So unterschiedlich ist die Lage der Quaggamuschel im Salzkammergut
SALZKAMMERGUT. Während Attersee, Traunsee und Mondsee weiterhin von der Quaggamuschel betroffen sind, blieben zahlreiche andere Seen der Region auch heuer ohne Nachweis. Das aktuelle Monitoring des Landes zeigt damit vorsichtige Entwarnung – zugleich zeigen SUP-Verbote am Langbathsee und Offensee, wie ernst der Schutz vor einer weiteren Verschleppung genommen wird.

Wie im Vorjahr hat das Land Oberösterreich auch heuer zahlreiche Seen untersucht. Im Salzkammergut bleiben Attersee, Traunsee und Mondsee von der Quaggamuschel betroffen. Keine Nachweise gab es unter anderem im Hallstätter See, im Nussensee, im Offensee, im Laudachsee und im Vorderen Langbathsee.
„Gerade weil wir sehen, dass viele Seen noch frei von der Quaggamuschel sind, müssen wir jetzt konsequent bleiben. Ein einziger schlampig gereinigter Bootsrumpf kann reichen, um ein neues Gewässer zu belasten“, so Umwelt- und Klimalandesrat Stefan Kaineder (Grüne).
Verschleppung der Muschel
Die Quaggamuschel stammt ursprünglich aus Zuflüssen des Schwarzen Meeres. Heute taucht sie in immer mehr europäischen Gewässern auf. Sie heftet sich an Steine, Holz, Bootsrümpfe und technische Anlagen, kann aber auch feines Sediment besiedeln.
Das klingt unscheinbar, hat aber spürbare Folgen: Die Muschel kann Rohre und Filter von Wasseranlagen verstopfen, heimische Arten verdrängen und die Nahrungskette im See verändern. Besonders problematisch ist die Verschleppung zwischen Gewässern. Boote, Anhänger, Anker, Taue, Tauchausrüstung, Fischereigeräte oder Stand-up-Paddleboards (SUPs) können Larven oder kleine Muscheln unbemerkt mitnehmen.
„Reinigen, trocknen, kontrollieren“
Gerade im Salzkammergut, wo viele Seen nahe beieinanderliegen, gilt deshalb: reinigen, trocknen, kontrollieren. „Unsere Seen sind Naturjuwele, die immer mehr unter Druck geraten. Die Quaggamuschel wird zu einem immer größeren Problem an den betroffenen Seen. Damit nicht noch weitere oberösterreichische Seen von einer Invasion getroffen werden, braucht es Achtsamkeit. Wer sein Boot oder seine Ausrüstung sauber macht, schützt damit nicht irgendein abstraktes Ökosystem, sondern den Badetag der Kinder, die Fischerei am See und die Wasserqualität“, betont Kaineder.
Paddling verboten
Wie ernst der Schutz genommen wird, zeigt der Langbathsee bei Ebensee. Dort gilt seit heuer ein SUP-Verbot. Ein Grund dafür ist die Gefahr, Quaggamuscheln oder Krebspest über nasse Ausrüstung einzuschleppen.
Baden ist weiterhin erlaubt, SUPs, Schlauchboote und große Schwimmhilfen bleiben jedoch draußen. Ein ähnliches Verbot gilt außerdem am Offensee, wo das Stand-up-Paddling schon seit dem Vorjahr verboten ist.
„See-Cops“
Am Langbathsee schauen auch langjährige Stammgäste auf die Einhaltung der Regeln. Moni, Sabine, Barbara, Carmen, Linde und Gitti nennen sich mit einem Augenzwinkern die „See-Cops“ und achten auf ihr „zweites Wohnzimmer“ am Langbathsee.
„Wir nehmen den Schutz so ernst, dass einige von uns sogar ihre mühsam gekauften SUPs sofort wieder verkauft haben – Gesetz ist schließlich Gesetz und gilt für alle“, erklären die Freundinnen.
Sobald das typische Zischen einer SUP-Pumpe zu hören ist, sprechen sie Besucher an und klären über das Verbot auf. Sollte jemand bereits auf dem Wasser sein, wird es mitunter sportlich: „Dann wird die Schwimmnudel gezückt und die Verfolgung schwimmend aufgenommen“ – die „See-Cops“ fackeln nicht lange.
Die meisten Badegäste reagieren laut der Gruppe einsichtig und seien sogar dankbar für den Hinweis, „immerhin drohen bei Verstößen Strafen von 200 bis 2.000 Euro“. Ausreißer gebe es jedoch leider immer: „Die größte Frechheit ist es, wenn Uneinsichtige einfach zum hinteren Langbathsee ausweichen, um dort heimlich ihr Board aufzupumpen. Aber auch dort behalten wir das Geschehen im Auge.“
Keine Entwarnung
Dass keine weiteren Seen betroffen sind, ist eine gute Nachricht für das Salzkammergut.
Am Attersee sei die Quaggamuschel laut Beobachtungen von Seegrundbesitzern rund um die Badeplätze und am Seegrund deutlich zurückgegangen. „Sowohl der niedrige Wasserspiegel am Attersee als auch die hohen Wassertemperaturen können die Quaggamuschel vorübergehend in ihrem Bestand verringern“, sagen Experten aus der Gewässerökologie. Die Muschel finde in einem Temperaturbereich von fünf bis 15 Grad Celsius optimale Lebensbedingungen vor.
Entwarnung gibt es dennoch nicht. Es könne laut den Experten angenommen werden, dass die Besiedelungsdichte durch die Muschel wieder zunimmt, sobald sich der Wasserstand und die Temperaturen wieder normalisieren. Zudem liegen zwischen bereits besiedelten und bislang quaggafreien Gewässern oft nur wenige Kilometer.








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