Wie Kirchdorf zum "Bezirkshauptort" wurde
KIRCHDORF. Der Kirchdorfer Historiker Anton Aschauer gibt im Tips-Interview einen Überblick über die Entwicklung der Stadtgemeinde Kirchdorf und stellt fest, dass man es wiederholt geschafft hat, aus Krisenzeiten gestärkt hervorzugehen.

Tips: Wann wurde Kirchdorf zum „Bezirkshauptort“?
Anton Aschauer: Mit dem Ende der Grundherrschaft im Anschluss an die Revolution von 1848 wurden Bezirkshauptstädte und -orte, Bezirksgerichte und autonome Ortsgemeinden geschaffen. Damit wurde die künftige Verwaltungsstruktur festgelegt.
Tips: War es für Kirchdorf damals ein wichtiges Anliegen, Bezirkshauptort zu werden?
Aschauer: Da Kirchdorf damals geografisch doch eher im Abseits lag – die Pyhrnbahn wurde erst zirka 40 Jahre später eröffnet – war es von großem Interesse, den Status eines Verwaltungszentrums zu erlangen. So hoffte man, nach dem bald einsetzenden Rückgang der Sensenindustrie der Wirtschaft einen neuen Impuls geben zu können. Um jedoch als Verwaltungszentrum infrage zu kommen, stellte Kirchdorf recht großzügig das alte Rathaus (Hauptplatz 16) als Bezirkshauptmannschaft und das Kremsmünsterer Freihaus (heute Sparkasse) als Bezirksgericht zur Verfügung.
Tips: Welche wichtigen Stationen gab es noch in der Entwicklung Kirchdorfs?
Aschauer: Wenn man weiter zurückgeht, muss man feststellen, dass die Leinen- und Barchentweberei, vor allem im Spätmittelalter und der frühen Neuzeit, sehr bedeutsam für Kirchdorf war. Ende des 16. und Anfang des 17. Jahrhunderts wurde Kirchdorf dann zum Zentrum des Sensenhandels. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde Kirchdorf Verwaltungszentrum. Um 1900 entstand das heutige Landeskrankenhaus und im 20. Jahrhundert wurde Kirchdorf schließlich zur Schulstadt. 1955 wurde der heutige Südteil Kirchdorfs, in dem die EUMIG (heute UNITECH) und das Bundesschulzentrum ihren Standort fanden, eingemeindet. 1975 erfolgte dann die Stadterhebung.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden