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Erste Pride-Parade im Salzkammergut: 2.000 Menschen setzten ein Zeichen für Vielfalt und Toleranz

Katharina Wimmer, 16.06.2024 15:32

BAD ISCHL/SALZKAMMERGUT. (Update) Am Samstag, 15. Juni, feierte das Salzkammergut eine Premiere: die erste Pride-Parade zog laut und bunt durch die Kaiserstadt Bad Ischl. 

Gut gelaunt zogen die Teilnehmer der Pride-Parade durch Bad Ischls Innenstadt. (Foto: Hörmandinger)
Gut gelaunt zogen die Teilnehmer der Pride-Parade durch Bad Ischls Innenstadt. (Foto: Hörmandinger)

„Als wir Teenager waren, gab es so etwas nicht. Man dachte immer, man wäre allein. Deshalb sind wir heute hier und unterstützen das“, sagt Vicky, die ursprünglich aus dem Salzkammergut stammt, aber heute in Wien lebt und extra wegen der Pride-Parade in die Heimat gereist ist.

Frauen-Team organisierte die erste Salzkammergut Pride

Am Samstag, 15. Juni, feierte das Salzkammergut eine Premiere: Die erste Pride-Parade in der Region zog – laut Exekutive – mit etwa 2.000 Teilnehmern durch Bad Ischl. Im Rahmen des Projektes „Salzkammerqueer“ der Europäischen Kulturhauptstadt 2024 organisierte ein Team rund um Birgit Hofstätter vom Frauen*forum Salzkammergut in Ebensee, Sabine Weninger-Bodlak vom Mädchen- und Frauenzentrum Insel in Scharnstein, Christina Jaritsch, Projektverantwortliche der Kulturhauptstadt und Alexandra Höller von Salzkammerqueer, die die gesamte Presse- und Öffentlichkeitsarbeit über hatte, die erste Regenbogenparade im Salzkammergut. Vor dem Start der Parade zitterten die Verantwortlichen noch, wie Jaritsch erzählt: „Heute Vormittag war es etwas schwierig – wir dachten, dass es stürmen und regnen wird. Aber die richtigen Kräfte haben das richtige Wetter geschickt“.

Update

Kritik an der Veranstaltung kommt von Seiten der Freiheitlichen Partei Bad Ischl: Harald Kotschy, FP-Gemeinderat in Ischl, verfasste ein mehrseitiges Statement zur Pride-Parade am vergangenen Wochenende und kritisierte, dass die „Homo- bzw. 'LGBTIQ+-Community Vielfalt, Toleranz, Offenheit und Menschenrechte“ einfordere, aber nicht bereit sei, „dieselben Rechte ihren Mitbürgern einzugestehen“. Kotschy schrieb weiter, dass die Community „mit der zunehmend öffentlichen Dominanz in Form von Transsexuellen-Aufmärsche die Mehrheitsgesellschaft“ provoziere und diese sich in ihren „sittlichen und religiösen Gefühlen beleidigt erachtet“.

Dennoch gestand Kotschy ein, dass „keine Massen an pfauenhaft bunten, glitzerhaft-fummeligen (...) wirkenden Gestalten“ teilnahmen, sondern die Parade „gemäßigt auf Salzkammergütlerisch“ stattfand. Zuletzt provozierte der FP-Mandatar noch mit einer Aussage zur Homosexualität: „Die Behauptung, Homosexualität bzw. 'sexuelle Diversität' sei ein gesellschaftlich relevantes Massenphänomen und beweise Vielfalt, ist pure ideologische Propaganda“.

Auf diese Presseaussendung reagierten die NEOS OÖ prompt: Die „herabwürdigenden und intoleranten Äußerungen“ von Kotschy seien nicht nur „unangemessen, sondern auch kontraproduktiv für eine offene und inklusive Gesellschaft“. Felix Eypeltauer, Landessprecher der NEOS OÖ, ging noch weiter: „Die Aussagen der FPÖ Bad Ischl sind ein Angriff auf die Werte unserer offenen Gesellschaft. Wir lassen es nicht zu, dass Intoleranz und Hetze unsere Demokratie untergraben. Die Pride im Salzkammergut war ein wichtiges Zeichen für Vielfalt und Toleranz, und wir werden weiterhin für die Rechte aller Menschen kämpfen. Die überwiegende Mehrheit unserer Gesellschaft ist entspannter und toleranter als die Freiheitlichen. Bad Ischl hat das gerade eindrucksvoll bewiesen.“

Sonnenschein, Regenbogen und viel Glitzer

Bei strahlendem Sonnenschein sammelten sich die Teilnehmer und Zuschauer vor dem Alten Postgebäude in Bad Ischl, um sich für die Pride-Parade vorzubereiten. Inmitten von Regenbogenflaggen, Glitzer und guter Laune versammelten sich Frauen und Männer jeden Alters – nicht nur aus der Umgebung. Stefan und seine Freunde sind für die Parade aus Kematen an der Krems angereist und stellen klar: „Wir wollen uns für die Rechte von homosexuellen Menschen einsetzen“. Ein bekanntes Ischler Gesicht tummelte sich ebenfalls in der Menge: Sepp Schlager, ein Ischler-Original, der bereits seit 30 Jahren als Künstlerin „Antonia“ in diversen lokalen Auftritt. „Wir sind neugierig und es scheint, eine lustige Veranstaltung zu sein“, sagt er.

Eine Bildergalerie zur ersten Pride-Parade im Salzkammergut findet ihr hier: Im Salzkammergut ist es bunt

Kritik an Parade-Ende in der Nähe von Spielplatz

Im Vorfeld der Veranstaltung gab es freilich auch Kritik, speziell an der geplanten Route der Parade. Diese zog durch die Innenstadt Bad Ischls und sollte am Ende des Sisi-Parks in Kaltenbach, neben dem Wasserspielplatz, enden. Ein Facebook-User schrieb etwa: „Das was jetzt abgezogen wird ist nur mehr lächerlich, die Kinder da mit reinziehen wollen, das ist nur mehr abartig“. Ein anderer Nutzer kommentierte: „Normal fließt alles Flussabwärts, in dem Fall schaut´s aus als ob es den Dreck von Wien nach oben ins Salzkammergut schwemmt“. Mehrheitlich kommentierten die Facebook-Nutzer aber durchaus positiv: „So wichtig! “ Und auf der Seite der Ischler Woche schrieb ein User: „Unser Kind geht auch mit. Und das find ich gut!“

Conchita inmitten der Menschenmenge

Besondere Freude hatten die Besucher mit einem berühmten Gast: Tom Neuwirth alias Conchita Wurst nahm an der Parade teil und gab am Abend ein Konzert im Sisi-Park. Dass es einmal im Salzkammergut eine Pride geben würde, das habe er sich nicht gedacht, erzählt Neuwirth. „Ich komme ja aus Bad Mitterndorf und ich kann mich noch gut erinnern, wie es für mich war, als Teil der queeren Community wenig Anschluss zu haben“. Gerade deshalb sei es wichtig, als Community sichtbar zu sein und der Mehrheitsgesellschaft zu sagen: „Wir waren immer schon da und wollen zeigen, wie wir miteinander leben können“.


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