Wenn der Sommer schwere Beine macht: Was hinter dem Leiden steckt und was wirklich hilft

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Daniela Toth Daniela Toth, Tips Redaktion, 25.07.2020 08:56 Uhr

BAD ISCHL. In heißen Sommermonaten leiden besonders viele Menschen unter geschwollenen Füßen und Beinen, darunter auffällig viele Frauen. Meist ist das nur unangenehm, und regelmäßige Bewegung und vor allem Ruhe verschaffen Linderung. Doch hinter diesen Beschwerden kann auch eine ernste Erkrankung stecken. Bei wiederholtem Auftreten ist eine medizinische Abklärung unbedingt ratsam.

Viele kennen das: Man kommt nach einem langen Tag mit geschwollen, schweren Beinen nach Hause und handelt instinktiv richtig, indem man die Füße hochlagert. Vermehrt treten solche Beschwerden während der Sommermonate auf. „Ursächlich für dicke, schwere Beine sind meistens die Venen. Sie treten bei Hitze noch stärker als sonst hervor, weil der Körper zum Temperaturausgleich Wärme abgibt“, klärt Prim. Priv.-Doz. Dr. Alfons Gegenhuber, der Leiter der Inneren Medizin im Salzkammergut Klinikum Bad Ischl, auf. „Dadurch erweitern sich die Gefäße, das Blut zirkuliert langsamer, die Venen werden durchlässiger und im Gewebe bilden sich vermehrt Wasseransammlungen, sogenannte Ödeme. Bei bis zu 20 Prozent der Betroffenen können auch Blutdruckmedikamente, sogenannte Calciumantagonisten, beidseitige Knöchelödeme verursachen“, so der Internist weiter. Häufig entstehen Ödeme in den Beinen auch während einer Schwangerschaft. Doch das ist nicht der Hauptgrund dafür, dass Frauen wesentlich anfälliger für geschwollene Beine sind als Männer. Vielmehr ist ihr Bindegewebe oft zu schwach, um die Venen ausreichend zu stützen. Das weibliche Hormon Östrogen sorgt zudem dafür, dass die Venen durchlässiger werden. Manchmal entstehen die Beschwerden auch in Folge eines Lipödems, einer Wasseransammlung im Fettgewebe.

Schwellungen verhindern und lindern

„Aus medizinischer Sicht spricht nichts dagegen, zwischendurch die Schuhe auszuziehen, die Beine hochzulegen und sie mit kalten Güssen, Fußbädern oder kühlenden Auflagen zu beruhigen, ganz im Gegenteil“, weiß Prim. Gegenhuber. Das beste Mittel gegen geschwollene Beine ist aber ausreichend Bewegung.

Schon nach wenigen Schritten oder eben durch Entlastung zirkuliert das Blut wieder durch die Venen, die Beine fühlen sich leichter an und die Schwellungen klingen ab. „Noch wirksamer ist es, wenn man sich täglich einige Minuten Zeit für Fuß- und Beingymnastik nimmt und sich im Alltag möglichst viel bewegt, etwa die Stufen anstelle des Aufzugs nimmt und auch längere Strecken zu Fuß geht“, erklärt der Mediziner.

Bewegung, leichte Kost und flache Schuhe

Damit Bein- und Fußschwellungen gar nicht erst entstehen, empfiehlt Gegenhuber zudem leichte Kost mit einem hohen Gemüseanteil, da auch Übergewicht den Körper anfällig macht. Alkohol sollte möglichst tabu sein und hohe Absätze sollten im Schrank bleiben. Besser sind flache Schuhe beziehungsweise im Sommer offene oder einfach mal gar keine Schuhe. Wer beruflich viel steht oder sitzt, sollte zwischendurch immer wieder bewusst einige Schritte gehen und – wie es auch bei längeren Flugreisen empfohlen wird – Kompressionsstrümpfe tragen.

Dicke, schwere Beine können auch durch Krankheit entstehen

Schwellen Füße und Beine regelmäßig an, könnte eine ernsthafte Erkrankung dahinterstecken. Besenreiser und Krampfadern sind zum Beispiel Anzeichen für ein Venenleiden – besonders dann, wenn die Schwellung länger als einen Tag anhält und es zu Hautveränderungen und Schmerzen kommt. Auch eine Erkrankung von Herz, Nieren, Leber oder Schilddrüse ist möglich. Für die Diagnose ist unter anderem wichtig, ob nur ein Bein, ein bestimmter Bereich oder beide Beine betroffen sind. Treten die Schwellungen einseitig auf, handelt es sich vielleicht um Durchblutungsstörungen oder erkrankte Lymphgefäße. Betreffen die Probleme beide Beine, weist das eher auf eine Erkrankung der Organe hin. Auch Lipödeme verursachen meistens beidseitige Beschwerden.

Weil die in Frage kommenden Ursachen für geschwollene Beine so unterschiedlich wie auch potenziell gefährlich sein können, sollten Betroffene bei wiederkehrenden Problemen unbedingt ärztlichen Rat einholen. In der Regel sind HausärztInnen dabei die ersten Ansprechpersonen. Wenn es notwendig ist, überweisen sie die PatientInnen an FachärztInnen für Innere Medizin oder GefäßspezialistInnen weiter.

 

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