Chancen und Risiken der Landwirtschaft im Bezirk Gmunden
BEZIRK GMUNDEN. Die anhaltende Trockenheit und die hohen Temperaturen im gesamten heurigen Jahr bereiten den landwirtschaftlichen Betrieben im Bezirk Gmunden nach wie vor große Sorgen. Dennoch zeigen bäuerliche Betriebe ihre Anpassungsfähigkeit und nutzen andere Chancen.

„Viele Betriebe standen dieses Jahr vor der Frage, ob sie Futter zukaufen oder den Viehbestand verringern sollen“, fasste Christian Zierler, Obmann der Bezirksbauernkammer Gmunden, zusammen. Die Folgen der ausbleibenden Niederschläge waren bei nahezu allen Kulturen spürbar und zwangen viele Landwirte zu schwierigen Entscheidungen.
„Das Niederschlagsdefizit betrug laut Österreichischer Hagelversicherung in den Sommermonaten bis über 90 Prozent. Selbst im Inneren Salzkammergut, das üblicherweise kaum mit Wassermangel zu kämpfen hat, war es heuer deutlich spürbar“, erklärt Zierler.
Da die Dürre das gesamte Bundesgebiet betrifft, muss Futter auch überregional zugekauft werden. Lagerhäuser, Raiffeisen Ware Austria AG (RWA) und Maschinenring organisierten deshalb den Zukauf von 1.200 Lkw-Ladungen Heu mit jeweils rund 20 Tonnen vom europäischen Markt für heimische Tierhaltungsbetriebe.
Millionenschäden durch die Dürre in Oberösterreich
2026 ist das bisher schwerwiegendste Dürrejahr in der Geschichte der österreichischen Landwirtschaft. Das Schadensausmaß beläuft sich auf rund eine Milliarde Euro, davon 200 Millionen Euro in Oberösterreich.
Im Bezirk Gmunden sind 85 Prozent der Ackerbau- und 60 Prozent der Grünlandbetriebe gegen Dürreschäden versichert. Die Versicherungen decken den entstandenen Schaden jedoch nur teilweise ab.
Die Bundesregierung hat deshalb ein Dürrehilfe-Paket in Höhe von 240 Millionen Euro beschlossen. Es umfasst vier Maßnahmen: die befristete Entlastung bei den Sozialversicherungsbeiträgen, Zinszuschüsse für Betriebsmittelkredite, die Stundung von Agrarinvestitionskrediten und die Anhebung des Prämienzuschusses zur Dürreversicherung im Jahr 2027.
„Das Paket war für unsere Bauernfamilien eine dringend benötigte Hilfe. Klar ist aber auch, dass damit nur ein Teil der tatsächlichen wirtschaftlichen Schäden abgesetzt werden kann. Wir setzen uns weiter dafür ein, dass die Umsetzung rasch und praxistauglich erfolgt, damit die Hilfe ohne bürokratischen Hürdenlauf bei den Betrieben ankommt“, sagt Franz Waldenberger, Präsident der Landwirtschaftskammer OÖ.
Anpassung der Landwirte
Knapp 55 Prozent der Nutzfläche im Bezirk entfallen auf Dauergrünland und Almen. Mit modernen Bewirtschaftungsmethoden, gezielter Bodenbearbeitung und Humusaufbau im Ackerbau versuchen die Betriebe, Wasser möglichst lange im Boden zu halten und ihre Flächen widerstandsfähiger gegen Wetterextreme zu machen. Unterstützung bietet dabei das Österreichische Umweltprogramm (ÖPUL).
Mehr Wertschätzung für regionale Lebensmittel
Die Situation zeigt, wie wichtig verlässliche Rahmenbedingungen für die heimische Lebensmittelproduktion sind. Damit die Bauernfamilien in der Region auch künftig hochwertige Lebensmittel erzeugen und zur Versorgung der Bevölkerung beitragen können, braucht es mehr Verständnis für die Herausforderungen der Landwirtschaft und eine stärkere Wertschätzung regionaler Produkte.
Darauf weist auch Nationalratsabgeordnete und Vorsitzende des Bäuerinnenbeirates Bettina Zopf hin: „Die Förderung regionaler Produkte ist weit mehr als ein Trend. Sie ist ein wichtiger Beitrag zur Versorgungssicherheit, zur Erhaltung unserer Kulturlandschaft und zur Stärkung des Wirtschaftsstandortes Oberösterreich. Gemeinsam können Konsumenten, Handel, Gastronomie und Landwirtschaft dazu beitragen, dass heimische Lebensmittel auch künftig einen festen Platz auf unseren Tellern haben. Regional einkaufen heißt Verantwortung übernehmen – für die Bauernfamilien, für die Umwelt und für die Zukunft Oberösterreichs.“
Weiters hebt Zopf hervor, dass die Leistung der heimischen Betriebe auch Grundlage für einen funktionierenden Tourismus sei. Urlaub am Bauernhof verbindet Landwirtschaft, Tourismus und regionale Entwicklung. Im Bezirk gibt es derzeit 35 Mitgliedsbetriebe von Urlaub am Bauernhof mit insgesamt rund 460 Gästebetten. Zusätzlich seien (Seminar)Bäuerinnen, „Schule am Bauernhof“ und Agrarbildung zentrale Eckpfeiler für die Zukunft der Landwirtschaft.
1.000. Melkroboter in OÖ
Der Bezirk Gmunden wird nicht nur durch die Forstwirtschaft geprägt, sondern er zähle laut Waldenberger auch zu jenen Bezirken, in denen sich die Stärke der oberösterreichischen Milchproduktion besonders deutlich zeigt.
Dass Oberösterreich auf Hightech im Kuhstall setzt, zeigt ein Meilenstein am Biohof von Susanne und Werner Aistleithner vulgo Hofböck in Weitersfelden (Bezirk Freistadt): Dort wurde der 1.000. Melkroboter des Bundeslandes in Betrieb genommen.








Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden