Pilgerbegleiterin Christine Butzenlechner: „Pilgern ist mehr als Wandern, es ist eine spirituelle Erfahrung“
HAFNERBACH. Seit rund fünf Jahren ist Christine Butzenlechner als Pilgerbegleiterin im Einsatz. Tips sprach mit der Hafnerbacherin über ihre Erfahrungen und über das Wesen des Pilgerns.

„Ich war schon immer gerne in der Natur unterwegs und habe meine Seele baumeln lassen“, erinnert sich Christine Butzenlechner bei einem Treffen in der Privatvolksschule Mary Ward St. Pölten, wo sie nach 20 Jahren Tätigkeit auf einer Bank als Religionslehrerin arbeitet. „Als Lehrerin zu arbeiten ist ein wunderschöner, aber auch lauter Beruf. Die Suche nach Ruhe und Stille war bald ein Thema“, betont die Hafnerbacherin.
Ausbildung
Und so ließ sie sich 2012/2013 parallel zur Lehrtätigkeit zur Pilgerbegleiterin und Erwachsenenbildnerin ausbilden. „Die Ausbildung habe ich in der Diözese Linz in verschiedenen Klöstern absolviert. Sie besteht aus etwa fünf Wochenendseminaren, die über das ganze Jahr verteilt sind“, erklärt Butzenlechner, die schon vor ihrer Ausbildung im Pfarrverband Gerersdorf-Prinzersdorf-Hafnerbach-Haunoldstein Wallfahrten mitgestaltet hat.
Pilgern – Wallfahren
Zwischen Pilgerwanderungen und Wallfahrten besteht jedoch ein großer Unterschied, wie Butzenlechner erklärt: „Beim Wallfahren geht es darum, als Gruppe mit einem bestimmten Anliegen, wie Genesung bei Krankheit oder Kinderwunsch, ein Ziel zu erreichen. Beim Pilgern ist schon der Weg an sich von Bedeutung, das Aufbrechen, das Unterwegssein, das Ankommen mit allen Höhen und Tiefen“. Durch das Gehen geschieht der Pilgerbegleiterin zufolge Veränderung, die Sinne schärfen sich, man legt sich mehr Gelassenheit zu.
„Durch die Wüste gehen“
„Beim Pilgern ist es wichtig, an seine Grenzen zu stoßen, psychisch und physisch durch die Wüste zu gehen. Pilgern soll heilsam sein und etwas mit einem machen. Es ist mehr als Wandern, es ist eine spirituelle Erfahrung, auch für jemanden, der nichts mit der Kirche zu tun hat“, ist Butzenlechner überzeugt. Auch die Auseinandersetzung mit der Geschichte der Natur- und Kulturlandschaft, in der man sich als Pilger bewege, gehöre dazu.
Begleitete Pilgerwanderung
Bei einer Pilgerwanderung mit Christine Butzenlechner steht immer ein spezielles Thema im Vordergrund. „Dazu verwende ich auch bestimmte Symbole wie „Baum“ oder „Wasser“, die ich mit Liedern, Geschichten und schönen Texten verbinde. Beim Pilgern muss sich etwas tun, es muss etwas angestoßen werden. Ich setze Impulse und nach etwa drei Tagen knistert es in der Gruppe. Die große Kunst als Pilgerbegleiter ist, Heilungsprozesse zu fördern. Man ist da auch Seelsorger“, erklärt Butzenlechner.
Stille in der Gruppe?
Dass stilles Pilgern in einer Gruppe nicht immer möglich ist, liegt auf der Hand. „Stille ist aber sehr wichtig. Daher lege ich mit meinen Gruppen auch immer wieder „stille Strecken“ von mindestens einer halben Stunde zurück“, so Butzenlechner. Das Gehen in Gemeinschaft stellt für manche Pilger jedoch auch eine Herausforderung dar. „Das geschmückte Pilgerkreuz wird ganz vorne an der Spitze der Gruppe getragen. Davor geht niemand. Manche tun sich sehr schwer, langsam zu gehen“, so die Pilgerbegleiterin.
Bei Infrastruktur Luft nach oben
Negative Erfahrungen hat die Hafnerbacherin auf ihren Pilgerwanderungen bisher kaum gesammelt. „Einmal hatte ich eine schlechte Unterkunft und manchmal ist es für Pilgergruppen schwierig, in Niederösterreich eine Unterkunft zu finden. Da ist in Sachen Infrastruktur noch etwas Luft nach oben“, so Butzenlechner.
Pilgern als große Chance
Dass Butzenlechner eine begeisterte Pilgerin ist, ist offensichtlich. Meist ist sie alleine oder mit ihrem Mann Anton Butzenlechner unterwegs. „Mir ist es wichtig, zur Ruhe, zu mir zu kommen; bei Gott anzukommen. Ich bin ein sehr gläubiger Mensch. Beim Pilgern genieße ich das Gefühl, gehalten, geborgen, geliebt zu sein. Einfach da zu sein. Nichts tun, denken oder leisten zu müssen. Das ist ja die große Chance des Pilgerns: zu lernen, einfach da zu sein. Nicht ständig erreichbar zu sein. Das ist nicht mehr selbstverständlich. Wir versklaven uns ja mit der ständigen Erreichbarkeit. Pilgern hilft zu lernen, sich wieder freizumachen“, ist Butzenlechner überzeugt.
„Jeder Weg hat seinen Reiz“
Zweimal war sie bereits in Israel. Auch nach Irland, Assisi und Rom unternahm sie Pilgerreisen. „Am Jakobsweg war ich noch nie, alles zu seiner Zeit. Ein Ziel ist auch, den Wolfgangweg von Regensburg nach St. Wolfgang zu gehen“, so die Pilgerin, die in Niederösterreich keinen speziellen Pilgerweg favorisiert. „Jeder Weg hat seinen Reiz. Mariazell ist aber immer wieder besonders schön. Auf der Homepage der Diözese St. Pölten gibt es übrigens viele Literaturhinweise zum Pilgern“, informiert Butzenlechner.
Was muss in den Rucksack?
In einem Pilgerrucksack dürfen laut Butzenlechner vor allem Blasenpflaster, Getränke, Sonnen- und Regenschutz sowie eine Kopfbedeckung nicht fehlen. „Natürlich sind gute Schuhe und Funktionskleidung Voraussetzung. Ich nehme auch gerne ein Notizbuch mit, um meine Gedanken aufschreiben zu können“, erklärt Butzenlechner. Und dann steht dem heilenden, intensiven Pilgern nichts mehr im Wege.


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