Leserbrief: Neues Denken und Handeln durch die Krise

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Susanne Winter, MA Susanne Winter, MA, Tips Redaktion, 04.04.2020 19:13 Uhr

KIRCHDORF AN DER KREMS. Richard Gappmayer aus Kirchdorf teilt seine Gedanken zur Corona-Krise.

Wir alle erleben im Moment herausfordernde Zeiten. Und das in einer Intensität, wie wir es noch vor wenigen Wochen nicht für möglich gehalten hätten. Falls Sie Unternehmer sind, fragen Sie sich vermutlich gerade, wie Ihre Mitarbeiter in den nächsten Wochen und Monaten arbeiten werden und wie Sie diese Leistung noch länger bezahlen können. Vielleicht blieben auch Lieferungen aus, Aufträge wurden storniert und Ihre Finanzen befinden sich in bedenklicher Schieflage. Wenn Sie angestellt sind und nun von zu Hause aus arbeiten, fragen Sie sich vielleicht, wie lange Sie noch einen Job ihr eigen nennen werden. Und wenn Sie zu den zahlreichen Menschen gehören, die in – wie wir es jetzt ausdrücken – systemrelevanten Berufen tätig sind und direkt an der Front dieser Krisensituation arbeiten, stehen Sie noch einmal vor ganz anderen Herausforderungen als wir anderen. Bei Ihnen bedanke ich mich auf diesem Wege ganz explizit für Ihren Einsatz für dieses Land. Aber es gibt wohl im Moment niemanden, den die Corona-Krise nicht aus seiner persönlichen Komfortzone – beruflich wie privat – gerissen und mit Urgewalt in einer neuen, ungewohnten Realität hat landen lassen.

Angst vor dem Nicht-Einschätzbaren

Was uns am meisten beschäftigt, ist die hohe Ungewissheit, wie lange diese Situation noch anhalten wird und was danach auf uns zukommt. Und genau das vermag aus momentaner Sicht keiner zu sagen. Das bringt Unsicherheit, Angst und bei manchen sogar Panik mit sich. Wir sind es gewöhnt, die Risiken, die wir in unserem hochzivilisierten Leben eingehen, relativ genau einschätzen zu können. Sind es doch Risiken, deren Ausmaß und Auswirkung wir kennen. Jene Risiken jedoch, die für uns nicht sichtbar sind, empfinden wir als extrem beängstigend. Dazu gehören eben Viren oder radioaktive Strahlung, was diejenigen unter den Lesern, die sich an Tschernobyl erinnern, sicher sehr gut nachvollziehen können. Und diese Situation einer nicht greifbaren, aber definitiv vorhandenen Gefahr führt dazu, dass wir vermehrt irrationale Ängste aufbauen und aus diesen heraus eventuell in eine Lähmung oder Starre verfallen. Und genau das sollten wir jetzt nicht tun. Denn, es liegt nur an aus, wie negativ oder wie positiv wir diese Lage für uns interpretieren und daran wachsen.

Die Ungewissheit als Booster der eigenen Entwicklung nutzen

Im Umgang mit dieser extrem hohen Unsicherheit liegt meines Erachtens eine der großen Chancen dieser Krise. Und es ist gerade jetzt der Moment, uns explizit folgendes zu fragen: Wie können wir auf diese nicht greifbare, aber tatsächlich vorhandene Gefahr reagieren? Was löst diese Unsicherheit in uns aus und vor allem, wie können wir sie zur eigenen Entwicklung nutzen?

Die aktuelle Situation zeigt den Bedarf unserer Gesellschaft, sich in persönlichen wie in beruflichen Belangen zu verändern. Im privaten Bereich ist es wohl an der Zeit, das rauschende Konsumverhalten, das wir bisher an den Tag legten, zu überdenken. Wir sind dazu ja bereits gezwungen. Durch die temporäre Schließung aller Geschäfte, die nichts mit der Grundversorgung zu tun haben, können wir kaum Neues ankaufen und stellen dadurch erstaunt fest, dass es auch ohne geht. Wir müssen uns auf neue familiäre Werte und ein neues Zusammensein konzentrieren, da es im Außen kaum noch Ablenkung gibt und gemeinsames Kochen oder gesellige Gesellschaftsspiele im Hausverband plötzlich eine interessante Alternative darstellen. Es könnte die Geburt einer neuen Genügsamkeit sein, die uns als Gesellschaft zusammenbringt und zusammenhält. Wenn wir dies wollen und wenn wir nicht nach dem Ende dieser Krise – und sie wird einmal vorüber sein – sofort wieder in alte Verhaltensmuster zurückfallen.

Neues Denken und Arbeiten

Auch betreffend unsere Art des Arbeitens haben die letzten Wochen machtvoll demonstriert, wie schwer sich unsere Wirtschaft und unsere Verwaltung mit modernen Arbeitsformen immer noch tun. Viele Unternehmen sind nicht in der Lage, ihre Mitarbeiter ins Home-Office zu entsenden, weil dazu die entsprechenden technischen Voraussetzungen fehlen. Und dort, wo es gelingt, herrscht vielerorts noch die alte Denke von achtstündigen Anwesenheitspflichten. Die momentane Krise wird einen Innovationsschub mit sich bringen, wenn Führungskräfte von Unternehmen und Bildungseinrichtungen erkennen, dass ihre Mitarbeiter von zu Hause genauso effizient arbeiten und Schüler weiter lernen – oftmals mit besseren Ergebnissen als zuvor. Es geht um neues Denken und Arbeiten in vielen Bereichen, das uns alle miteinander weiterbringen wird.

Nutzen Sie diese herausfordernde Situation, um auch in Ihrem Leben neu zu denken und neu zu handeln. Und vor allem: Bleiben Sie gesund!

Ihr

Richard Gappmayer

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