Lech Walesa: „Europa wird auch die jetzige Krise überwinden“

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Daniela Toth Daniela Toth, Tips Redaktion, 14.03.2016 13:27 Uhr

GMUNDEN. Ein neues Wertefundament für das gemeinsame Europa forderte der Friedensnobelpreis-Träger und ehemalige polnische Staatspräsident Lech Walesa bei seinem Besuch in Gmunden, wo er auf Einladung von „Academia Superior - Gesellschaft für Zukunftsforschung“ sprach. Das Thema des Symposiums: „Wo beginnt, wo endet Freiheit“.

„Früher ist Europa auf einem christlichen Fundament gestanden, dann hat der Kampf gegen den Kommunismus die Länder vereint, doch jetzt gibt es kein gemeinsames Fundament mehr. Wenn die Europäische Union weiterhin Bestand haben soll, brauchen wir zehn Gebote für Europa, gemeinsame Werte, die von allen über die Religionen und politischen Ideologien hinaus getragen werden“, betonte Walesa bei seiner Rede im Rahmen des 6. Academia Superior-Symposium, die rund 700 Besucher in den Toscana Congress lockte.

„Brauchen Abkehr von bisherigen Denkmustern“

Zur aktuellen Flüchtlingskrise betonte der legendäre polnische Freiheitskämpfer, diese sei absehbar gewesen, habe Europa aber trotzdem überrascht: „Wir brauchen ein neues Denken, um von derartigen Entwicklungen nicht mehr überrascht zu werden und diese Herausforderungen auch lösen zu können. Neue Zeiten brauchen eine Abkehr von bisherigen Denkmustern, die uns jahrzehntelang geprägt haben, aber jetzt überholt sind“, so Lech Walesa. Zugleich warnte er vor übertriebenem Pessimismus angesichts der aktuellen Situation: „Als ich den Kampf um ein freies Polen begonnen habe, hat mir keiner eine Chance gegeben. Aber es ist gelungen, ich habe gesiegt und den Kommunismus in Polen beendet. Auch die jetzige Krise wird Europa überwinden“, betonte der Friedensnobelpreis-Träger.

Pühringer: „Freiheit braucht Werte“

Landeshauptmann Josef Pühringer betonte: „Freiheit ist nicht nur ein Wert an sich, Freiheit braucht auch Werte, weil sie ansonsten sehr schnell in Gefahr gerät. Der Mensch braucht Regeln, das darf aber nicht in Gängelung ausarten, es bedarf einer sorgsamen Abwägung zwischen zu vielen und zu wenig Regeln. Diese Balance zu finden, ist eine große Herausforderung, mit unserem System der Sozialen Marktwirtschaft gelingt uns das am besten. Während es in den USA und in Großbritannien eine Tendenz gibt, zu wenig zu regeln, wie die Finanzkrise gezeigt hat, müssen wir Kontinentaleuropäer selbstkritisch feststellen, dass wir dazu neigen, zu viel zu regeln.“ Hier Maß und Mitte zu finden werde eine gemeinsame globale Aufgabe der Zukunft sein, unterstrich der Landeshauptmann.

Strugl: „Angst ist ein Feind der Freiheit“

„Freiheit braucht Verantwortung“, betonte Wirtschafts-Landesrat Michael Strugl, Obmann von Academia Superior. Es gebe heute so viel Freiheit wie noch nie, was gerade für die junge Generation selbstverständlich geworden sei. Erst wenn diese Freiheit wieder beschnitten werde und – wie jetzt – wieder Zäune errichtet und Grenzkontrollen eingerichtet werden, werde der Wert der Freiheit wieder bewusst und auch die gemeinsame Verantwortung, sich dafür einzusetzen, so Strugl. „Ich glaube, dass Angst einer der größten Feinde der Freiheit ist und die Frage ist letztlich, wie werden wir damit umgehen. Ist es wirklich der Weisheit letzter Schluss, wenn wir die Freiheiten, die wir innerhalb der Europäischen Union vereinbart haben, wieder einschränken? Ich bezweifle es“, erklärte Strugl weiter.

Hochrangige Diskussion zum Thema Freiheit

Beim Surprise-Factors-Symposium von Academia Superior wurde das Thema „Freiheit“ aus den verschiedensten Bereichen betrachtet: Der frühere dänische Bildungsminister und Partei-gründer Uffe Elbaek steuerte die politische Sicht bei, Suchtforscherin Gabriele Fischer, Leiterin der Drogenambulanz des AKH Wien, brachte die Perspektive der menschlichen Süchte und Zwänge in die Diskussion ein. Einen globalen Blickwinkel auf das Spannungsfeld zwischen Freiheit und Unfreiheit steuerte die russische Kosmopolitin Anna Kamenskaya, die jetzt in Hongkong lebt, zur Diskussion bei. Für die philosophisch-künstlerische Sichtweise sorgte der deutsche Schriftsteller Wolf Wondraschek. Als Überraschungsgast nahm der israelische Publizist und Journalist, mit österreichischen Wurzeln, Ari Rath, am Symposium teil, der eine Symbolfigur im Kampf um ein friedliches Zusammenleben von Israelis und Palästinensern ist.

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