Schlüßlberger Winzer: Auf Genießer von Wein wartet heuer ein vielversprechender Jahrgang
SCHLÜSSLBERG. Die Weinlese ist heuer ungewöhnlich früh gestartet. „Wir hatten heuer am 1. September den frühesten Lesestart“, sagt der Schlüßlberger Winzer Armin Kienesberger. Die Lese endet damit ungefähr dort, wo sie normalerweise beginnt – rund zwei Wochen früher als üblich.

„Armin Kienesberger – Biodynamischer Weinbau“, vormals „Casa Amore“, ist seit 2017 biozertifiziert und seit 2018 Demeter-zertifiziert. Das bedeutet, dass der Betrieb nach den strengen Richtlinien des biodynamischen Weinbaus arbeitet, die weit über die üblichen EU-Bio-Vorgaben hinausgehen.
Heuer liegen die Reifezeitpunkte seiner sieben Sorten besonders eng beieinander. „Normalerweise vergehen zwischen Start und Ende circa vier Wochen, jetzt sind es gerade einmal zwei Wochen. Das liegt an den noch sehr warmen Temperaturen in der letzten Reifephase der Weintrauben. Das kann zu einer großen Herausforderung werden, da die Gradation der Trauben schnell ansteigt, die essenzielle Säure rasch abnimmt und auch die Beerenhäute immer dünner werden“, erklärt Kienesberger. Das könne zu Qualitäts- und Mengenverlusten führen, etwa durch Fäulnis oder Insektenfraß.
Großartiges Leseteam
„Aber wir haben mit einer sehr guten Planung und einem großartigen Leseteam aus Freunden und Familie jede Sorte zum perfekten Zeitpunkt in den Keller gebracht. Gewiss ein Vorteil eines kleinen, schlagkräftigen Weinguts. Dennoch ist es eine sehr herausfordernde Zeit, schließlich wollen die Weintrauben auch noch verarbeitet werden“, sagt der Winzer. Bei einer derart kompakten Lese werde meist ohne Pause bis spät in die Nacht gearbeitet, damit am frühen Morgen wieder alle Geräte, Schläuche und Pumpen sauber, funktionstüchtig und am richtigen Ort seien, wenn die nächsten Trauben kommen. Leseboxen, Scheren und Kübel sind bereits um sieben Uhr wieder im Weingarten. Ein Team von 14 bis 20 Personen erntet meist nur bis 10 Uhr, damit die Trauben kühl in den Weinkeller gebracht werden können. Je nach Sorte und Wetterbericht für den nächsten Tag werden zwischen 1.000 und 3.000 Kilogramm geerntet.
Positive Bilanz
Trotz der schwierigen Bedingungen fällt Kienesbergers Bilanz positiv aus: „Der Jahrgang 2026 sieht für mich sehr vielversprechend aus, das Traubenmaterial ist kerngesund und schmeckt großartig.“ Seine Ernte ist heuer um zehn Prozent mehr als im Druchschnitt der letzten zehn Jahre. Die Trauben hätten eine normale Größe. Das sei ein Indiz dafür, dass Bio- und Demeter-Betriebe mit ihrer Bewirtschaftung und ihren Böden besser mit den Herausforderungen in solchen Jahren zurechtkommen. „2026 war sicher ein Jahr der Extreme, aber es hat in unserer Region immer zum richtigen Zeitpunkt geregnet. Und zum Glück wurzelt die Rebe sehr tief“, sagt Kienesberger.
Geduld und Zeit
Nun komme es auf die richtigen Entscheidungen im Keller sowie auf Geduld und Zeit an. „Unsere Philosophie lautet ‚slow made – low tech – handmade‘. Das heißt, wir arbeiten ohne Zusätze, Schönungen oder Filtration“, erklärt der Schlüßlberger. Die Weine vergären spontan und bekommen die nötige Zeit, um sich zu klären und zu reifen. Nach zwei bis drei Jahren kommen die Weine von Kienesberger in den Verkauf. „Sie haben dafür aber eine besondere Handschrift, die speziell in der gehobenen Gastronomie und von Weinspezialisten sehr geschätzt wird“, erklärt der Winzer.
Das Weingut sei trotz des Hitzejahres weitgehend unbeschadet durch die Saison gekommen. „Das liegt zum einen an dem für heuer angepassten Laubwandmanagement. Wir haben hier kaum eingegriffen, um die Rebe nicht zusätzlich zu stressen und ihr möglichst viel Beschattung zu geben. Aber die wichtigste Stellschraube ist für uns sicher der Boden.“
Mit der biodynamischen Wirtschaftsweise sorge der Betrieb für einen gesunden, lockerporigen Boden mit guter Wasserspeicherfähigkeit. „Hohe Begrünung mit verschiedensten Gräsern und Kräutern, ganzjähriger Humusaufbau durch Schafe, intakte Bodenlebewesen, kein Befahren mit schweren Geräten und keine Spritzmittel, die die Reben noch ‚durstiger‘ machen, sind wichtige Ansätze“, erklärt Kienesberger.
Herausforderung
Der Weinbau in der Region Grieskirchen bleibe dennoch eine Herausforderung. Es fehle an einer langen Tradition und an Infrastruktur rund um den Weinbau. Dadurch seien die Produktionskosten höher als in klassischen Weinbauregionen. Auch gegenüber oberösterreichischem Wein gebe es bei Konsumenten noch Vorbehalte. Hinzu kommen laut Kienesberger steigende Kosten und ein weltweit rückläufiger Weinkonsum. Der Weinmarkt sei übersättigt. „Der Weg ist noch sehr steinig“, sagt der Schlüßlberger. Als Maßstab für einen guten Jahrgang gilt für den Winzer die Ausgewogenheit zwischen Qualität und Menge der Trauben.
Weinverkostung
Ein besonderes Service für Weinfreunde: Kienesberger bietet Verkostungen im Weingarten für Gruppen ab zehn Personen an. Dazu gibt es Informationen über die Weine, die Philosophie des Betriebs und die Bewirtschaftungsweise. Möglich sind auch kulinarische Abende im Weinkeller.








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