht in den Beruf gehen, sondern etwa ein Studium wählen: „Die fehlen uns natürlich in den Gruppen.“

Nur ein Drittel geht direkt in den Beruf

Das bestätigt auch Roswitha Nollet. Sie leitet den Bereich Pädagogik und Personal bei der oö. Caritas, die im Bezirk Gmunden 25 Kinderbetreuungseinrichtungen mit insgesamt 68 Gruppen betreibt. „Knapp ein Drittel der Absolventen geht direkt in den Beruf“, so Nollet zu den aktuellen Zahlen.

„Bildung braucht gute Rahmenbedingungen“

Auch sie sieht einen wesentlichen Grund dafür in den Rahmenbedingungen: „Die Anforderungen in dem Beruf sind enorm, und sie sind in den letzten Jahren weiter gestiegen. Trotz großer Gruppen muss individuelle Förderung geleistet werden, die Zusammenarbeit mit den Eltern ist wichtig – und dennoch wurde beispielsweise die Vorbereitungszeit für die Fachkräfte seit Jahrzehnten nicht erhöht“, so Nollet.

Sie streicht die hohe Motivation der Elementarpädagoginnen und -pädagogen heraus: „Man merkt immer wieder, wie wichtig ihnen ihr Beruf ist – und wie wichtig ihnen die Kinder sind.“

Ein Thema sei auch die Außensicht auf den Beruf: „Im Kindergarten wird nicht ‚nur gespielt‘, hier gibt es einen umfassenden Bildungsrahmenplan“, betont Nollet. Und natürlich sei auch die Bezahlung ein Thema: „Man kann sich fragen: Wie viel ist es der Gesellschaft wert?“

„Vorfreude bei den Schülerinnen ist groß“

Die Forderung nach besseren Arbeitsbedingungen – vor allem nach kleineren Gruppen – unterstützt auch Claudia Meissl. Die Vorchdorferin ist Abteilungsvorständin an der BAfEP (Bildungsanstalt für Elementarpädagogik) in Vöcklabruck und leitet auch den dort angeschlossenen Praxis-Kindergarten.

In der aktuellen Diskussion sieht sie die Gefahr, dass das Eigentliche zu kurz kommt: „Die Arbeit mit jungen Kindern ist ein unheimlich schöner Beruf: Man kann Kinder in einem wichtigen Lebensabschnitt begleiten, mit ihnen gemeinsam die Welt entdecken und erforschen“, so Meissl. Sie ist überzeugt, dass die Freude am Beruf auch bei den jungen Absolventen groß ist: „Ich höre das auch von meinen Schülerinnen der Abschlussklassen: dass sie sich auf den Beruf, auf die Arbeit mit den Kindern freuen.“

Sie wendet sich auch gegen die Kritik an jenen, die sich für ein weiterführendes Studium entscheiden: „Es ist doch gut, wenn sich jemand weiter ausbildet – auch hier gehen viele in den pä­dagogischen Bereich“, gibt Meissl zu bedenken. Und sie zieht einen Vergleich: „Wenn HAK- und HTL-Absolventen studieren, sagt auch niemand: Warum gehen die denn nicht in den Beruf? Da wird die weitere fachliche Ausbildung auch geschätzt.“


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