Nach Pachtkündigung: Askö will neuen Partner für Flugrettungsstandort
SCHARNSTEIN. Seit neun Jahren ist Martin 3 aus der Notfallversorgung im Salzkammergut nicht mehr wegzudenken. Nach der Kündigung des Pachtvertrags legt die ASKÖ ihre Beweggründe offen – Heli Austria weist die Vorwürfe jedoch entschieden zurück.

Seit 2017 gehört der Rettungshubschrauber Martin 3 zum festen Bestandteil der Notfallversorgung im Almtal, Salzkammergut und den angrenzenden Regionen. Mit rund 1.000 Einsätzen pro Jahr hat sich der Stützpunkt in Scharnstein längst etabliert. Auch die Zusammenarbeit mit Feuerwehren, Rettungsdiensten, Krankenhäusern und weiteren Einsatzorganisationen ist über Jahre gewachsen.
Umso größer war die Verunsicherung, nachdem die Kündigung des Pachtvertrags zwischen der Arbeitsgemeinschaft für Sport und Körperkultur in Österreich (ASKÖ) und dem bisherigen Betreiber Heli Austria bekannt geworden war. Nun legt die ASKÖ ihre Beweggründe dar.
Verlässlicher Partner für die Zukunft gesucht
Nach Angaben der ASKÖ habe die Sicherstellung einer bestmöglichen medizinischen Versorgung oberste Priorität. Der Standort Scharnstein soll daher auch künftig für einen Rettungshubschrauber zur Verfügung stehen. Für den langfristigen Betrieb brauche es jedoch einen verlässlichen Partner sowie ein vertrauensvolles und respektvolles Miteinander.
Diese Grundlage sei mit dem bisherigen Vertragspartner aus Sicht der ASKÖ nicht mehr gegeben gewesen. Trotz mehrfacher Bemühungen, offene Fragen in persönlichen Gesprächen zu klären, habe keine tragfähige Basis für eine weitere Zusammenarbeit geschaffen werden können. Die Kündigung sei deshalb nach längerer und sorgfältiger Abwägung erfolgt.
Heli Austria widerspricht der Kündigung
Heli Austria weist die von der ASKÖ angeführten Kündigungsgründe entschieden zurück. In einem anwaltlichen Schreiben hält das Unternehmen fest, dass es keine Gründe gebe, die eine außerordentliche Vertragsauflösung rechtfertigen würden. Weder habe es eine schriftliche Abmahnung noch eine Nachfrist gegeben. Auch die erhobenen Vorwürfe bestreitet Heli Austria. Nach Auffassung des Unternehmens besteht das Mietverhältnis unverändert weiter und die Kündigung sei rechtlich unwirksam. Gleichzeitig zeigt sich Heli Austria gesprächsbereit, um eine einvernehmliche Lösung ohne langwieriges Gerichtsverfahren zu finden.
Für Aufmerksamkeit sorgt zudem ein weiterer Punkt im Anwaltsschreiben: Demnach habe die ASKÖ noch Ende Juni die bisherige Zusammenarbeit sowie die Bedeutung des Notarzthubschraubers Martin 3 für die regionale Notfallversorgung ausdrücklich gewürdigt und eine mögliche Weiterentwicklung des Standorts grundsätzlich begrüßt. Heli Austria sieht darin einen Widerspruch zu den nun angeführten Kündigungsgründen.
Mehrere Interessenten, aber noch keine Namen
Wie die ASKÖ zudem mitteilt, hätten bereits mehrere Anbieter von Rettungshubschrauberdiensten Interesse am Standort Scharnstein bekundet. Konkret genannt wird keiner. In den kommenden Wochen sollen Gespräche geführt und verschiedene Möglichkeiten geprüft werden.
Laut ASKÖ wurde Heli Austria zuvor angeboten, die Trennung einvernehmlich und mit einer ausreichend langen Umstellungsfrist abzuwickeln. Auf dieses Angebot habe es keine Reaktion gegeben.
Flugrettung statt zusätzlicher Flugbewegungen
Bereits in den vergangenen Jahren wurde intensiv über die Zukunft des Standorts diskutiert. Heli Austria hatte Pläne präsentiert, den Stützpunkt zu modernisieren und langfristig abzusichern. In Scharnstein regte sich dagegen Widerstand, weil Teile der Bevölkerung zusätzliche Flugbewegungen und eine höhere Lärmbelastung befürchteten.
Die ASKÖ verfolgt als Betreiber des Flugplatzes Scharnstein nun einen anderen Ansatz. Ein künftiger Betreiber des Rettungshubschrauber-Stützpunkts soll sich ausschließlich auf die Flugrettung konzentrieren. Charter-, Transport-, Ausbildungs- oder Trainingsflüge sollen vermieden werden, um die Bevölkerung keiner unnötigen zusätzlichen Lärmbelastung auszusetzen.
Wie es mit Martin 3 weitergeht, bleibt vorerst offen. Fest steht: Der Flugrettungsstandort Scharnstein soll erhalten bleiben. Entscheidend wird nun sein, ob die seit 2017 aufgebaute und gut eingespielte Notfallversorgung für die Region ohne Unterbrechung fortgeführt werden kann.


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