Wie sich systemrelevante Berufe durch die Omikron-Welle kämpfen
EFERDING/GRIESKIRCHEN. Die derzeit dominante Corona-Variante „Omikron“ könnte dazu führen, dass ein relevanter Teil der Bevölkerung bald zeitgleich in Quarantäne muss. Tips fragte nach, wie sich Polizeireviere, Feuerwachen oder auch Krankenhäuser durch die vierte Welle kämpfen und wie angespannt die Situation in den jeweiligen Institutionen ist.

Sie kümmern sich seit nunmehr zwei Jahren um die Aufrechterhaltung von Gesundheits- und Versorgungseinrichtungen – jedoch ohne den Luxus, im Homeoffice arbeiten zu können: Ärzte, Pflegekräfte, Polizeibeamte, Florianis, Handelsangestellte oder auch Transportmitarbeiter. Die Befürchtung, dass durch die zeitgleiche Quarantäne vieler Mitarbeiter der Betrieb in Gefahr gerät, schafft Unsicherheiten und Ängste in der Bevölkerung. Derzeit sind mit Stand 30. Jänner 35.064 Personen in Österreich coronapositiv getestet. Experten erwarten den Höhepunkt der vierten Welle für Anfang Februar, das Ende für März. Dafür haben viele Unternehmen und Einrichtungen bereits umfassende Präventionskonzepte ausgearbeitet, die im Notfall eingeleitet werden können. Dennoch kann es in manchen systemrelevanten Berufsbereichen durch Personalausfälle auch zu angespannten Situationen kommen.
Alten- und Pflegeheim auf großer Personalsuche
Bei einer Massentestung wurden im Bezirksalten- und Pflegeheim (BAPH) Gaspoltshofen Mitte Jänner 16 Bewohner positiv getestet. „Die Welle ist also auch bei uns angekommen. Wir haben keinen Ersatz für Mitarbeiter und müssen von Tag zu Tag schauen, dass wir Ausfälle intern abfedern“, erzählt Daniel Sturm. Angst vor einer Welle hat der Heimleiter jedoch nicht: „Wir werden wieder vermehrt auf das Tragen von Schutzkleidung zurückgreifen, was vor allem für den Nachtdienst, in dem nur zwei Mitarbeiter pro Stock beschäftigt sind, eine große Herausforderung ist. Am Tag ist das leichter, eine gewisse Anzahl an Kollegen betreut die erkrankten Bewohner.“ Kein leichtes Unterfangen, da der Mangel an Pflegepersonal schon länger spürbar ist. „Wie Sie sich sicherlich vorstellen können, war und ist die Covid-Pandemie nicht gerade förderlich für das Mitarbeiterwachstum“, so Sturm. Derzeit sucht man für das Heim händeringend nach Personal.
Leistungseinbußen im Klinikum möglich
Derzeit ist die Lage im Klinikum Grieskirchen laut Thomas Muhr, ärztlicher Leiter am Klinikum Wels-Grieskirchen, noch stabil. „Bei weiterem Ansteigen der Fallzahlen unserer Mitarbeiter können Fachhochschul-Studenten und Medizinstudenten eine wertvolle Unterstützung sein. Sollten die Quarantänezahlen extrem ansteigen, müssten wir Leistungen reduzieren“, so Muhr. Die verpflichtenden Maßnahmen wie das durchgehende Tragen von FFP2-Masken seien bei der infektiöseren Omikron-Variante von höchster Wichtigkeit. Außerdem werden Mitarbeiter, die einen Hochrisiko-Kontakt hatten, zu Beginn jedes Arbeitstages mittels PCR getestet. Im Klinikum sind (Stand 31. Jänner) 16 Covid-Patienten stationär aufgenommen worden, zwei davon auf der Intensivstation. „Ich denke, dass die Impfung weiterhin ein wichtiges Tool zur Eindämmung der Pandemie ist. Obwohl die Omikron-Variante deutlich mildere Krankheitsverläufe zeigt, sehen wir bei ungeimpften Patienten doch auch schwerere Erkrankungen“, appelliert der ärztliche Direktor an die Bevölkerung.
Rotes Kreuz setzt auf PCR- Tests und Schutzausrüstung
„Aufgrund der erhöhten Ansteckungsgefahr durch Omikron setzen wir im Bezirk Eferding verstärkt und gezielt auf ein engmaschiges Testangebot unserer Mitarbeiter. Diese müssen bei Dienstantritt, egal welchen G-Status man hat, einen Antigentest oder im Idealfall einen PCR-Test machen“, gibt Philipp Wiatschka, Bezirksstellenleiter des Roten Kreuzes in Eferding, an. Dort setzt man neben der Maskenpflicht auch auf Home-Office für administrative Mitarbeiter und eine Diensteinteilung in Zweierteams bei Einsätzen. Im Rettungsdienst gibt es bei Infektionstransporten, also dem Transport von coronapositiv getesteten Personen, zudem zusätzliche Schutz-ausrüstung für Mitarbeiter.
Polizei beruhigt
Die Einsatzfähigkeit der Polizei sieht Klaus Zellinger, Chefinspektor der Grieskirchner Dienststelle, nicht akut gefährdet: „Wir haben hier eine beinahe 100-prozentige Durchimpfungsrate.“ Viele Beamte testen sicherheitshalber zusätzlich, und freiwillig, mit Antigentests. Auch wenn es derzeit keine Quarantänefälle in der Dienststelle gibt, möchte man mit dem durchgehenden Tragen der FFP2-Maske und dem Verzicht auf das Durchmischen mehrerer Dienststellen bei Streifendiensten die Funktionsfähigkeit gewährleisten können. Sollte sich dennoch ein Cluster in einer Dienststelle bilden und zu viele Polizeibeamte in Quarantäne gehen, schaltet die Polizeistation auf Minimalbetrieb um, während Nebenstellen Hilfeleistung geben und Aufgaben übernehmen. „So können wir sicherstellen, dass die Polizei trotzdem einsatzbereit ist und sich die Bevölkerung nicht sorgen muss“, sagt Zellinger.
Florianis helfen bei Bedarf untereinander aus
„Für uns war es, ehrlich gesagt, schon einmal schlimmer als jetzt gerade“, zeigt sich der Grieskirchner Bezirksfeuerwehrkommandant Herbert Ablinger entspannt. Geimpfte Florianis dürfen mit negativem PCR-Test wieder an Übungen und Lehrgängen teilnehmen – wenn auch nur in Kleingruppen. Ungeimpfte Florianis können derzeit nur bei Einsätzen dabei sein – unter Einhaltung der Maskenpflicht sowie der 3G-Regel. „Anders wäre das mit unseren spontanen Einsätzen auch gar nicht möglich“, so Ablinger. Sollte es einmal doch zu großflächigen Ausfällen kommen, wird die Dienststelle vorübergehend geschlossen. „Wir haben 68 Feuerwehren im Bezirk. Sollte eine Dienststelle ausfallen, übernimmt die Nachbarfeuerwehr“, möchte der Bezirkskommandant beruhigen.
Flächendesinfektion im Zug
„Die Auswirkungen der Omikron-Welle sind zwar spürbar, aber nicht an einem kritischen Punkt“, sagt Torsten Veit von der Verkehrsgesellschaft Stern und Hafferl, zu der auch die Linzer Lokalbahn (LILO) gehört. Die Fahrzeuge werden täglich gereinigt, Kontaktflächen mit Flächendesinfektion behandelt. Auch die Klimatisierung wurde so reguliert, dass die größtmögliche Frischluftzufuhr gewährleistet sei. Sollte es kritisch werden, gäbe es laut Veit Konzepte und Schritte, die in Abstimmung mit dem oberösterreichischen Verkehrsverbund eingeleitet werden – Alternativen zu erkrankten Mitarbeitern sind jedoch nur schwierig gestaltbar. Um Infektionen zu vermeiden, sei daher die Einhaltung der geltenden Hygieneregeln essenziell: „Vor allem um unser Personal in dieser schwierigen Zeit der Höchstbelastung im täglichen Dienst zu entlasten“, wünscht sich Veit.
407 Klassenzimmer leer
Derzeit sind laut Bildungsdirektion Oberösterreich 407 Schulklassen im Distance Learning. Kollateraleffekte wären damit vor allem in der berufstätigen Bevölkerung zu erwarten, da durch die Betreuung von schulpflichtigen Kindern zuhause gleichzeitig Ausfälle in Betrieben entstehen. Um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, setzen die Schulen in den Bezirken Eferding und Grieskirchen auf FFP2- Masken, genügend Lüftungsmöglichkeiten, die Möglichkeit, von zuhause aus am Unterricht teilzunehmen, Gurgeltests und Impfungen.
Zivilschutzverband appelliert an Bevölkerung
Keine besonderen Vorkehrungen trifft der oberösterreichische Zivilschutzverband, appelliert jedoch an die Bevölkerung. „Wir raten dazu, Kontakte zu vermeiden und den Wert der Masken hochzuschätzen. Sie bieten nicht nur den Schutz der eigenen Person, sondern auch seiner Umwelt“, so der Grieskirchner Bezirksstellenleiter Peter Pohn.


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