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BEZIRK KIRCHDORF. Nach mehr als drei Monaten Corona-Krise, über 60 Milliarden Euro an neuen Schulden und einer rekordhohen Anzahl an arbeitslosen Jugendlichen: Kirchdorfs Wirtschaftskammer, Arbeitsmarktservice und Gewerkschaft ziehen eine erste Bilanz.

Die Corona-Krise zwingt die Unternehmen dazu, an ihrer Kostenschraube zu drehen. (Symbolfoto: Joke_Phatrapong/Shutterstock.com)

Ziel der Landesregierung ist es, Oberösterreich wieder stark zu machen und den Lockdown schnellstmöglich zu überwinden. Doch wie sieht die Realität aller Betroffenen vor Ort, im Bezirk Kirchdorf, aus? Es gibt mehrere Aspekte, die dabei zu beachten sind und viele Stimmen, die gehört werden müssen. „Man kann trefflich darüber diskutieren, ob es nötig war, das ganze Land derart lahmzulegen, oder ob es da nicht auch eine verträglichere Zwischenlösung gegeben hätte. Aber die Situation ist nun einmal so und wir werden Lösungen für alle Betroffenen finden müssen“, betont Rudolf Diensthuber, Vorsitzender des Österreichischen Gewerkschaftsbundes (ÖGB) der Region Kirchdorf.

705 Kurzarbeitsanträge

„Es geht in die richtige Richtung“, sagt Julia Bauer, Geschäftsstellenleiterin des Arbeitsmarkservices Kirchdorf. Insgesamt wurden im Bezirk Kirchdorf 705 Kurzarbeitsprojekte für 8.516 Beschäftigte genehmigt (Stand Ende Mai) und die Bearbeitung der Anträge geschehe tagesaktuell. Obwohl zu Beginn der Corona-Krise die Anzahl an arbeitslos gemeldeten Personen im Bezirk explosionsartig anstieg, habe die Krise auch etwas Gutes: „Vieles funktioniert jetzt besser als zuvor, wie die Nutzung unserer Online-Angebote. Das hätten wir uns schon eher gewünscht“, so Julia Bauer. Davon, dass die Kurzarbeit jedoch nur als punktuelle Zwischenlösung funktionieren kann und nachfolgend langfristigere Strategien Platz greifen müssen, ist Rudolf Diensthuber allerdings überzeugt. Gerade die Baubranche und Automobilindustrie hätte stark zu kämpfen und rechne bis Jahresende mit 70 bis 85 Prozent des eigentlichen Umsatzes. Dies könne einen Abbau der Mitarbeiter mit sich bringen, befürchtet Julia Bauer.

Hilfe für Unternehmen

„Grundsätzlich bemühen wir uns als regionale Bezirksstelle möglichst praxisgerecht zu unterstützen. Außer im Härtefallfonds sind weitere Organisationen mit der Abwicklung befasst“, sagt Klaus Aitzetmüller, Kirchdorfs Wirtschaftskammer-Obmann. Die 3.259 aktiven Unternehmen (Stand erstes Quartal 2020) im Bezirk Kirchdorf seien zwar grundsätzlich positiv gestimmt, jedoch „noch immer in einer stressbeladenen Ausnahmesituation“, so Siegfried Pramhas, Kirchdorfs Wirtschaftskammer-Bezirksstellenleiter. „Die Krise hat uns alle überrascht und die Unternehmen müssen derzeit an ihrer Kostenschraube drehen“, fährt der WKO-Bezirksstellenleiter weiter fort: „Vor allem die Freizeitbranche, der Modehandel, Veranstaltungs- und Cateringunternehmen, Busunternehmen, die Gastronomie sowie die Reisebranche sind besonders hart betroffen. In unserem Bezirk wurden Unternehmen teilweise für mehrere Monate geschlossen. In vielen Branchen kann man das nicht einfach aufholen.“

„Es wird nachgebessert“

Dass dieses Aufholen auch durch die begrenzte Hilfe und der übermäßigen Bürokratie gedämmt werde, ist derzeit immer wieder zu hören. Der ÖGB Kirchdorf Vorsitzende versteht, dass sich viele klein- und mittelständische Unternehmen hilflos fühlen und der WKO-Obmann betont, dass hier laufend nachgebessert werde: „Soweit uns bekannt ist, haben viele Unternehmen über den Härtefallfonds eine finanzielle Unterstützung erhalten. Die Erwartungen hinsichtlich der ausbezahlten Förderhöhe waren sicherlich wesentlich höher. Tatsache ist, dass hier aber noch laufend nachgebessert wird.“


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