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BEZIRK KIRCHDORF. Die Aufhebung des geplanten absoluten Rauchverbots in der Gastronomie sorgt für Diskussionen im Bezirk. Tips hat sich umgehört.

Symbolfoto: Wodicka
Symbolfoto: Wodicka

ÖVP und FPÖ stimmten im Parlament geschlossen für die Aufhebung des Verbots, das heißt, auch nach dem 1. Mai darf in gastronomischen Betrieben geraucht werden. Die Kremsmünsterer Wirte denken trotzdem über rauchfreie Lokale nach und befragen deshalb seit 15. März die Gäste: „Bevorzugen Sie als Gast ein rauchfreies Lokal?“ Bei Redaktionsschluss waren es über 1800 Votings, 83 Prozent stimmten mit ja und 17 Prozent mit nein. Abgestimmt werden kann noch bis 31. Mai unter www.kremsmuenster.at.

Entscheidungsfreiheit

„Viele Gastronomen wünschen sich, eigenständig und ohne Regulierung entscheiden zu können – obwohl es sinnvoller ist, das Rauchen zu minimieren“, weiß der Wirtesprecher des Bezirkes Kirchdorf, Franz Rettenbacher. „Ein komplettes Rauchverbot in einem Lokal ist sicher eine Umstellung und typische Raucherlokale würden bestimmt Geschäftseinbußen spüren. Wir haben die Entscheidung getroffen, zu bestimmten Zeiten komplett rauchfrei zu sein. Die Gäste nehmen das auch gut an und richten sich danach“, so der Wirt vom Stadtgasthof Rettenbacher zum Goldenen Lamm.

Folgen des Passivrauchens

Die Risiken für Raucher sind klar definiert und erforscht. Dass der Zigarettenrauch auch für die Passivraucher fatale Folgen haben kann, weiß Bezirksärztevertreterin Angelika Reitböck: „Unzählige mehr oder weniger gesundheitsschädliche Stoffe, die sich im Tabakrauch befinden und in die Raumluft übergehen, können bei ausreichend langer Exposition auch bei Nichtrauchern zu den Folgeschäden führen. Schwere Schäden wie fortgeschrittene Gefäßverkalkungen oder Lungenemphysem lassen sich auch nicht mehr rückgängig machen. Abgesehen davon sind bei Nichtrauchern Sofortreaktionen wie Reizung der Schleimhäute und der Atemwege, brennende Augen, Kopfschmerzen, Müdigkeit und Schwindel zu beobachten.“

Arbeitnehmerschutz

„Insbesondere in Zusammenhang mit Schwangerschaft haben wir oft Anfragen von werdenden Müttern, die in Raucherlokalen arbeiten“, berichtet Arbeiterkammer-Bezirksstellenleiter Hannes Stockhammer. Es gibt genaue Regelungen für den Nichtraucherschutz in der Gastronomie. So habend die Beschäftigten beispielsweise ein Recht auf ärztliche Untersuchungen im Zusammenhang mit der Rauchbelastung. Zudem muss die Ausbildung oder die Beschäftigung von Jugendlichen überwiegend in Nichtraucherräumen erfolgen. Schwangere dürfen in Räumen, in denen sie der Einwirkung von Tabakrauch ausgesetzt sind, nicht beschäftigt werden.

Tips stellte den Parteiobleuten, dem Wirtesprecher und der Ärztevertreterin die Frage: „Wie stehen Sie zu einem kompletten Rauchverbot in der Gastronomie?“

Christian Dörfel, ÖVP-Bezirksparteiobmann:

„Ich lehne das totale Verbot ab, weil es dem Wirt jede Möglichkeit nimmt, sein Lokal gästeorientiert zu führen. Die Verschärfung der derzeitigen Trennung in Raucher- und Nichtraucherbereiche ist o.k. Allerdings darf es nicht länger sein, dass man durch ,Nebelschwaden' in den Nichtraucherbereich kommt. Übrigens: Die Gasthäuser in Steinbach an der Steyr sind rauchfrei.“

Michael Gruber, FPÖ-Bezirksparteiobmann:

„Es steht außer Frage, dass Rauchen gesundheitsschädlich ist – dies ist jedoch nicht der zentrale Punkt der Debatte. Es geht um das Selbstbestimmungsrecht privater Gastwirte, die man zu umfangreichen Umbaumaßnahmen gezwungen hat, welche mit einer komplett rauchfreien Gastronomie umsonst gewesen wären. Staatliche Eingriffe in die Freiheit der Bürger oder Unternehmer sind auf ein Mindestmaß zu beschränken.“

Bettina Lancaster, SPÖ-Bezirksvorsitzende:

„Ich befürworte das komplette Rauchverbot in der Gastronomie, obwohl ich selbst Raucherin bin. Ich werde in Zukunft, auch wenn es nicht gesetzlich vorgeschrieben ist, in einem Gasthaus nicht mehr rauchen, denn es besteht eine Belastung für die nichtrauchenden Gäste und Mitarbeiter. In anderen Ländern ist es schon normal, dass man zum Rauchen raus geht. Ich glaube nicht, dass man dadurch geringere Umsätze in der Gastronomie hat.“

Bezirkswirtesprecher Franz Rettenbacher:

„Mir ist es lieber, wenn ich arbeiten kann, ohne dass neben mir jemand raucht. Als Wirt macht man sich Gedanken, dass sich die Gäste im Lokal wohlfühlen und dass man als Unternehmer auch Umsatz macht. Mir ist wichtig, dass ein Mensch selbst entscheiden kann, was er macht. Der Gast kann entscheiden, ob er ins Lokal geht. So sollte auch der Unternehmer frei entscheiden können, ohne dass er etwas diktiert bekommt.“

Bezirksärztevertreterin Angelika Reitböck:

„Vom gesundheitlichen Aspekt für Gäste und Mitarbeiter in der Gastronomie ist dies unbedingt zu befürworten.Zudem geht der internationale Trend völlig in die Richtung eines kompletten Rauchverbots in der Gastronomie, sodass Österreich mit einer separaten Regelung hier sehr unzeitgemäß und wenig fortschrittlich alleine dasteht!“


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