Asylwerber in Lehre auch in Hargelsberg von Abschiebung bedroht
HARGELSBERG. Während die Zahl von Asylwerbern in Lehre stetig steigt, sehen sich immer mehr Lehrlinge von einer Abschiebung bedroht. So auch Ali Rezar Jafari, der am 1. März eine Lehre in einem Hargelsberger Betrieb beginnen darf.

748 Asylwerber absolvieren bundesweit eine Lehre, 311 davon aktuell in Oberösterreich, wovon etwa ein Drittel – also 115 Asylwerber – in erster Instanz einen negativen Bescheid erhalten haben und bei Bestätigung in der zweiten Instanz akut von Abschiebung während der Lehre bedroht sind, wie Landesrat Rudi Anschober in einer Presseaussendung mitgeteilt hat.
Chancen ermöglichen
Ali Rezar Jafari ist afghanischer Staatsbürger und flüchtete Ende 2015 mit seiner sechsköpfigen Familie, da der älteste Bruder von den Taliban entführt wurde. Die Familie landete schließlich in Hargelsberg und wurde ab der ersten Minute von zahlreichen Ehrenamtlichen in Deutsch unterrichtet. Durch den sehr guten Kontakt zu Ali Rezar's Familie und den Koordinatoren der ehrenamtlichen Kurse, wurden viele Aktivitäten durchgeführt, wie etwa Schwimmunterricht, qualifizierte Deutschkurse, der Hauptschulabschluss in der Brückenklasse an der HAK Steyr, die Eingliederung in der Gemeinde, ehrenamtlicher Winterdienst bei der Pfarre und vieles mehr.
Volontariat
Nicole Pichler, eine der ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen, die sich um das Wohl junger, arbeitswilliger Asylwerber kümmert, hat viel auf sich genommen, um Ali Rezar eine Lehrstelle zu ermöglichen. Ein sehr arbeitsintensives Unterfangen, wie sie berichtet. Nichtsdestotrotz konnte sich eine Firma aus Hargelsberg dafür begeistern, Ali Rezar die Möglichkeit für eine Lehre zu bieten. Im Herbst 2017 kam der Stein ins Rollen, „der sich zu einer Schuttlawine an Bürokratie entwickelte“, so Nicole Pichler. Noch vor Beendigung der Hauptschulabschlussprüfungen wurde ein Volontariatsantrag für Ali und seinen Zwillingsbruder gestellt. Durch die gute Zusammenarbeit mit dem AMS OÖ konnte dieser auf eine Woche erhöht werden und auch Tochter Kobra hat eine Praktikumsstelle in der Schule für Gesundheits- und Krankenpflege in Steyr bekommen.
Keine Förderungen
Den Wunsch der Firma, die aufgrund der kontroversen Ansichten der Bevölkerung anonym bleiben möchte, beiden Buben eine Anstellung zu bieten, konnte sich das Unternehmen aus wirtschaftlichen Gründen nicht erfüllen. Trotz des bürokratischen Aufwands, den eine Anstellung eines Asylwerbers verursacht, sind keine speziellen Förderungen vorgesehen. Dennoch kann Ali Rezar am 1. März seine Lehre beginnen. Und auch für Bruder Ali Asghar sah es zunächst ganz danach aus, in einem weiteren Hargelsberger Betrieb unterzukommen. Am 26. Februar hätte er bei einer Baufirma eine Lehre beginnen können. Da er jedoch am 1. Jänner 2018 die Volljährigkeit erreicht hat, fällt er in die Lohnklasse für Facharbeiter. Der Betrieb müsste ihm demnach 80 Prozent vom Facharbeiterlohn im ersten Lehrjahr bezahlen. Somit kam es für Ali Asghar zunächst zu keinem Lehrvertrag.
Integration
Ohne das Engagement der vielen Ehrenamtlichen – die unzählige Stunden auf sich nehmen und sich somit aktiv für Integration einsetzen – würde die Familie Jafari keine Möglichkeit haben Fuß zu fassen. Nicole Pichler, als Beispiel für viele andere, hat sich diese Zeit neben ihren fünf kleinen Kindern mühsam herausgenommen. Und solange es Menschen gibt, die sich in den Dienst der guten Sache stellen, gibt es auch Hoffnung für die Integration von Asylwerbern, die sich aktiv am gesellschaftlichen Leben beteiligen wollen. Das ehrenamtliche Team in Hargelsberg vervollständigen Katharina Königsecker, Elke Arbeithuber und Rosi Pichler.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden