Wild im Visier: Wenn ein Bauer zum Jäger werden will

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Sabrina Lang Sabrina Lang, Tips Redaktion, 22.01.2021 19:38 Uhr

BAD SCHALLERBACH. Dem Bad Schallerbacher Landwirt Rudolf Doppelbauer reicht es: In seiner Heimatgemeinde würde sich zu viel Wild tummeln. Mit einhergehen würden zu große Schäden am Baumbestand. Mit einer Resolution an die Landwirtschaftskammer will Doppelbauer erreichen, dass Bauern auf den eigenen Grundflächen selbst zum Gewehr greifen dürfen - auch ohne Jagdprüfung.

Unbefriedigend und diskriminierend findet Rudolf Doppelbauer die derzeitige Situation der Jagd auf bäuerlichen Grundstücken. Sein Anliegen: Jeder Bauer, egal wie groß die Besitzfläche ist, soll auf seinem Grundstück jagen dürfen, um so die Wildpopulation selbst kontrollieren zu können. Eine Jagdprüfung soll nicht zwingend notwendig sein. Schaden am Baumbestand könne man so möglichst gering halten.

Zu viele Rehe

„Mein Zorn entstand dadurch, dass bei uns in Bad Schallerbach cirka 100 Rehe auf 100 Hektar gehalten werden“, sagt Doppelbauer. Laut dem Landwirt seien zwei bis fünf Rehe für diese Fläche angemessen. Durch den überhöhten Rehbestand sei es nicht möglich, einen klimafitten Baumbestand hochzuziehen. Diese Zahlen revidiert Bezirksjägermeister Adolf Haberfellner: „Die verpachtete Gemeindejagdfläche von Bad Schallerbach beträgt 850 Hektar, somit würde mit der Zahl von 100 Stück auf 100 Hektar hochgerechnet einen Bestand von 850 Rehwild ergeben. Spinnt man den Faden weiter und berücksichtigt die jährliche Vermehrung und den Abschuss, so wäre Bad Schallerbach schon seit Jahren eine Wüste und keine grüne Kulturlandschaft“.

Kleinräumig immer Probleme mit Wilddruck

Doppelbauer kritisiert hingegen, dass die Jadgesellschafter die Abschusszahlen bestimmen und diese von der Bezirkshauptmannschaft bestätigt werden, ohne den tatsächlichen Schaden am Baumbestand zu berücksichtigen. Für den Landwirt sei es von Wichtigkeit, dass alle Baumarten in einem Wald vertreten sein können ohne zwangsläufig mit einem Zaun geschützt werden zu müssen. Das Resümee von Doppelbauer: „Wenn jeder Bauer seinen Wald selbst jagdlich bewirtschaftet, werden 98 Prozent aller Schäden und Streitigkeiten beigelegt. Der Wald wird zeigen, ob die Jagd stimmt“. Dass es kleinräumig immer Probleme mit dem Wilddruck auf den Wald gäbe, werde niemand leugnen, meint Haberfellner.

Jäger sind bemüht

„Der örtliche Jäger ist aber immer bemüht, die Belange der Land-und Forstwirtschaft in sein Tun einzubeziehen, ja er ist sogar vom Jagdgesetz dazu verpflichtet. Aber auch jede Wildart braucht Nahrung, und Wild gehört zu unserem Landschaftsbild. Da es aber sehr viele Landschaftsnutzer gibt, und das fast rund um die Uhr, wird das Reh oft von Wiesen und Acker in den Forst zurückgedrängt und findet nur mehr in den schwer zugänglichen oder für die Menschen uninteressanten Flächen Schutz. Auf diese Flächen zusammengedrängt, kommt es dann zu erhöhten Wildschäden“, stellt der Bezirksjägermeister klar. Von Seiten der Landwirtschaftskammer heißt es, dass man sich zu der Verbundenheit von Grundeigentum und Jagdrecht bekenne und man bestrebt sei, Grundeigentümer in Bereich der Jagdwirtschaft zu unterstützen.

„Begabte Landwirte“

Wenn Landwirte selbst zum Jäger werden, ist es für Doppelbauer nicht zwingend notwendig im Besitz einer gültigen Jagdkarte oder eines Waffenpasses zu sein, denn: „Landwirte sind grundsätzlich überdurchschnittlich begabt, was die Handhabung von Werkzeugen betrifft, somit wird auch das Führen von Waffen kein Problem darstellen“, argumentiert Doppelbauer. Haberfellner hat nichts gegen Landwirte, die selbst zum Jagdgewehr greifen wollen, allerdings „mit der Voraussetzung, dass er eine jagdliche Ausbildung hat, und diese mit der Jagdprüfung abschließt. Hat ein Landwirt eine gültige Jagdkarte, so ist sogar mehr als wünschenswert, dass er die Jagd ausübt. Leider nehmen sich immer weniger Landwirte, arbeitsbedingt, die Zeit für die Jagd“, so Haberfellner.

Kritik an Jagdprüfung

„Eine Jagdprüfung ist, wie ich leidvoll erfahren musste, eine reine Durchwinkprüfung unter Freunden oft auf niedrigstem Niveau“, kritisiert der Landwirt. Er selbst sei als einziger von 34 Prüflingen durchgefallen, obwohl er, laut eigenen Angaben 30 Jahre als Mechanikermeister in Führungsposition gearbeitet hat und bei allen Kursen anwesend war.<

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Kommentare

  1. Mathematiker
    Mathematiker24.02.2021 12:54 Uhr

    100 Rehe auf 100 Hektar - Bei Wahrnehmungsstörungen sollte man besser keine Waffe angreifen.

  2. Jackxn
    Jackxn23.01.2021 19:27 Uhr

    welcher Prüfungsteil? - Weiss zufällig jemand bei welchem Teil der Prüfung "heuer die meisten Prüflinge durchgefallen sind"?

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