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BEZIRK GMUNDEN. Arbeitslosen Unwilligkeit zu unterstellen, erhöht den Druck auf diese Menschen. Besonders betroffen sind langzeitarbeitslose Männer und Frauen.

Fritz Feichtinger (Vorsitzender der Volkshilfe Salzkammergut) und seine Mitstreiter*innen fordern Respekt für arbeitslose Menschen. (Foto: VH Salzkammergut)

„Lang andauernde Erwerbslosigkeit geht nicht nur mit teils dramatischen finanziellen Engpässen einher, sondern hat auf die Betroffenen auch starke psychische und körperliche Auswirkungen. Vor allem, wenn ihnen Unwilligkeit unterstellt wird“, erklärt Bürgermeister Fritz Feichtinger als Vorsitzender der Volkshilfe Salzkammergut und fordert anlässlich des Tages der Arbeitslosen am 30. April „Menschenwürde und Respekt für diese Menschen“.

Und das aus einem triftigen Grund. Denn Depressionen und Ängste seien in der Gruppe der Langzeiterwerbslosen deutlich weiterverbreitet als im Rest der Bevölkerung, die Folge sei eine insgesamt geringere Lebenszufriedenheit. „Nur 36 Prozent der langzeitarbeitslosen und 52 Prozent der arbeitslosen Menschen sind mit ihrem Leben im Großen und Ganzen zufrieden. Bei Berufstätigen sind es 70 Prozent. Wir dürfen daher keinesfalls auf die langzeitarbeitslosen Männer und Frauen im Land vergessen. Vor allem, weil deren Zahl nach wie vor deutlich höher als vor der Pandemie ist“, so Feichtinger.

70 statt 55 Prozent Nettoersatzrate

Der Vorsitzende der Volkshilfe Salzkammergut weist darauf hin, dass besonders langzeitarbeitslose, geringqualifizierte oder zugezogene Menschen ausführliche und individuelle Beratung und Unterstützung bei der Arbeitssuche oder einen existenzsichernden Arbeitsplatz in gemeinnützigen, sozialökonomischen Betrieben brauchen. „Die dabei eingesetzten Fördermittel fließen innerhalb weniger Jahre wieder als Einnahmen an den Staat zurück, das belegen zahlreiche Social Return On Investment-Berechnungen“, erklärt Feichtinger und fordert außerdem einmal mehr eine Erhöhung der Nettoersatzrate des Arbeitslosengeldes auf mindestens 70 Prozent.

„Der deutliche Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und Armutsgefährdung belegt, dass 55 Prozent Nettoersatzrate deutlich zu wenig ist. Erwerbslosigkeit darf nicht automatisch zu Armut führen“, so der Laakirchner SP-Bürgermeister. Eine Erhöhung des Arbeitslosengeldes würde sowohl aus volkswirtschaftlicher, als auch aus sozialpolitischer Perspektive Sinn ergeben. Fritz Feichtinger: „Nicht nur das Armutsrisiko bei Erwerbslosigkeit könnte durch eine höhere Nettoersatzrate gesenkt werden. Auch auf den Gesundheitsbereich hätte dies einen positiven Einfluss. Die schweren gesundheitlichen Belastungen, die durch Arbeitslosigkeit ausgelöst werden, würden durch eine Verbesserung der Lebenssituation während der Arbeitslosigkeit gemildert.“


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