Historisches Drama am Traunfall als Basis für Berlinale-Erfolgsfilm
ROITHAM/DESSELBRUNN. Am Wochenende ging in Berlin die 74. Berlinale zu Ende. 230 Filme wurden gezeigt. Die österreichische Produktion „Des Teufels Bad“, die mit dem Silbernen Bären für die herausragende Kameraleistung gewürdigt wurde, basiert auf einer tragischen Geschichte aus der Gegend des Traunfalls.

Der Titel des morbiden Historiendramas von Veronika Franz und Severin Fiala bezieht sich auf eine Vorstellung aus dem 18. Jahrhundert: Depressive, melancholische Menschen wurden als im „Bad des Teufels“ gefangen angesehen. Im harten bäuerlichen Leben früherer Jahrhunderte gab es für sie oft keinen Platz, auf Selbstmörder wartete aber die ewige Verdammnis. Für manche ein fataler, scheinbarer Ausweg: Mit der Tötung eines Kindes zog man die Todesstrafe auf sich, man konnte vorher in der Beichte seine Sünden bereuen und kam so in den Himmel – der auch auf das unschuldige Kind wartete.
Über 400 derartige Fälle hat Kathy Stuart in alten Gerichtsakten entdeckt. Die aus Deutschland stammende Historikerin, die an der Universität UC Davis in Kalifornien lehrt, ist eine Expertin auf diesem Gebiet und hat das Phänomen des „mittelbaren Selbstmordes“ intensiv erforscht.
Schicksal einer Bäuerin aus dem 18. Jahrhundert
Einer der von ihr anhand historischer Gerichtsprotokolle aufgearbeiteten Fälle betrifft Ewa Litzlfellner, eine junge Bäuerin, die um das Jahr 1750 auf einem Bauernhof bei Sicking lebte. Zu ihrer Verhandlung in der Herrschaftskanzlei zu Puchheim sind drei umfangreiche Verhörakten erhalten. „Ich wollte weg sein aus der Welt“, meinte sie auf die Frage des Inquisitors nach dem Grund für den von ihr begangenen Kindsmord.
Litzlfellners Schicksal bildete das Vorbild für die Rolle der Agnes in „Des Teufels Bad“. Die an das Leben von Ewa Litzlfellner angelehnte Rolle der Agnes spielt Anja Plaschg, David Scheid und Maria Hofstätter sind als Agnes“ Ehemann und Schwiegermutter zu sehen. Bei der Berlinale wurde Martin Gschlacht für seine Kameraarbeit mit einem Silbernen Bären ausgezeichnet.
Kinostart am 8. März
Österreichweit ist der Film ab 8. März zu sehen, Preview-Termine gibt es am Samstag, 2. März, im Programmkino Wels sowie am Dienstag, 5. März, im Moviemento Linz und im Kino Freistadt, jeweils mit Veronika Franz, Severin Fiala und Maria Hofstätter.
Hilfe in Krisen
Für Menschen in Krisensituationen und deren Angehörige gibt es eine Reihe von Anlaufstellen: Unter suizid-praevention.gv.at findet man Notrufnummern und Erste Hilfe bei Suizidgedanken.
Telefonische Hilfe im Krisenfall gibt es auch bei:
- Telefonseelsorge 142, täglich 0 bis 24 Uhr
- Kriseninterventionszentrum Tel. 01 4069595, Montag bis Freitag 10 bis 17 Uhr; auch persönliche und E-Mail-Beratung: kriseninterventionszentrum.at.
- Sozialpsychiatrischer Notdienst, Tel. 01 31330, täglich 0 bis 24 Uhr


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