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HALLSTATT. Bei europaweit einzigartigen Forschungsarbeiten suchte ein internationales Forscherteam am Boden des Hallstätter Sees Hinweise auf Extremereignisse. Der gesamte See wurde daher hochauflösend vermessen.

Vorbereitungen zu den Bodenbohrungen am Hallstättersee Foto: NHM Wien
Vorbereitungen zu den Bodenbohrungen am Hallstättersee Foto: NHM Wien

Ziel ist es, in über 100 Metern Wassertiefe Hinweise auf jahrhunderte- und jahrtausendalte Hinweise auf extreme Naturereignisse, wie Felsstürze, Massenbewegungen oder auch Erdbeben, aufzudecken. In der ersten Projektphase soll unter anderem ein Register extremer Naturereignisse im Umfeld des Hallstätter Sees aufgebaut werden.

Den Seeboden mit Echolot erforscht

Die Schlammschichten am Grund des Sees sind ein wertvolles Umweltarchiv. Es sind nicht nur reiche Informationen über vergangene Umweltbedingungen in diese Schichten eingelagert, wie zum Beispiel Blütenstaub oder Insektenreste. Auch die Form der Schichten bzw. das Relief der Oberfläche birgt eine Fülle an Informationen. So macht ein hochauflösendes Höhenmodell Felsbrocken, Schuttströme und Abrisskanten sichtbar, die Hinweise auf vergangene Felsstürze, Massenbewegungen, Hochwasserereignisse oder Erdbeben geben können.

Was wird gemessen und wie?

Fünf Tage lang untersuchten in der Vorwoche die Forscher der Universitäten Bern und Innsbruck die Oberfläche des Seebodens. In bis zu 100 Metern Wassertiefe wurden kleinste Höhenunterschiede in dessen Relief gemessen. Denn hier verbergen sich zahlreiche Hinweise auf große und kleine Naturereignisse. Um diese lesen zu können, wird aus den Messwerten ein digitales Geländemodell des Seebodens abgeleitet. Die Messung selbst erfolgte mit Hilfe eines hochpräzisen Multibeam-Echolots, das an einem Boot befestigt wurde. Dieses fuhr den See streifenweise ab.

Ideale Bedingungen für Umweltforscher

Die Landschaft rund um den Hallstätter See bietet erstklassige Bedingungen für die Erforschung der Mensch-Umwelt-Beziehung. Die UNESCO-Welterbe-Region zählt zu den ältesten Kultur- und Industrielandschaften der Welt. Untertägiger Salzbergbau ist hier seit dem 15. Jh. v. Chr. nachgewiesen. Die archäologische Fundlandschaft im Hochtal zeichnet sich durch ihre einzigartigen Erhaltungsbedingungen und die hohe Dichte an Fundstellen aus. Auch der jüngere Bergbau, vor allem jener der frühen Neuzeit, ist durch zahlreiche historische Aufzeichnungen gut bekannt. Zudem gibt es hier verschiedene Typen von Umweltarchiven in unterschiedlichen Naturräumen.

Seen als Schatzkisten der Umweltgeschichte

Seen sind wertvolle Umweltarchive, die eine Fülle an Informationen bergen. Blütenstaub, Reste von Tieren, wie Insekten oder Muschelkrebse, sind in die Schlammschichten am Seeboden eingelagert und liefern reiche Informationen über klimatische Bedingungen, Vegetationsentwicklung, Erosion, natürliche Extremereignisse und die Eingriffe des Menschen in seine Umwelt.

Auch aus der Dicke der Sedimentschichten und ihrer geochemischen Zusammensetzung lassen sich zahlreiche Informationen ablesen. Das Bodensediment des Sees wurde daher mehrfach beprobt, und auch aus einem Moor im Hallstätter Hochtal entnahmen die Wissenschaftler Bodenproben. Diese werden zurzeit an der Universität Innsbruck und der Österreichischen Akademie der Wissenschaften bio- und geowissenschaftlich ausgewertet.


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