Das Gedächtnis der Stadt: Zu Besuch im Horner Stadtarchiv

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Olivia Lentschig Olivia Lentschig, Tips Redaktion, 30.03.2018 12:00 Uhr

HORN. „Es ist für mich faszinierend, alte Schriften zu sichten sowie Stiche und Fotos früherer Zeiten zu betrachten. Aus diesem Interesse heraus, habe ich Anfang der 1980er Jahre öfters das Horner Stadtarchiv aufgesucht. Es war damals unbetreut und so wurde ich 1983 vom Gemeinderat beauftragt, die Leitung des Stadtarchivs Horn zu übernehmen“, erklärt Erich Rabl seine Leidenschaft für die verantwortungsvolle Aufgabe als Stadtarchivar, aus der inzwischen stolze 35 Jahre geworden sind.

„Ebenso spannend finde ich es, aus einer Vielzahl historischer Quellen eine historische Abhandlung zu verfassen. Das Suchen und Auffinden neuer Quellen ist eine reizvolle Aufgabe“, so der ehemalige Gymnasialprofessor, der seit 1985 auch die Funktion als Präsident des Waldviertler Heimatbundes inne hat. Vielen ist er dabei als Mitverantwortlicher für die Erstellung der bekannten Zeitschrift „Das Waldviertel“ ein Begriff, der beliebten Publikation für Heimat- und Regionalkunde.

Aktuelles aus dem Archiv

Verschiedene Projekte des Stadtarchivs Horn dienten im Jahr 2017 dazu, die vorhandenen Archivalien durch Restaurierungsmaßnahmen besser zu erhalten und durch Transkriptionen und Digitalisierung besser zu erschließen.

Digitalisierung, Transkription und Restaurierung

So wurden die Urkunden in Zusammenarbeit mit dem Diözesanarchiv St. Pölten digitalisiert und über die Internetplattform www.monasterium.net allgemein zugänglich gemacht. Es handelt sich um 76 Pergamenturkunden, die den Zeitraum 1395-1856 umfassen und um 41 Papierurkunden (1366-1814). Die älteste Urkunde des Stadtarchivs ist über 600 Jahre alt. Es ist der Stiftungsbrief des Horner Bürgerspitals. Stephan Weyckerstorffer, Bürger zu Horn, und seine Ehefrau Katharina stifteten damals für zwölf arme, kranke Bürger ein Spital.

Auch die 1999 begonnene Restaurierung von Archivalien wurde 2017 fortgesetzt.

Bis ins Jahr 1911 sind die Ratsprotokolle, die wohl wichtigste Quelle zur Horner Stadtgeschichte, handgeschrieben und oft schwer lesbar. Daher startete das örtliche Stadtarchiv im Jahr 2011 nach dem Vorbild des Stadtarchivs Zwettl mit der Transkription der Ratsprotokolle. Bis 2016 wurden von Geschichtsstudenten der Zeitraum von 1848-1898 übertragen. Im Jahr 2017 übertrug Nikolaus Wagner die Ratsprotokolle des Zeitraums von 1588-1597.

Laufender Zuwachs

Das Stadtarchiv erhält laufend Zuwachs von der Stadtverwaltung, nicht mehr benötigte Akten und Unterlagen werden nach einem gewissen Zeitraum dem Archiv übergeben und von diesem geordnet und inventarisiert.

Darüber hinaus wächst der Bestand des Archivs durch Geschenke und Ankäufe. Das Stadtarchiv sammelt von Briefen, Firmenunterlagen, über alte Zeitungen bis hin zu Flugblättern und Plakaten alles, was im Bezug auf die Geschichte der Stadt Horn und ihrer Bewohner interessant ist.

Umfassende Fachliteratur und zahlreiche Besucher

Als besonders beeindruckend präsentiert sich die mehrere tausend Bände umfassende Fachbibliothek. Dort finden sich neben sämtlichen Publikationen über die Stadtgemeinde Horn auch ausgewählte Werke zu Niederösterreich und Österreich sowie zum Archivwesen. Der Zuwachs an Publikationen betrug im Jahr 2017 insgesamt 172 Bücher und Broschüren. Über den Titel als Besucherin mit der weitesten Anreise darf sich Viktoria Sagl aus Moskau freuen. Sie ist Mitarbeiterin der Österreichischen Botschaft in Moskau und ihre Vorfahren stammen aus Breiteneich. Am 1. November 2017 besuchte sie gemeinsam mit ihrer Tochter Elina, die in Wien studiert, und dem Wiener Archivar Josef Vogl das Stadtarchiv, um sich Dokumente und Bilder ihrer österreichischen Vorfahren anzusehen.

Insgesamt gab es im Vorjahr 54 telefonische oder schriftliche Anfragen. 24 Besucher suchten das Stadtarchiv auf, um Einsicht in Archivalien zu nehmen. Am 20. Oktober besuchte eine Abordnung des in Wien beheimateten Vereins „Familia Austria“ das Archiv.

Forschung

Die Archivalien des Stadtarchivs dienen vorwiegend der wissenschaftlichen Forschung. Das derzeit wichtigste Projekt ist eine Stadtgeschichte Horns von den urgeschichtlichen Anfängen bis zum Dreißigjährigen Krieg, die Gustav Reingrabner verfasst. Sein Manuskript ist bereits weitgehend vollständig, jetzt hat Werner Lang die Gestaltung des Textes und den Einbau der Fotos übernommen. Darüber hinaus ist mit den Unterlagen des Stadtarchivs und den Quellen in auswärtigen Archiven wie dem Niederösterreichischen Landesarchiv in St. Pölten ein Heimatbuch über Breiteneich in Vorbereitung.

Eine Seltenheit ist sicher auch, dass in einer Kleinstadt seit 1871 jährlich ein Kalender erscheint. Der von der Druckerei Ferdinand Berger herausgegebene „Horner Kalender“ erschien heuer im 147. Jahrgang. Die Autoren des Kalenders forschen für ihre Beiträge häufig im Stadtarchiv.

Buchneuerscheinung

Ein umfangreicher Beitrag „Die Familien Kummermann, Perger und Stein in Horn – Gewaltsame Vertreibung ins Ausland und Opfer der Shoah“, verfasst von Erich Rabl, soll Ende Mai 2018 in dem von Friedrich Polleroß herausgegebenen Buch „Jüdische Familien im Waldviertel und ihr Schicksal“ erscheinen.

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