Suche


Weitere Angebote

Sociale Medien

Kontakt

GRÜNBACH. Gottfrieda Döberl (82) war zu einer Zeit junge Mutter, als noch Stoffwindeln mit der Waschrumpel gewaschen und das Geschirr von Hand gespült werden musste. Bei acht Kindern bedeutete das viel Arbeit für die Grünbacherin, die heute Oma von 21 Enkerln und Uroma von neun Urenkerln ist. „Tips“ holt sie stellvertretend für alle Mütter vor den Vorhang.

Weißt du noch? Frieda und Franz Döberl beim Durchblättern alter Fotoalben.
  1 / 3   Weißt du noch? Frieda und Franz Döberl beim Durchblättern alter Fotoalben.

Den ersten Urlaub haben Frieda und Franz Döberl erst nach ihrem Silbernen Hochzeitsjubiläum gemacht. Die 25 Jahre davor fehlte es schlicht an Zeit und auch an Geld, hatte das seit 1956 verheiratete Paar doch fünf Töchter und drei Söhne groß zu ziehen.

Leben auf dem Schleppkahn

Die ersten Jahre der Elternschaft gestalteten sich beinahe abenteuerlich, lebte die Familie mit den drei erstgeborenen Töchtern doch auf einem Schleppkahn, der mit Kohlen beladen zwischen Linz und Regensburg die Donau rauf und runter fuhr.

„Mein Mann war Steuermann auf einem Schlepper und ich bin nach der Hochzeit mit ihm mitgefahren“, erinnert sich Frieda Döberl, die in der Glaserei Schober in der Pfarrgasse in Freistadt eine Lehre zur Verkäuferin gemacht hatte.

Der Schleppkahn war zugleich das Heim der jungen Familie. Fließendes Wasser, Heizung oder Strom gab es nicht, für Licht sorgten Petroleumlampen. „Der Wohnraum mit der Küche befand sich in einer kleinen Holzkabine. Im Schiffsrumpf hatten wir und die Kinder ein gemeinsames Schlafzimmer. Im Winter war es darin so kalt, dass das Wasser in einem Kübel neben den Betten einfror. Die Kinder haben wir wegen der Kälte unter der Tuchent gewickelt, mein Mann hat mir dabei mit der Taschenlampe geleuchtet“, erzählt Oma Frieda, wie sie von ihrer Schar an Enkerln und Urenkerln genannt wird.

Den Laden alleine geschupft

„Das Wasser zum Wäsche waschen und Baden haben wir mit einem Eimer aus der Donau geholt und am Holzofen erwärmt.“ Die Arbeit am Schlepper ging über Monate sieben Tage die Woche. „Im Sommer waren wir dann meist zwei, drei Monate daheim in Grünbach, dort hatten wir ein Zimmer“, erinnert sich die 82-Jährige. Nebenbei baute die junge Familie noch an ihrem Haus, das sie 1963 bezog.

Franz Döberl fuhr noch eine Weile am Schlepper, bevor er in die Chemie Linz wechselte. Er kam in den ersten Jahren immer nur an den Wochenenden nach Hause zu der stetig wachsenden Kinderschar und zu seiner Frau, die den Laden in der Zwischenzeit alleine schupfte – ohne moderne Helferlein wie Waschmaschine, Geschirrspüler oder Staubsauger wohlgemerkt.

Schwerer Schicksalsschlag

„Ich war Mutter, Köchin, Putzfrau, Schneiderin, Waschfrau und Gärtnerin im einem. Oft bin ich um 5 Uhr aufgestanden, habe den Kindern die Schuljause gerichtet, noch in Ruhe gebügelt und genäht – und dann ist es auch schon den ganzen Tag dahingegangen“, erinnert sich die Grünbacherin zurück. Vom Schicksal schwer getroffen wurde die Familie, als Tochter Elvira im Alter von nur zwölf Jahren ganz unerwartet und plötzlich verstarb. Frieda Döberl war damals mit dem achten Kind, das 1974 geboren wurde, schwanger.

Oma mit nur 42 Jahren

Als das Jüngste sechs Jahre alt war, machte die älteste Tochter Frieda Döberl mit nur 42 Jahren das erste Mal zur Oma. „Wir haben immer die kleinen Kinder da gehabt“, sagt Frieda Döberl, deren Tür stets für die Großfamilie offen steht.

Äußerst beliebt sind bei Kindern und Enkerln Oma Friedas Einladungen zum Essen, wofür sie dann jedes Mal gut und gerne einhundert Hascheeknödel dreht oder ein Kistenbratl samt Knödel und Kraut für zig Personen zubereitet.

Immer auf Achse, und das ohne eigenes Auto

Zweieinhalb Jahrzehnte lang musste Frieda Döberl auf Urlaub verzichten, dafür genossen sie und ihr Ehemann danach das Reisen in vollen Zügen. Auch heute noch geht die 82-Jährige gerne auf Reisen. Außerdem singt sie im Chor, tarockiert leidenschaftlich gerne und geht jede Woche zum Kegeln.

Ein Auto hatten Frieda und Franz Döberl übrigens nie, auch keinen Führerschein: „Wir haben kein Auto gebraucht, sind immer zu Fuß gegangen oder mit dem Fahrrad gefahren.“ Heute greifen sie gerne auf die Chauffeursdienste der großen Kinder- und Enkelschar zurück.

Unterschied damals – heute

Nach dem Unterschied zwischen Muttersein seinerzeit und heute gefragt, antwortet Frieda Döberl: „Mir scheint, früher waren wir schon ein wenig strenger. Wenn man so viele Kinder hat, muss es in der Familie Regeln geben und alle müssen zusammenhelfen. Außerdem hab ich damals keinen Aufwand betrieben wie das heute so manche Mütter machen, wenn einem Kind mal ein Essen nicht geschmeckt hat. Da gab“s dann halt ein Butterbrot und fertig. Dass Kinder einen mit der Hand grüßen, das sehe ich heute auch nicht mehr oft. Ich finde, da sollten die jungen Eltern heute mehr Wert darauf legen.“


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.

Jetzt anmelden