Arbeitnehmer lassen sich aus Angst um den Job immer mehr gefallen
GMUNDEN. Arbeitnehmer meiden aus Angst vor dem Arbeitsplatzverlust zunehmend den Gang zur Rechtsberatung durch die AK. Dennoch mussten die AK-Juristen im Bezirk Gmunden 8,8 Millionen Euro an Dienstnehmer-Ansprüchen erkämpfen.

„Die Beschäftigten agieren zaghafter, lassen sich oft nur beraten und verzichten dann aus Angst um den Job darauf, ihre Ansprüche einzufordern“, so der stellvertretende AK OÖ-Direktor Franz Molterer. Dennoch kam bei vielen Arbeitsrechtsproblemen zur Beratung auch die Vertretung hinzu. Schlussendlich erstritt die AK Gmunden im Vorjahr in arbeits- und sozialrechtlichen Angelegenheiten fast neun Millionen Euro an offenen Ansprüchen für ihre Mitglieder.
8,8 Millionen Euro für die AK-Mitglieder
Durch außergerichtliche Interventionen brachte man 427.348 Euro an vorenthaltenem Entgelt ein. Wenn Unternehmen ihren Mitarbeitern beharrlich Geld schuldig bleiben, müssen die Ansprüche beim Arbeits- und Sozialgericht eingeklagt werden. So wurden 800.910 Euro erkämpft. Zusätzlich wurden 2015 für Arbeitnehmer aus dem Bezirk, die von einer Insolvenz betroffen waren, rund 3,7 Euro durchgesetzt.
Die beiden größten Insolvenzen des Jahres betrafen die Salzkammergut Bäckerei GmbH mit 65 Beschäftigten und die Peter Lössl GmbH mit 62 Beschäftigten. Insgesamt verloren im Bezirk 218 Arbeitnehmer durch Insolvenz ihres Arbeitgebers den Job.
Nicht ausgezahlte Löhne als Hauptstreitpunkt
In den Gerichtsverfahren ging es hauptsächlich um offene Löhne und Gehälter, aber auch um Sonderzahlungen, Überstundenentgelte und Abfertigungsansprüche. Doch selbst nach einem rechtskräftigen Urteil ist keineswegs sicher, dass bezahlt wird. In einigen Fällen kommen die Arbeitnehmer nur zu ihrem Geld, wenn ein Exekutionsverfahren angekündigt oder eingeleitet wird.
In Sozialrechtsangelegenheiten erstritt die AK Gmunden 3,9 Millionen Euro an Pensionsansprüchen (Invaliditäts-, Berufsunfähigkeitspension) und Pflegegeld. Damit hat die AK Gmunden im Vorjahr Zahlungen von insgesamt 8,8 Millionen Euro erreicht.
Konkrete Beispiele
So bekam ein Hausmeister aus dem Bezirk von seinem Arbeitgeber monatelang weniger Lohn überwiesen als schriftlich vereinbart. Als der in den Krankenstand gehen musste, kündigte ihn der Arbeitgeber sofort und stellte die Zahlungen zur Gänze ein. Das Gericht entschied vollinhaltlich zugunsten des Arbeitnehmers. Die offenen 6800 Euro zahlte der Unternehmer erst nach einem gerichtlichen Zahlungsbefehl. Der Mann musste fast ein halbes Jahr auf das ihm zustehende Geld warten.
Ein schwerkranker Arbeitnehmer wandte sich an die AK, weil seine befristet gewährte Invaliditätspension nicht verlängert worden war. Auch eine berufliche Rehabilitation wurde ihm nicht gewährt, obwohl er aus Sicht der AK-Experten keineswegs arbeitsfähig war. Sie holten ein ärztliches Gutachten ein, das diese Einschätzung bestätigte und gingen für den Mann vor Gericht. Dort lenkte die Pensionsversicherung in einem gerichtlichen Vergleich ein und verlängerte dem Mann die Invaliditätspension bis 31. Jänner 2017. Hochgerechnet auf die Bezugsdauer sicherte der Rechtsschutz dem Mann ein Einkommen von 32.000 Euro, das er dringend zum Überleben braucht.
Beratungsmöglichkeit
Wer sich persönlich bei der AK Gmunden beraten lassen will, kann dies von Montag bis Donnerstag von 7.30 bis 16 Uhr und Freitag von 7.30 Uhr bis 13.30 Uhr tun. Um Terminvereinbarung unter 050/6906-4412 wird gebeten.


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