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SCHARNSTEIN. Seit neun Jahren ist Martin 3 aus der Notfallversorgung im Salzkammergut nicht mehr wegzudenken. Nach der Kündigung des Pachtvertrags legt die ASKÖ ihre Beweggründe offen – Heli Austria weist die Vorwürfe jedoch entschieden zurück.  

Rettungshubschrauber Martin 3 am Standort Scharnstein (Foto: Martin Flugrettung)
Rettungshubschrauber Martin 3 am Standort Scharnstein (Foto: Martin Flugrettung)

 

Seit 2017 gehört der Rettungshubschrauber Martin 3 zum festen Bestandteil der Notfallversorgung im Almtal, Salzkammergut und den angrenzenden Regionen. Mit rund 1.000 Einsätzen pro Jahr hat sich der Stützpunkt in Scharnstein längst etabliert. Auch die Zusammenarbeit mit Feuerwehren, Rettungsdiensten, Krankenhäusern und weiteren Einsatzorganisationen ist über Jahre gewachsen.

Umso größer war die Verunsicherung, nachdem die Kündigung des Vertrags zwischen der Arbeitsgemeinschaft für Sport und Körperkultur in Österreich (ASKÖ) und dem bisherigen Betreiber Heli Austria bekannt geworden war. Nun legt die ASKÖ ihre Beweggründe dar.

Verlässlicher Partner für die Zukunft gesucht

Nach Angaben der ASKÖ habe die Sicherstellung einer bestmöglichen medizinischen Versorgung oberste Priorität. Der Standort Scharnstein soll daher auch künftig für einen Rettungshubschrauber zur Verfügung stehen. Für den langfristigen Betrieb brauche es jedoch einen verlässlichen Partner sowie ein vertrauensvolles und respektvolles Miteinander.

Diese Grundlage sei mit dem bisherigen Vertragspartner aus Sicht der ASKÖ nicht mehr gegeben gewesen. Trotz mehrfacher Bemühungen, offene Fragen in persönlichen Gesprächen zu klären, habe keine tragfähige Basis für eine weitere Zusammenarbeit geschaffen werden können. Die Kündigung sei deshalb nach längerer Abwägung erfolgt.

Streit um Investitionen schwelt seit Monaten

Die Differenzen um die Zukunft des Standorts bestanden offenbar schon länger. Bereits im April wandte sich Heli Austria an den Präsidenten der ASKÖ Oberösterreich und verwies aus Sicht des Betreibers auf notwendige Verbesserungen der Infrastruktur. Genannt wurden unter anderem unzureichende Crew- und Aufenthaltsräume, fehlende Wartungsmöglichkeiten, Sicherheitsfragen sowie Temperaturen von bis zu minus 15 Grad im Hangar. Für Investitionen in Millionenhöhe forderte das Unternehmen eine langfristige vertragliche Absicherung. 

Die ASKÖ antwortete Ende Juni, sie habe die bisherige Zusammenarbeit stets geschätzt und erkenne die Bedeutung von Martin 3 für die regionale Notfallversorgung ausdrücklich an. Gleichzeitig stellte sie klar, dass sie als gemeinnützige Organisation die geforderten Investitionen nicht finanzieren könne. Eine Weiterentwicklung des Standorts auf eigene Rechnung und Verantwortung von Heli Austria sei aus Sicht der ASKÖ möglich gewesen. 

Ob der Streit um Finanzierung und Modernisierung unmittelbar zur späteren Kündigung führte, geht aus den vorliegenden Unterlagen nicht hervor. Fest steht jedoch, dass über die Zukunft des Standorts bereits Monate  intensiv diskutiert wurde.

Heli Austria widerspricht der Kündigung

Heli Austria weist die von der ASKÖ angeführten Kündigungsgründe entschieden zurück. In einem anwaltlichen Schreiben hält das Unternehmen fest, dass es keine Gründe gebe, die eine außerordentliche Vertragsauflösung rechtfertigen würden. Weder habe es eine schriftliche Abmahnung noch eine Nachfrist gegeben. Auch die erhobenen Vorwürfe bestreitet Heli Austria.

Nach Auffassung des Unternehmens besteht das Mietverhältnis unverändert weiter und die Kündigung sei rechtlich unwirksam. Gleichzeitig zeigt sich Heli Austria gesprächsbereit, um eine einvernehmliche Lösung ohne langwieriges Gerichtsverfahren zu finden. 

Im Anwaltsschreiben verweist Heli Austria zudem darauf, dass die ASKÖ noch Ende Juni die bisherige Zusammenarbeit sowie die Bedeutung von Martin 3 für die regionale Notfallversorgung ausdrücklich gewürdigt hatte. Das Unternehmen sieht darin einen Widerspruch zur wenige Tage später ausgesprochenen Kündigung.

Mehrere Interessenten, aber noch keine Namen

Wie die ASKÖ mitteilt, hätten bereits mehrere Anbieter von Rettungshubschrauberdiensten Interesse am Standort Scharnstein bekundet. Konkret genannt wird allerdings keiner. In den kommenden Wochen sollen Gespräche geführt und verschiedene Möglichkeiten geprüft werden.

Laut ASKÖ wurde Heli Austria zuvor angeboten, die Trennung einvernehmlich und mit einer ausreichend langen Umstellungsfrist abzuwickeln. Auf dieses Angebot habe es keine Reaktion gegeben.

Flugrettung statt zusätzlicher Flugbewegungen

Bereits in den vergangenen Jahren wurde intensiv über die Zukunft des Standorts diskutiert. Heli Austria hatte Pläne für einen neuen Standort präsentiert. In Scharnstein regte sich dagegen Widerstand, weil Teile der Bevölkerung zusätzliche Flugbewegungen und eine höhere Lärmbelastung befürchteten.

Die ASKÖ verfolgt als Betreiber des Flugplatzes Scharnstein nun einen anderen Ansatz. Ein künftiger Betreiber des Rettungshubschrauber-Stützpunkts soll sich ausschließlich auf die Flugrettung konzentrieren. Charter-, Transport-, Ausbildungs- oder Trainingsflüge sollen vermieden werden, um die Bevölkerung keiner unnötigen zusätzlichen Lärmbelastung auszusetzen.

Wie es mit Martin 3 weitergeht, bleibt vorerst offen. Fest steht: Der Flugrettungsstandort Scharnstein soll erhalten bleiben. Entscheidend wird nun sein, ob die seit 2017 aufgebaute und gut eingespielte Notfallversorgung für die Region ohne Unterbrechung fortgeführt werden kann.


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